Zweinutzungshuhn im Handel: Warum der Durchbruch noch auf sich warten lässt

03 April 2026
Zweinutzungshuhn
eier in packung

Das Zweinutzungshuhn verspricht mehr Tierwohl – doch im Handel bleibt es eine Nische. Landwirt Christoph Hönig schildert, warum Konzept und Markt noch nicht zusammenpassen.

Anspruch: Tierhaltung neu denken

Landwirt Christoph Hönig von der Hönig Hof GmbH berichtete beim fünften ÖTZ-Fachforum für Tiere aus ökologischer Züchtung im März 2026 von den praktischen Herausforderungen, die zwischen dem Konzept des Zweinutzungshuhnes und dem Markterfolg stehen.

Für Hönig , der sich seit Jahren mit dem Konzept beschäftigt, ist das Thema Teil eines langfristigen Prozesses.

„Mein Anspruch war immer, die Tierhaltung stetig zu verbessern“, sagt er. In der modernen Geflügelproduktion seien jedoch viele Zuchtlinien stark spezialisiert: „Mit der reinen Hybridzucht haben wir Linien, die nur das Eierlegen in den Fokus stellen.“ Vor diesem Hintergrund erschien ihm das Zweinutzungshuhn als logischer nächster Schritt, nachdem er bereits zuvor Projekte zur Bruderhahnaufzucht umgesetzt hatte.

Erwartungen der Verbraucher als Hürde

Der Einstieg in die Praxis erfolgte zunächst über ein regionales Vermarktungsprojekt mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Die Idee war, Eier von Zweinutzungshühnern regional anzubieten. Doch das Projekt traf auf mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig: Zum einen erwies sich der Zeitpunkt als ungünstig. Bis die Tiere aufgezogen waren und die ersten Eier auf den Markt kamen, hatte sich die wirtschaftliche Situation verändert. Zum anderen stellte sich die Kommunikation als überraschend komplex heraus. Während Verbrauchende das Ende des Kükentötens mittlerweile gut verstehen, ist das Prinzip des Zweinutzungshuhns erklärungsbedürftig. „Bis ich das jemand erklärt habe, brauche ich mindestens drei, vier Minuten – und das kriege ich auf einer Packung einfach nicht transportiert“, sagt Hönig.

Auch produktionstechnische Fragen spielten eine Rolle. In der Anfangsphase seien viele Eier zu klein gewesen, um den Erwartungen der Kundschaft zu entsprechen. „Wenn ein Kunde für eine Schachtel 3,49 Euro bezahlt, dann will er kein sechs S-Eier haben. Dann will er ein Frühstücksei.“

Neustart im Premiumsegment

Trotz der Schwierigkeiten hielt Hönig am Konzept fest und suchte nach neuen Vermarktungswegen. Inzwischen arbeitet sein Betrieb mit einem großen Einzelhändler zusammen, der die Eier von Zweinutzungshühnern im Biosegment anbietet. Diese Positionierung erweist sich aus seiner Sicht als schlüssiger.

„Wenn ein Kunde das gerne möchte, dann möchte er das eben auch in Bioqualität“, sagt Hönig. Die Kombination aus Biohaltung, regionaler Herkunft und Zweinutzungskonzept schaffe eine klarere Botschaft und erleichtere die Vermarktung.

Allerdings relativiert er den aktuellen Erfolg noch. Der Eiermarkt ist derzeit angespannt, die Nachfrage hoch. „Eier sind momentan insgesamt sehr knapp“, erklärt er. Deshalb sei schwer zu beurteilen, ob die Kaufenden gezielt dieses Produkt wählen oder schlicht jede verfügbare Ware. Gleichzeitig sieht er darin auch eine Chance: Viele Verbraucher kämen erstmals mit dem Konzept in Kontakt und könnten sich damit vertraut machen.

Komplexe Botschaft statt einfacher Slogans

Grundsätzlich sieht Hönig eine Herausforderung darin, dass erfolgreiche Tierwohlinitiativen oft auf sehr einfachen Botschaften beruhen.

„Früher hieß die Botschaft: Wir verkaufen keine Käfig-Eier mehr, nur noch Boden und Freiland“, sagt er. Später seien weitere klare Signale hinzugekommen, etwa Biohaltung oder das Ende des Kükentötens. Das Zweinutzungshuhn hingegen sei deutlich schwerer zu erklären. Die Verbrauchenden müssen verstehen, dass die Hähne länger aufgezogen werden, dass die Produktion mehr kostet und dass auch die Eier dadurch teurer werden können.

„Erkläre einem Kunden, dass der Hahn länger lebt als ein Masthuhn, aber fast doppelt so teuer ist“, beschreibt Hönig die kommunikative Herausforderung.

Nische mit Wachstumspotenzial

Trotzdem sieht er langfristig Perspektiven für das Konzept. Entscheidend sei, dass Tierwohl- und Nachhaltigkeitsthemen auch künftig eine Rolle spielen werden.

„Ich glaube, die bessere Tierhaltung wird langfristig immer der Gewinner sein“, sagt Hönig.

Allerdings erwartet er keinen schnellen Durchbruch im Massenmarkt. Stattdessen werde das Zweinutzungshuhn vermutlich ein spezialisiertes Segment bleiben.

"Ich glaube, es wird eine Nische bleiben – aber eine Nische mit Wachstumspotenzial."

Gerade darin sieht er auch eine Chance für landwirtschaftliche Betriebe, sich von der Standardproduktion abzuheben. Entscheidend sei letztlich, genügend Verbrauchende zu finden, die bereit sind, für diese Form der Tierhaltung mehr zu bezahlen.

"Es liegt an jedem Einzelnen, diese Nische so zu gestalten, dass er dafür genügend Kunden findet."

Die Entwicklung des Zweinutzungshuhns ist damit noch längst nicht abgeschlossen. Für Hönig steht jedoch fest, dass solche Ansätze notwendig sind, um die Geflügelhaltung weiterzuentwickeln – auch wenn sie zunächst im kleineren Marktsegment beginnen.

Magdalena Esterer
Bild: Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ)

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