V. l. n. r.: Eigentümer und Geschäftsführer Roel van Zetten, Vertriebsleiter Albart van Zetten und Betriebsleiter Henrico Florissen. „Unser bisheriger Standort war für unsere Wachstumspläne schlicht zu klein“, sagt Florissen.
Mit einer Millioneninvestition baut der niederländische Eierhändler Van Zetten seine Kapazitäten deutlich aus. Das neue Packzentrum in Tiel (Provinz Gelderland) setzt auf moderne Sortiertechnik, hohe Hygienestandards und künstliche Intelligenz. Im ersten Teil unserer kleinen Serie erklärt das Familienunternehmen, warum der Neubau notwendig wurde und weshalb es trotz eines kleineren Legehennenbestands optimistisch in die Zukunft blickt.
Mehr Platz für weiteres Wachstum
Nach fast 135 Jahren am Stammsitz in Ommeren hat der niederländische Eierhändler Van Zetten Ende Februar ein neues Packzentrum im Gewerbegebiet Medel in Tiel (Provinz Gelderland) bezogen. Der moderne Neubau bietet nahezu die dreifache Fläche des bisherigen Standorts und schafft die Voraussetzungen für weiteres Wachstum.
„In den vergangenen Jahren mussten wir Anfragen von Einzelhändlern und anderen Kunden ablehnen, weil uns schlicht die Kapazitäten fehlten“, erklärt Geschäftsführer Roel van Zetten.
Gemeinsam mit seinem Sohn Albart van Zetten und dem operativen Geschäftsführer Henrico Florissen führt er das Familienunternehmen. Die vierte Generation bereitet sich bereits darauf vor, den Betrieb zu übernehmen.
Schwerpunkt liegt auf Konsumeiern
Van Zetten zählt zu den größten Eierpackstellen der Niederlande. Das Unternehmen vermarktet vor allem Eier aus Bio-, Freiland- und Bodenhaltung an den Lebensmitteleinzelhandel. Zu den wichtigsten Absatzmärkten gehören Deutschland, die Niederlande und die Schweiz.
„Wir wollen nicht sprunghaft wachsen, sondern unsere Entwicklung Schritt für Schritt fortsetzen“, sagt Albart van Zetten. Der Neubau schaffe dafür die notwendigen Kapazitäten.
Höhere Anforderungen verlangen neue Strukturen
Nicht nur der steigende Absatz machte den Umzug erforderlich. Auch die Anforderungen an Hygiene und Logistik haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
„Am alten Standort war jeder Quadratmeter mehrfach belegt. Das erschwerte effiziente Arbeitsabläufe“, berichtet Henrico Florissen.
Heute müssen unterschiedliche Eierqualitäten getrennt verarbeitet werden. Gleichzeitig erwarten Handel und Kunden größere Lagerkapazitäten sowie mehr Flexibilität bei Verpackungen und Lieferterminen.
„Unser Ziel ist es, Marktveränderungen frühzeitig aufzugreifen und nicht erst darauf zu reagieren.“
Vogelgrippe erhöht den organisatorischen Aufwand
Die Vogelgrippe stellt Packstellen immer wieder vor zusätzliche Herausforderungen. Liegt ein Legehennenbetrieb innerhalb eines Restriktionsgebiets, gelten umfangreiche Vorgaben für Lagerung, Verarbeitung und Transport der Eier.
„Dann müssen wir Warenströme konsequent trennen, Fahrzeuge häufiger reinigen und zusätzliche Hygienemaßnahmen umsetzen. Das erhöht den organisatorischen Aufwand erheblich“, erläutert Florissen.
Deshalb investierte Van Zetten unter anderem in eine eigene professionelle Waschanlage für die Lkw. Sämtliche Fahrzeuge sind zudem temperaturgeführt.
Künstliche Intelligenz prüft jedes Ei
Im Mittelpunkt des neuen Packzentrums stehen moderne Sortieranlagen des Herstellers Moba. Zwei Linien sind bereits in Betrieb, eine dritte soll noch im Laufe des Jahres folgen.
Die Anlagen nutzen künstliche Intelligenz, um Haarrisse zuverlässig zu erkennen und die Eier automatisch nach Gewicht zu sortieren. Dadurch lassen sich Qualität und Sortiergenauigkeit weiter verbessern.
Trotz kleinerem Legehennenbestand optimistisch
Für den Neubau investierte das Familienunternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag. Trotz des Rückgangs der niederländischen Legehennenbestände sieht Roel van Zetten die Zukunft positiv.
Nach seiner Einschätzung ist der Bestand bislang um rund zehn Prozent auf etwa 31 Millionen Tiere gesunken. Damit falle der Rückgang deutlich geringer aus als ursprünglich erwartet.
„Unsere Branche lebt von Innovation und Anpassungsfähigkeit. Genau das hat sie international wettbewerbsfähig gemacht. Diese Stärke müssen wir erhalten.“
Deutsche Eier gewinnen an Bedeutung
Parallel zum Neubau hat sich auch die Herkunft der vermarkteten Eier verändert. Während früher der überwiegende Teil aus den Niederlanden stammte, wächst der Anteil deutscher Eier kontinuierlich.
Inzwischen kommen rund 40 Prozent der vermarkteten Eier aus Deutschland. Vor einigen Jahren lag dieser Anteil noch bei etwa 20 Prozent. Begünstigt wurde diese Entwicklung auch dadurch, dass nur wenige Vertragsbetriebe an staatlichen Ausstiegsprogrammen teilgenommen haben.
Teil 2 der Serie zeigt, warum Van Zetten konsequent auf langfristige Partnerschaften mit Legehennenhaltern setzt, weshalb das Unternehmen eine vertikale Integration ablehnt und welche Rolle die Direktvermarktung im Einkaufskonzept spielt.




































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