Regenwasser gilt oft als harmlos – doch genau darin liegt das Problem. Neue Praxisuntersuchungen zeigen: Wasser transportiert Schmutz, Keime und Schädlinge direkt in Geflügelställe. Viele Betriebe unterschätzen dieses Risiko.
Regen - unterschätzte Gefahr für die Biosicherheit
Regenwasser spielt in der Biosicherheit vieler Geflügelbetriebe kaum eine Rolle. Zu Unrecht. Untersuchungen zeigen, dass das Wasser Schmutz, Staub und Krankheitserreger effizient verbreitet.
„Der Rat, Regenwasser fernzuhalten, ist nicht neu“, sagt Francisca Velkers von der Universiteit Utrecht. Ihr Appell ist klar: Betriebe sollen Hof und Stallumfeld konsequent trocken halten. Pfützen ziehen Wildvögel und Schädlinge an, Vogelkot auf Dächern muss kontrolliert abgeführt werden. Dachrinnen und Entwässerungssysteme müssen zuverlässig arbeiten, damit kein Wasser in Richtung Stall läuft.
In der Praxis hapert es daran jedoch oft. Verstopfte Rinnen, ungünstig geführte Abläufe und Wasseransammlungen direkt vor Türen gehören zum Alltag – und erhöhen das Infektionsrisiko deutlich.
Wasser dringt durch kleinste Öffnungen ein
Auch stehendes Wasser birgt Gefahren. Es bietet Mücken ideale Brutbedingungen und kann so Krankheitserreger verbreiten. Noch gravierender: Regenwasser findet selbst durch kleinste Spalten seinen Weg in den Stall.
Untersuchungen zeigen, dass selbst gut verschlossene Türen Wasser durchlassen. Geflügeltierarzt Willem Dekkers von Royal GD machte das mit fluoreszierendem Gel sichtbar. Er trug das Material an Spalten, Türen und Schwellen auf und überprüfte später mit UV-Licht, wie weit es sich ausgebreitet hatte.
Das Ergebnis: Wasser dringt oft weiter vor als erwartet. Es gelangt direkt in den Stall oder verteilt sich über Stiefel und Fahrzeugräder. Teilweise erreicht es sogar die Tiere oder durchfeuchtet die Einstreu hinter den Türen. Schon das genügt, um ein Risiko zu schaffen.
Unsichtbare Schwachstellen im Stall
Entscheidend sind nicht große Schäden, sondern kleine, kaum sichtbare Öffnungen. „Kein Loch für eine Maus – aber groß genug für Wasser“, beschreibt Dekkers die Situation. Diese Schwachstellen bleiben im Alltag oft unbemerkt.
Besonders anfällig sind wenig genutzte Türen, etwa Notausgänge. Dort entdeckten die Forscher häufiger Leckagen und Insektenbewegungen. Regenwasser verstärkt diese Effekte zusätzlich.
Insekten und Wildvögel als zusätzliche Überträger
Wenn Regenwasser mit Kot von Wildvögeln in Kontakt kommt, entsteht eine direkte Infektionsquelle. Gleichzeitig nutzen Insekten wie Tempexkäfer kleinste Spalten, um in den Stall zu gelangen und ihn wieder zu verlassen. Sie können Krankheitserreger aufnehmen und weiterverbreiten.
Die Forscher beobachteten sogar, dass Wildvögel von außen angelockt wurden – vermutlich durch die Käfer. Regenwasser erleichtert diese Bewegungen. Damit wirkt es nicht nur direkt, sondern auch indirekt als Übertragungsweg.
Velkers bringt es auf den Punkt: „Ein Stall ist manchmal wie ein Regenmantel mit kaputtem Reißverschluss – das meiste bleibt draußen, aber bei starkem Regen kommt doch Wasser hinein.“
Prävention beginnt außerhalb des Stalls
Wer das Risiko senken will, muss draußen anfangen. Steht kein Wasser vor der Tür, gelangt auch keines hinein. In vielen Betrieben liegt genau hier das Problem: verstopfte Dachrinnen, schlechte Entwässerung oder Senken auf dem Hof.
Selbst funktionierende Systeme können durch Moos oder Ablagerungen an Leistung verlieren. Regelmäßige Kontrolle bleibt daher Pflicht.
Eine einfache Maßnahme hilft sofort: ein Brett mit dicker Einstreuschicht hinter der Tür. Es hält eindringende Feuchtigkeit zurück und schützt die Tiere. Vollständig verhindern lässt sich der Wassereintritt damit jedoch nicht.
Velkers empfiehlt deshalb regelmäßige Kontrollen – am besten während oder nach Regen. Feuchte Stellen, Farbveränderungen oder nasse Einstreu zeigen schnell, wo Schwachstellen liegen. Oft reicht ein genauer Blick.
Neubauten bieten Chancen – Wartung bleibt entscheidend
Neue Ställe lassen sich besser abdichten und planen. Optimierte Türen, durchdachte Entwässerung und angepasste Hofflächen reduzieren das Risiko. Doch auch hier gilt: Ohne Wartung nützt die beste Technik wenig. Denn selbst in modernen Anlagen sammelt sich Wasser häufig noch in unmittelbarer Stallnähe – etwa in Mulden oder Rückhaltebereichen.
































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