Schutz vor Beutegreifern: So muss ein Zaun für Geflügel aufgebaut sein

27 März 2026
Legehenne
Zaun

Füchse, Marder und andere Beutegreifer bedrohen Geflügelbestände. Ein richtig gebauter und gewarteter Zaun schützt zuverlässig. Fachleute zeigen, worauf Betriebe achten müssen.

Früher schützen statt Verluste riskieren

In einem Online-Seminar, das das Netzwerk Fokus Tierwohl zum Thema „Schutz vor Prädatoren- Abwehr von Beutegreifern und effektiver Zaunbau” veranstaltete, erklärten Inga Garrelfs und Dr. Christiane Keppler aus dem Beratungsteam Tierhaltung des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen was beim Zaunbau zu beachten ist.

Die Sicherung von Geflügel vor Füchsen, Mardern und anderen Beutegreifern beginnt nicht erst, wenn der erste Verlust eingetreten ist. Ein durchdachter Zaun, korrekt installiert und regelmäßig gewartet, kann Verluste effektiv verhindern und gleichzeitig die Tiere abschrecken, ohne sie zu gefährden. Doch welche Anforderungen muss ein solcher Schutzzaun erfüllen, und worauf sollte bei Fest- und mobilen Zäunen besonders geachtet werden?

Elektrozaun als erste Verteidigungslinie

Ein funktionierender Elektrozaun ist die erste Verteidigungslinie gegen angreifende Beutegreifer. Entscheidend ist, dass die Tiere den Zaun bereits beim ersten Kontakt wahrnehmen – nur so wirkt die abschreckende Wirkung. Idealerweise befindet sich der Strom führende Draht im Bereich des Kopfes der Tiere. Blinker oder Klicklaute können helfen, dass sich die Tiere vorsichtig nähern, bevor sie den Zaun berühren.

Um Untergraben oder Überklettern zu verhindern, sollten Zäune eingegraben oder mit einer Schürze versehen werden. Die Zaunhöhe muss ausreichend sein, um ein Überspringen zu verhindern, und Festzäune sollten in jedem Fall mit einem Elektrozaun kombiniert werden.

Festzäune: Stabilität und Schutz müssen Hand in Hand gehen

Bei der Wahl eines Festzauns gilt: Besser von Anfang an richtig bauen. Die Maschenweite sollte so gewählt sein, dass kleine Beutegreifer nicht hindurchschlüpfen können und Klettern unmöglich wird. Herdenschutztiere sollten genügend Auslauf erhalten. Festzäune allein reichen oft nicht aus; ihre Kombination mit Elektrodrähten erhöht die Effektivität erheblich. Typische Höhen liegen zwischen 1,50 und 2,00 m, während eingegrabene Teile des Zauns etwa 80 cm tief sein sollten, um Füchsen oder Mardern das Untergraben zu erschweren. Verzinkter Maschendraht mit mehreren darüber gespannten Litzen hat sich als besonders effektiv erwiesen.

Mobile Zäune: Flexibel, aber wartungsintensiv

Mobile Zäune bieten Flexibilität, erfordern jedoch genaue Beachtung der Funktionsweise: Die Impulsenergie (Stärke des Stromstoßes) hängt von mehreren Faktoren ab – der Länge des Zauns, dem Materialzustand, dem verwendeten Weidezaungerät, der Erdung sowie Bodenbeschaffenheit und Vegetation. Wichtig ist, dass der Stromkreis geschlossen ist. Elektrozäune arbeiten mit kurzen, starken Stromimpulsen, zwischen denen Pausen liegen. Dadurch sind sie für Tiere und Menschen ungefährlich, erzeugen aber einen deutlich abschreckenden Effekt. Ein zu hoher Widerstand oder unzureichende Spannung mindern die Schutzwirkung. Deshalb müssen Spannung, Erdung und Zaunmaterial regelmäßig geprüft werden: Täglich kontrollierte Spannungen zwischen 4.000 und 6.000 Volt gelten als optimal. Sichtbare Funkenschläge oder hörbare Klicklaute können als Indikator dienen, dass alles korrekt funktioniert.

Häufige Schwachstellen vermeiden

Damit ein Elektrozaun zuverlässig funktioniert, muss der Stromkreis korrekt geschlossen werden können. In der Praxis treten häufig Probleme auf, die zu Spannungsverlust führen.

Typische Schwachstellen sind etwa:

  • Bewuchs, der den Zaun berührt
  • Lücken zwischen Zaun und Boden
  • Litzen, die den Boden berühren
  • schadhafte Leitdrähte oder schlechte Verbindungen

Solche Fehler erhöhen den elektrischen Widerstand oder führen dazu, dass Strom permanent zur Erdung abfließt – mit der Folge, dass am Zaun selbst kaum noch Spannung anliegt. Auf dem Zaun muss immer Spannung sein; fehlt sie, kann ein Beutegreifer den Zaun sogar durchbeißen.

Sicherheit für Mensch und Tier gewährleisten

Elektrozäune müssen auch für Menschen gut erkennbar sein. Entsprechende Warnschilder sollten etwa alle 800 m angebracht werden. In Bereichen mit viel Publikumsverkehr – etwa an Wegen oder in der Nähe von Spielplätzen – kann ein Doppelzaun sinnvoll sein, bei dem nur der innere Zaun Strom führt. Bei mobilen Ställen oder in der Freilandhaltung sollte außerdem genügend Platz eingeplant werden. Die Stallversorgung sollte nicht eingezäunt werden.

Wer sich detaillierter informieren möchte, findet praxisnahe Hinweise im „Praxishandbuch Schutz vor Beutegreifern in der Geflügelhaltung“.

Magdalena Esterer
Bild: AdobeStock_annebel146

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