Junghennenaufzucht als Zukunftsmodell: Fachveranstaltung in der Eifel stößt auf große Resonanz

23 Dezember 2025
Junghenne
vermehrung friedrichsruh

Die Nachfrage nach Eiern wächst, regionale Junghennen sind knapp. Bei einer gut besuchten Fachveranstaltung in der Eifel informierten sich landwirtschaftliche Betriebe über Chancen, Anforderungen und wirtschaftliche Perspektiven der Junghennenaufzucht und der Legehennenhaltung.

Großes Interesse an Fachveranstaltung

Zur gemeinsamen Veranstaltung der Geflügelvermehrung Friedrichsruh und der Eierpackstelle D + L Lehnertz GmbH „Eifel-Eier und Eiprodukte“ kamen am 2. Dezember 2025 über 60 Teilnehmer auf den Geflügelhof Lehnertz nach Habscheid. Neben rund 50 Landwirtinnen und Landwirten nahmen auch Vertreter von Futterlieferanten und Stalleinrichtern teil.

Das Publikum bestand überwiegend aus landwirtschaftlichen Familienbetrieben, darunter viele Neueinsteiger, Umsteller und Betriebe mit konkreten Erweiterungsplänen. Die Resonanz zeigte deutlich: Das Interesse an neuen Perspektiven in der Geflügelhaltung ist groß.

Praxiswissen aus erster Hand

Lambert Lehnertz, Geschäftsführer der Eier-Packstelle D + L Lehnertz GmbH, und Hans Rühmling, Geschäftsführer der Geflügelvermehrung Friedrichsruh beleuchteten die Anforderungen der modernen Legehennenhaltung und Junghennenaufzucht. Sie gingen dabei auch auf Investitionsbedarf, betriebliche Organisation und Vermarktung ein.

Ergänzend gab Geflügelfachtierarzt Mark Paulmann Einblicke in die tierärztliche Betreuung und das Gesundheitsmanagement von Geflügelbeständen. Sein Fokus lag auf Prävention, Bestandsstabilität und Biosicherheit.

Regionale Junghennen stark gefragt

Lambert Lehnertz machte zunächst deutlich, dass Legehennenhalter regelmäßig Junghennen benötigen – und diese möglichst aus deutscher Herkunft beziehen wollen. Regionale Aufzucht stärkt die Planungssicherheit der Betriebe und trifft zugleich die Erwartungen von Handel und Verbrauchern an Herkunft, Tierwohl und Transparenz.

Geflügelvermehrung Friedrichsruh sucht neue Aufzuchtbetriebe

Hans Rühmling stellte die Geflügelvermehrung Friedrichsruh vor. Das Unternehmen beliefert vorrangig den Markt in Nordrhein-Westfalen mit Junghennen – vom kleinen Direktvermarkter bis zum großen Legebetrieb mit mehreren hunderttausend Tieren. Das Einzugsgebiet reicht bis nach Hessen, ins südliche Niedersachsen und nach Rheinland-Pfalz. Die Geflügelvermehrung Friedrichsruh sucht neue, moderne Aufzuchtbetriebe.

Einstieg mit langfristiger Perspektive

Nach Einschätzung von Hans Rühmling bietet der Einstieg in die Junghennenaufzucht langfristig stabile Perspektiven: Die wachsende Eiernachfrage sorgt für verlässliche Absatzmärkte. Gleichzeitig stärkt regionale Aufzucht nachhaltige Wirtschaftskreisläufe. Die Betriebe profitieren dabei von einer engen Begleitung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Über 60 Jahre Erfahrung in der Aufzucht

Gut Friedrichsruh blickt auf mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Junghennenaufzucht zurück. Die spezialisierten Aufzuchtprogramme sind auf die Anforderungen moderner Legehennenhaltung und Direktvermarktung abgestimmt und werden kontinuierlich weiterentwickelt.

Als Leitsatz gilt: „Kein Ei ohne Henne.“ Entsprechend hoch ist nach Hans Rühmling der Anspruch an Leistungsfähigkeit, Tiergesundheit und Management. Das Unternehmen arbeitet ausschließlich mit verlässlichen Partnerbetrieben und ist in die EW Group integriert.

