Die Regierung des Bundesstaats Victoria zieht die Zügel im Tierschutz an. Neue Vorgaben für Legehennen-Käfige sorgen für Unruhe in der Branche – und werfen Fragen zur Zukunft der Eierproduktion auf.
Regierung verschärft Regeln für Legehennenhaltung
Die Regierung von Victoria führt neue Vorschriften für die Geflügelhaltung ein. Sie will damit das Tierwohl verbessern und bereitet zugleich das Aus für herkömmliche Legebatteriekäfige vor.
Ab Mitte des Jahres dürfen Betriebe nur noch Käfige installieren, die mit Nestbereichen, Sitzstangen oder Plattformen sowie Scharrflächen ausgestattet sind. Die Tiere sollen so ihr natürliches Verhalten besser ausleben.
Die Vorgaben orientieren sich an nationalen Standards, die Australien 2023 beschlossen hat. Spätestens 2036 sollen klassische Käfigsysteme vollständig verschwinden.
Branche fühlt sich übergangen
Viele Legehennenhalter reagieren verärgert. Sie beklagen, die Regierung habe die Änderungen ohne ausreichende Abstimmung vorangetrieben. Brian Ahmed vom Branchenverband spricht von einem „Überrumpeln“. Trotz Gesprächszusagen habe es keine weitere Kommunikation gegeben. Viele Betriebe wüssten nun nicht, wie sie planen sollen.
Investitionen geraten unter Druck
Die Sorge der Landwirte richtet sich vor allem auf bestehende Investitionen. Erst vor kurzem hatten viele Betriebe ihre Ställe modernisiert, um Engpässe nach der Vogelgrippe zu bewältigen.
Käfigeier decken rund ein Drittel der nationalen Produktion Australiens ab und spielen vor allem in Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung eine wichtige Rolle.
Zwar gelten die neuen Anforderungen zunächst nur für neue Anlagen. Doch zwischen 2032 und 2036 müssen alle bestehenden Systeme angepasst werden. Für viele Betriebe steht damit viel Kapital auf dem Spiel.
Politik verschiebt umfassende Reform
Parallel verschiebt die Regierung eine umfassende Reform des Tierschutzrechts. Das geplante Gesetz soll das bisherige Regelwerk aus dem Jahr 1986 ersetzen, kommt aber frühestens nach der nächsten Wahl.
Die neuen Geflügelstandards will die Regierung dennoch vorab im bestehenden Rechtsrahmen umsetzen. Sie betont, sie wolle Tierwohl sichern und zugleich eine leistungsfähige Landwirtschaft erhalten.
Wissenschaft sieht Vorteile für Tierwohl
Fachleute bewerten die neuen Regeln differenziert. Lauren Hemsworth von der Universität Melbourne erwartet, dass sich die Lebensbedingungen der Hennen verbessern. Die neuen Vorgaben ermöglichten Verhaltensweisen wie Sitzen auf Stangen, Staubbäder oder das Legen von Eiern in Nestern. Würden solche Bedürfnisse unterdrückt, reagierten Tiere oft mit Stress.
Gleichzeitig bleibt das Käfigsystem aus Sicht der australischen Wissenschaft ein wichtiger Baustein für die Versorgungssicherheit. Es erleichtert die Krankheitskontrolle und ermöglicht eine engere Überwachung der Tiere.
Unsicherheit belastet die Betriebe
Trotz Zustimmung zu den Zielen kritisieren sowohl Experten als auch Landwirte die Umsetzung. Vor allem der unklare Zeitplan erschwert Investitionsentscheidungen.
Die Umstellung kostet Zeit und Geld. Solange konkrete Fristen fehlen, fällt es vielen Betrieben schwer, ihre Produktion zukunftssicher auszurichten.

































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