Zweinutzungshühner im Test: Mehr Tierwohl – aber können sie sich rechnen?

26 März 2026
Zweinutzungshuhn
Cream Küken

Zweinutzungshühner gelten als eine Antwort auf das Kükentöten. Doch wie leistungsfähig sind sie wirklich – und können sie wirtschaftlich bestehen? Ein Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft liefert nun belastbare Zahlen aus mehreren Versuchsjahren.

Mit der Frage, wie leistungsfähig Zweinutzungshühner tatsächlich sind – insbesondere unter ökologischen Bedingungen – beschäftigte sich ein mehrjähriges Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel im Staatsgut Kitzingen. Projektleiter Dr. Philipp Hofmann stellte beim fünften ÖTZ-Fachforum für Tiere aus ökologischer Züchtung im März 2026 die abschließende Gesamtauswertung vor.

Sieben Herkünfte im Praxistest

Zwischen 2021 und 2024 wurden insgesamt sieben Herkünfte in zwei Versuchsdurchgängen untersucht. Im ersten Durchgang testeten die Forscher eine Gebrauchskreuzung aus Augsburger Hahn und Lohmann Brown Classic, die ÖTZ Coffee, den Legehybriden Lohmann Sandy als Kontrollgruppe sowie das Triesdorfer Landhuhn. Im zweiten Durchgang folgten ÖTZ Caramel, ÖTZ Cream, Lohmann Dual sowie erneut das Triesdorfer Landhuhn. Die Tiere wurden am Staatsgut selbst ausgebrütet, anschließend getrennt nach Geschlecht aufgezogen und später ausgewertet. Während die Hähne gemästet und geschlachtet wurden, durchliefen die weiblichen Tiere Aufzucht und Legephase. Insgesamt umfasste jeder Durchgang mehrere hundert Tiere.

Gehalten wurden die Tiere unter sogenannten semi-ökologischen Bedingungen. Das bedeutet: ökologische Besatzdichten und biozertifiziertes Futter, jedoch nur eingeschränkter Grünauslauf. „Die Hähne hatten immerhin alternierenden Grünauslauf“, erklärte Hofmann. „Bei den Junghennen und Legehennen konnten wir das aus infrastrukturellen Gründen nicht anbieten.“

Wachstum und Futterverbrauch unterscheiden sich deutlich

Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Zwischen den Herkünften bestehen teils erhebliche Leistungsunterschiede. Bereits in der Mastphase der Hähne zeigten sich deutliche Differenzen bei täglichen Zunahmen, Futterverbrauch und Schlachtleistung.

Im ersten Durchgang erzielte die Linie ÖTZ Coffee die höchsten täglichen Gewichtszunahmen, während Lohmann Sandy und die Augsburger Kreuzung deutlich darunter lagen. Gleichzeitig stieg mit der höheren Mastleistung auch der Futterverbrauch. Ein ähnliches Bild zeigte sich im zweiten Durchgang, wo Lohmann Dual und ÖTZ Cream die besten Zunahmen erreichten.

Auch beim Futteraufwand unterschieden sich die Linien deutlich: Werte zwischen rund 3,5 und über 4 kg Futter pro kg Zuwachs verdeutlichen, wie stark die Effizienz variieren kann.

Legeleistung bleibt die wirtschaftliche Schlüsselgröße

Noch stärker als in der Mast entscheidet jedoch die Leistung der Hennen über die Wirtschaftlichkeit. In der Legephase zeigten sich ebenfalls große Unterschiede zwischen den Linien.

Der Legehybrid Lohmann Sandy erreichte im ersten Durchgang mit rund 321 Eiern pro Anfangshenne die höchste Leistung. Zweinutzungslinien lagen deutlich darunter, während das Triesdorfer Landhuhn mit etwa 190 Eiern klar am Ende rangierte. Im zweiten Durchgang erreichten Lohmann Dual und ÖTZ Cream die höchsten Werte, wobei die längere Haltungsdauer bis zur 85. Lebenswoche insgesamt höhere Eizahlen ermöglichte.

Neben der Menge spielte auch das Eigewicht eine Rolle. Einige Linien produzierten größere Eier, andere hatten einen höheren Anteil kleinerer Größenklassen.

Tierwohl bleibt wichtiger Bewertungsmaßstab

Neben Leistungsdaten erfassten die Forscher auch Tierwohlindikatoren. Dazu gehörten Gefiederzustand, Hautverletzungen sowie Kamm- und Kehlappenverletzungen bei den Hähnen. Wie erwartet nahm die Häufigkeit solcher Schäden mit dem Alter der Tiere zu. Besonders auffällig war dabei das Triesdorfer Landhuhn, das sowohl bei Gefiederschäden als auch bei Hautverletzungen überdurchschnittliche Werte zeigte. Andere Linien schnitten in diesen Punkten deutlich besser ab.

Hohe Kosten bremsen die Wirtschaftlichkeit

Am Ende steht eine nüchterne wirtschaftliche Bilanz. Zwar können Zweinutzungshühner das Problem des Kükentötens lösen – doch sie verursachen höhere Kosten. Vor allem der Futterbedarf liegt deutlich über dem klassischer Speziallinien.

In Modellrechnungen ermittelten die Forscher daher sogenannte vollkostendeckende Eierpreise. Je nach Linie lagen diese zwischen etwa 44 und über 80 Cent pro Ei – deutlich höher als im konventionellen Markt.

Ein Kompromiss zwischen Ei und Fleisch

Für Projektleiter Hofmann ist das Ergebnis dennoch klar einzuordnen: „Zweinutzungshühner stellen einen Kompromiss zwischen Mast- und Legeleistung dar.“ Sie könnten eine praktikable Alternative im Zuge des Kükentötungsverbots sein – allerdings mit ökonomischen Einschränkungen. Ob sich das System langfristig durchsetzt, hängt deshalb von mehreren Faktoren ab: vom genetischen Leistungspotenzial der Hennen, von Erlösen für Eier und Fleisch – und nicht zuletzt von den Futterpreisen.

Magdalena Esterer
Bild: Eva Wolf

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