Herdenschutz: Der Hund, treuester Begleiter des Menschen – auch für’s Huhn?

05 August 2025
Mobilstall
Herdenschutzhund

Kerstin Eckhardt, die seit 2018 mobile Hühnerhaltung praktiziert, berichtete in einem Online-Seminar aus dem Netzwerk Fokus Tierwohl mit dem Titel „Tiergerechte Haltung von Herdenschutztieren im Legehennenauslauf - das bewirkt meckern und bellen” von ihren Erfahrungen mit Herdenschutzhunden (Serie Herdenschutz, Teil 2).

Beutegreifer wie Habicht, Fuchs oder Marder sorgen Jahr für Jahr für teils erhebliche Verluste in der Freilandhaltung von Legehennen. Allein durch Greifvögel gehen laut Schätzungen bundesweit bis zu zehn Prozent der Bestände verloren – mit drastischen Auswirkungen auf Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Arbeitszufriedenheit. Klassische Schutzmaßnahmen wie Netze oder Zäune stoßen in der Praxis oft an technische oder finanzielle Grenzen.

Doch immer mehr Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter setzen auf tierische Helfer: Ziegen, Alpakas oder speziell ausgebildete Herdenschutzhunde übernehmen eine neue Rolle im Hühnerauslauf. Ihre Präsenz stört Jagdmuster von Greifvögeln und schützt Hennen vor Angriffen. In dieser Serie zeigen wir, wie verschiedene Betriebe den Einsatz von Herdenschutztieren erfolgreich umsetzen, worauf bei Haltung, Pflege und Integration zu achten ist – und welche Herausforderungen bestehen.

Mit Erfahrungsberichten, praktischen Tipps und rechtlichen Hinweisen bieten wir Orientierung für alle, die ihren Betrieb nachhaltig schützen und gleichzeitig das Tierwohl verbessern wollen.

Inhalte der Serie auf einen Blick

 

Mobile Hühnerhaltung: Kerstin Eckhardt und ihre Legehennen

Seit 2018 betreibt die gelernte Krankenschwester mobile Hühnerhaltung – inzwischen mit drei Mobilställen und rund 1.350 Legehennen. Parallel begann sie, Herdenschutzhunde zu halten – und setzt diese gezielt zum Schutz ihrer Tiere ein. Mittlerweile bewachen sieben Hunde ihre Hühner: ein Maremmano Abruzzese (Maremmen-Abruzzen-Schäferhund) und sechs Šarplaninacs (Jugoslawische Hirtenhunde), die zwischen 2018 und 2023 geboren wurden.

Herdenschutzhunde: Wächter auf vier Pfoten

Ob Fuchs, Marder, Dachs, Waschbär oder menschliche Diebe – viele Räuber streifen durch die Landschaft. Aber auch in der Luft lauern Gefahren: Habichte, Krähen und sogar der Uhu gehören zu den natürlichen Feinden des Huhns. Die Herdenschutzhunde Akela, Yona, Luan, Yakari, Sandor, Hilda und Holly patrouillieren über das Gelände und halten die Angreifer fern. Doch damit das Zusammenspiel zwischen Hund und Huhn funktioniert, braucht es Fingerspitzengefühl – und viel Geduld.

Behutsame Gewöhnung: Hühner sind keine leichten Schutzobjekte

Die dynamischen Hühner bewegen sich in der Gruppe, sind neugierig, ständig in Bewegung und kommunizieren lautstark. Dieses Verhalten kann bei Hunden Jagdinstinkt oder Spieltrieb auslösen – mit fatalen Folgen. Umso wichtiger ist eine behutsame Gewöhnung: Welpen lernen früh, dass Hühner keine Spielkameraden sind, sondern zur Herde gehören. Die Ausbildung umfasst klassische Grundkommandos, den Umgang mit Weidetieren, die Akzeptanz von Zäunen als Begrenzung sowie das Erkennen des eigenen Schutzterritoriums.

Die Integration erfolgt stufenweise: Anfangs gibt es nur Sichtkontakt, später kontrollierte Begegnungen. Der Mensch muss stets als Bezugsperson präsent bleiben. Denn unbeaufsichtigt sind die Hunde mit den Hühnern nie, da es trotz aller Vorsicht auch bei gut ausgebildeten Hunden zu Zwischenfällen kommen kann.

Lebensraum auf der Weide: Für Herdenschutzhund und Huhn

Besondere Anforderungen stellt das Weideleben auch an die Infrastruktur. Die Hunde brauchen Rückzugsorte, Schatten und Zugang zu Wasser. Als Unterschlupf dienen zum Beispiel Kälberiglus, Hütten oder auch umgebaute Viehanhänger. Gefüttert wird außerhalb der Hühnerreichweite – um Konflikte zu vermeiden. Ebenso müssen die Hunde lernen, das Hühnermobil nicht zu betreten – und auch nicht an Kabeln oder Gummiteilen zu kauen.

Information ist wichtig: Nicht jeder versteht den Job der Hunde

Auch das Umfeld reagiert nicht immer positiv: Spaziergänger, Freizeitsportler oder Anwohner fühlen sich mitunter durch das Bellen oder Auftreten der Hunde gestört. Daher informiert ein gut sichtbares Schild an der Weide darüber, dass hier Herdenschutzhunde arbeiten, und dass diese weder angelockt, noch angefasst noch gefüttert werden sollen. Da die Herdenschutzhunde ihr Revier verteidigen, ist es wichtig, Abstand zu halten, die Weide nicht zu betreten und andere Hunde anzuleinen.

Fazit: Mehr als nur Wachhunde

Herdenschutzhunde leisten in der mobilen Geflügelhaltung einen wertvollen Beitrag – vorausgesetzt, ihre Haltung und Ausbildung erfolgen mit Sachverstand, Zeit und Hingabe.

Dies ist Teil 2 unserer siebenteiligen Herdenschutz-Serie. Hier geht’s zu Teil 1, 3, 4, 5, 6, 7 

Magdalena Esterer
Bild: AdobeStock_Reni
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

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