Legehennenfutter: Erbsen aus eigenem Anbau - LeguNet in der Praxis

19 April 2026
Biofutter

Immer mehr Betriebe setzen auf Leguminosen aus eigenem Anbau. Ein Praxisbeispiel zeigt, wie Erbsen die Fütterung von Legehennen nachhaltiger und wirtschaftlicher machen.

Der Anbau und die Nutzung von Leguminosen gewinnen in der deutschen Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen eines bundesweiten Projekts setzt sich das Leguminosen-Netzwerk dafür ein, sowohl die Anbauflächen als auch die Verwertung von Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen oder Soja gezielt zu stärken. Ziel ist es, die Landwirtschaft nachhaltiger und unabhängiger vom globalen Markt zu machen. 

Ein anschauliches Praxisbeispiel liefert der Betrieb Dasenbrock, ein ehemaliger Demonstrationsbetrieb des Netzwerks. Hier wird seit rund fünf Jahren erfolgreich auf den Anbau von Futtererbsen gesetzt, die direkt in der betriebseigenen Tierfütterung eingesetzt werden. 

Regionale Futtermittel aus eigener Produktion 

Der Betrieb wirtschaftet mit konventioneller Legehennenhaltung in Freilandhaltung und verfolgt das Ziel, möglichst viele Futtermittel selbst zu erzeugen. Neben Futtererbsen kommen auch Weizen und Feuchtmais zum Einsatz. Die hofeigene Futtermischung besteht aus etwa 40 % zugekauftem Ergänzer, ergänzt durch 25 % gebrochenen Weizen, 20 % Feuchtmais sowie jeweils rund 8 % gemahlene Erbsen und Perlkalk. 

Die Verarbeitung erfolgt direkt auf dem Betrieb: Während die Erbsen in einer Hammermühle grob vermahlen werden, wird der Weizen lediglich gequetscht. Anschließend werden alle Komponenten in einer Mischanlage zu einem homogenen Futter vermischt. Ein entscheidender Vorteil dieser Eigenmischung liegt in der Einsparung von Transportkosten, da sich das nächste Mischfutterwerk in etwa 100 Kilometern Entfernung befindet. 

Effizienter Anbau mit geringem Aufwand 

Die Futtererbsen werden auf etwa 10 % der Betriebsfläche angebaut, meist als Folgekultur nach Körnermais. Diese Fruchtfolge bietet sich an, da Mais spät geerntet wird und klassische Wintergetreide kaum noch rechtzeitig ausgesät werden können. Nach der Maisernte wird das Stroh gemulcht und verbleibt über den Winter auf der Fläche. Im Frühjahr erfolgt eine flache Bodenbearbeitung, bevor die Erbsen ausgesät werden. Ein anschließendes Anwalzen sorgt dafür, dass Steine im Boden verbleiben und Schäden bei der Ernte vermieden werden. 

Der Pflanzenschutzaufwand ist vergleichsweise gering: In der Regel genügt eine Herbizidbehandlung sowie eine gezielte Mikronährstoffgabe. 

Insgesamt erweist sich der Erbsenanbau damit als deutlich weniger arbeitsintensiv als beispielsweise der Anbau von Raps oder Getreide. Herausforderungen bei Ernte und Lagerung Besondere Aufmerksamkeit erfordert der richtige Erntezeitpunkt. Zu feuchte Bedingungen können dazu führen, dass sich die Pflanzen legen und die Ernte erschweren. In solchen Fällen werden die Erbsen mit Propionsäure behandelt, um ihre Lagerfähigkeit zu sichern. 

Nach der Ernte erfolgt eine Reinigung sowie die Einlagerung in betriebseigenen Hallen. Bei einer Feuchtigkeit von unter 14 % können die Erbsen problemlos gelagert werden. Vor der Verfütterung ist eine Analyse der Inhaltsstoffe notwendig, um die Futterration optimal auszugleichen und mögliche Defizite bei Aminosäuren durch Ergänzer auszugleichen. 

Mehrwert für Boden und Betrieb 

Der Anbau von Leguminosen bringt zahlreiche agronomische Vorteile mit sich. Sie tragen zur Verbesserung der Fruchtfolge bei, fördern das Bodenleben und hinterlassen durch ihre Fähigkeit zur Stickstoffbindung eine gute Ausgangsbasis für nachfolgende Kulturen. Angesichts steigender Düngerpreise gewinnt dieser Aspekt zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Zugleich leisten Leguminosen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Abhängigkeit von importierten Futtermitteln. 

Auch wenn eine vollständige Unabhängigkeit aufgrund von Aminosäuredefiziten derzeit noch nicht möglich ist, stellt ihr Einsatz einen wichtigen Schritt in Richtung resilienterer Agrarsysteme dar. 

Ausblick: Leguminosen weiter stärken 

Das Leguminosen-Netzwerk läuft noch bis 2027 und ist weiterhin auf der Suche nach Betrieben, die als Demonstrationsstandorte fungieren möchten. Gesucht werden Praxisbeispiele sowohl aus der Tier- als auch aus der Humanernährung, die zeigen, wie vielfältig Leguminosen eingesetzt werden können. Der Betrieb Dasenbrock verdeutlicht eindrucksvoll, welches Potenzial in der Kombination aus eigenem Anbau, regionaler Verarbeitung und durchdachter Fruchtfolge steckt. Leguminosen könnten damit eine Schlüsselrolle für eine nachhaltigere Landwirtschaft der Zukunft einnehmen.

Text:
Dieter Theyssen

"Spaß bei der Arbeit, Kreativ sein und gemeinsam ein schönes Ziel erreichen!"

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Bild: Dieter Theyssen

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