EU produziert 5,5 Prozent mehr Hähnchen – Deutschland fällt deutlich zurück
18 September 2026
Markt Geflügelfleisch
Hähnchenmaststall in Ungarn
Die Hähnchenproduktion in der EU wächst kräftig. Doch Deutschland profitiert davon nicht: Während Osteuropa stark zulegt, sinkt hierzulande die Produktion.
Die Hähnchenproduktion in der Europäischen Union ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Nach aktuellen Eurostat-Daten lag die Produktion bis einschließlich Juni 5,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Hinter dem EU-weiten Wachstum stehen allerdings große regionale Unterschiede.
Besonders kräftig bauen Länder im Osten der EU ihre Produktion aus. Spitzenreiter ist Ungarn mit einem Plus von 19,2 Prozent. Rumänien folgt mit 16,0 Prozent, Polen mit 12,1 Prozent. Auch Litauen (+11,1 Prozent), die Slowakei (+9,0 Prozent) und Kroatien (+8,6 Prozent) verzeichnen deutliche Zuwächse.
Ganz anders entwickelt sich die Hähnchenproduktion in mehreren traditionellen Erzeugerländern Westeuropas. Deutschland verzeichnet ein Minus von 4,1 Prozent. Auch in den Niederlanden (-0,3 Prozent) und Frankreich (-0,6 Prozent) ging die Produktion zurück. Schweden meldet sogar einen Rückgang um 6,5 Prozent.
Hähnchenproduktion verlagert sich Richtung Osteuropa
Die Eurostat-Zahlen zeigen damit einen deutlichen Trend: Das Wachstum der europäischen Hähnchenproduktion findet derzeit vor allem im Osten der EU statt.
Neben Ungarn, Rumänien und Polen steigerten auch Litauen, Kroatien, Slowenien und die Slowakei ihre Produktion um mehr als 7,1 Prozent.
Allerdings müssen die hohen Wachstumsraten im Zusammenhang mit der Entwicklung des vergangenen Jahres betrachtet werden. Polen, Ungarn und Rumänien hatten 2025 mit Geflügelpest und der Newcastle-Krankheit zu kämpfen. Die Tierseuchen belasteten die Hähnchenproduktion und führten teilweise zu stagnierenden oder rückläufigen Produktionsmengen.
2026 konnten die Länder diese Belastungen bislang stärker begrenzen. Gleichzeitig stiegen ihre Hähnchenbestände wieder. Ein Teil der hohen Wachstumsraten ist damit auch eine Erholung gegenüber dem schwächeren Vorjahr.
Polen steigert Hähnchenproduktion um mehr als 12 Prozent
Besonders relevant für den europäischen Geflügelmarkt ist die Entwicklung in Polen. Das Land zählt zu den bedeutendsten Geflügelfleischerzeugern der EU und erhöhte seine Hähnchenproduktion im ersten Halbjahr um 12,1 Prozent.
Noch stärker fiel das prozentuale Wachstum in Ungarn mit 19,2 Prozent und Rumänien mit 16,0 Prozent aus. Damit bauen mehrere osteuropäische Erzeugerländer ihre Produktion gleichzeitig kräftig aus.
Auch außerhalb der EU entstehen zusätzliche Kapazitäten. Aus Usbekistan, den baltischen Staaten sowie ehemaligen Sowjetrepubliken wie Aserbaidschan und Kasachstan werden größere Ausbauprojekte gemeldet.
Auch Spanien und Italien produzieren mehr Hähnchen
Das Wachstum beschränkt sich allerdings nicht vollständig auf Osteuropa. Auch zwei große südeuropäische Geflügelerzeuger haben ihre Produktion ausgeweitet.
Spanien meldet für das erste Halbjahr ein Plus von 7,1 Prozent. Italien steigerte seine Produktion um 4,1 Prozent. Für Belgien wird ein Wachstum von 3,5 Prozent ausgewiesen.
Damit entwickelt sich die Hähnchenproduktion innerhalb Westeuropas unterschiedlich. Während Spanien und Italien zulegen, bewegen sich Deutschland, Frankreich und die Niederlande unter dem Niveau des Vorjahres.
Die wichtigsten Länder der Geflügelfleischproduktion in der EU, Zusammen stehen diese Länder für 72 % der EU-Produktion, Quelle: Eurostat
Deutschland produziert 4,1 Prozent weniger Hähnchen
Für den deutschen Geflügelsektor fällt der Vergleich besonders deutlich aus. Während die EU insgesamt 5,5 Prozent mehr produziert, sank die deutsche Hähnchenproduktion gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent.
Damit öffnet sich zwischen Deutschland und mehreren osteuropäischen Erzeugerländern eine deutliche Schere. Während dort zusätzliche Produktion auf den Markt kommt, entwickelt sich die deutsche Erzeugung in die entgegengesetzte Richtung.
Für das Gesamtjahr wird mit einer Fortsetzung des europäischen Wachstumstrends gerechnet. Als Gründe gelten die derzeit günstigen Marktbedingungen sowie zahlreiche geplante oder bereits laufende Investitionsprojekte. Besonders in Osteuropa könnten dadurch weitere Produktionskapazitäten entstehen.
Ukraine exportiert mehr Geflügelfleisch in die EU
Auch die Ukraine spielt für die Entwicklung des europäischen Geflügelmarktes eine wichtige Rolle. Vergleichbare Daten zur Veränderung der ukrainischen Hähnchenproduktion gegenüber 2025 liegen für den betrachteten Zeitraum nicht vor.
Fest steht jedoch, dass die Ukraine ihr Exportvolumen deutlich gesteigert hat. Insbesondere die Ausfuhren in die Europäische Union nahmen im betrachteten Zeitraum zu.
Damit treffen auf dem europäischen Geflügelmarkt mehrere Entwicklungen zusammen: Die EU produziert insgesamt mehr Hähnchen, osteuropäische Mitgliedstaaten bauen ihre Erzeugung kräftig aus und zugleich gelangen größere Mengen aus der Ukraine auf den europäischen Markt.
Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild:
Big Dutchman
Quelle:
Luc Maertens, Sterke Erven Pluimvee
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