Infrastruktur und Beratung als Erfolgsfaktoren

Zur Infrastruktur der Geflügelvermehrung Friedrichsruh zählen mehr als 500.000 Aufzuchtplätze an zehn Standorten. Eingesetzt werden robuste Genetiken von Lohmann Breeders. Spezialisierte Beraterinnen begleiten die Tiere vom Küken bis zur Legehenne.

Ein eigener Fuhrpark gewährleistet die termingerechte Auslieferung. Darüber hinaus ist das Unternehmen eng mit Verbänden und Organisationen wie dem KAT, dem ZDG sowie den Landesverbänden der Geflügelwirtschaft vernetzt.

Blick auf Eier-Packstelle D + L Lehnertz GmbH in Habscheid

Eiermarkt wächst weiter

Rühmling ordnete auch die Marktentwicklung ein – und die fällt für die Geflügelhaltung positiv aus. Während der Fleischkonsum in Deutschland zwischen 2019 und 2024 insgesamt um rund neun Prozent gesunken ist, hat der Geflügelbereich zugelegt. Parallel wächst der Eiermarkt kontinuierlich.

Eier haben ihren Ruf als hochwertiges, preisgünstiges und gesundes Lebensmittel wiedererlangt. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2024 bei 249 Eiern, Tendenz steigend. Gleichzeitig bleibt Luft nach oben beim Selbstversorgungsgrad: Deutschland erreicht rund 72 Prozent, Nordrhein-Westfalen lediglich 32 Prozent, Rheinland-Pfalz etwa 28 Prozent.

Enormer Bedarf an zusätzlichen Junghennen

An einem Rechenbeispiel verdeutlichte Rühmling das Potenzial: Steigt der Pro-Kopf-Verbrauch um ein Ei, benötigt Deutschland rund 280.000 zusätzliche Legehennen. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Junghennen und an neuen Aufzuchtkapazitäten.

Parallel schrumpfen die Kapazitäten in Nachbarländern. In den Niederlanden wurden in den vergangenen Jahren Millionen Lege- und Junghennenplätze abgebaut. Der deutsche Handel fordert zunehmend Ware aus heimischer Erzeugung, kann den Bedarf jedoch nicht vollständig decken.

Vorteile des Einstiegs in die Junghennenaufzucht

Hans Rühmling erläuterte die wesentlichen Vorteile eines Einstiegs in die Junghennenaufzucht. Zentrale Argumente sind eine hohe Planungssicherheit und eine garantierte Auslastung, die wirtschaftliche Risiken deutlich reduzieren und eine verlässliche Ertragsplanung ermöglichen. Gleichzeitig entlastet das System die Betriebe finanziell, da Kosten für Küken, Futter und tierärztliche Leistungen übernommen werden. Durch eine feste Vergütung pro Junghenne bleiben die Betriebe zudem unabhängig von schwankenden Marktpreisen.

Auch das Risiko bei Tierseuchen ist gering, da Entschädigungen bei Leerstand greifen und damit selbst in Krisenzeiten eine hohe Sicherheit besteht. Die Junghennenaufzucht lässt sich zudem gut in bestehende Betriebsstrukturen integrieren, da der tägliche Arbeitsaufwand mit rund eineinhalb Stunden vergleichsweise gering ist und sich der Betriebszweig problemlos mit anderen Einkommensquellen kombinieren lässt. Hinzu kommen ein überschaubares Investitionsvolumen und Standortvorteile, da kein Grünauslauf erforderlich ist und der Flächenbedarf entsprechend gering bleibt. Langfristige Kooperationsverträge mit erfahrenen Partnern sorgen für zusätzliche Stabilität und binden die Betriebe in ein starkes Netzwerk ein. Insgesamt stellt die Junghennenaufzucht ein attraktives zusätzliches Standbein dar, das von einem stabilen Markt, guten Zukunftsaussichten sowie einer positiven Imagewirkung durch Regionalität und Tierwohl profitiert.

Fazit: Junghennenaufzucht bleibt Zukunftsmarkt

Die Kombination aus wachsendem Eierkonsum, sinkenden Importmöglichkeiten und dem politischen Wunsch nach regionaler Erzeugung eröffnet der Junghennenaufzucht klare Perspektiven. Für Betriebe mit Investitionsbereitschaft und Fachwissen bietet sie langfristige, stabile Einkommenschancen. 

Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

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Bild: Dieter Theyssen

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