Die Nachfrage nach Geflügelfleisch und Eiern wächst. Um nicht noch abhängiger von Importen zu werden, muss die inländische Produktion ausgeweitet werden. Im Emsland laufen derzeit 120 Verfahren für neue Ställe oder Erweiterungen bestehender Anlagen.
Auf der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Natur des Landkreises Emsland am 9. März wurde von einem Ausschussmitglied nach dem Stand bei den beantragten Hühnerställen gefragt. Da das Thema nicht als Tagesordnungspunkt vorgesehen war, beantwortete Kreisbaurat Dr. Michael Kiehl die Frage nicht im Detail, erwähnte dabei aber den Begriff „Satellitenstall“, der laut Nachfrage beim Landkreis nicht definiert sei.
Umgangssprachlich wird von Satellitenstall gesprochen, wenn von einer vorhandenen Hofstelle abgesetzte Stallgebäude im Außenbereich geplant werden. Je nach geplanter Tierzahl kann im Vorfeld eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sein. Eine Baugenehmigung ist in jedem Falle erforderlich.
Genehmigungen erfordern komplexe Planung
Eine Privilegierung als landwirtschaftliches Vorhaben nach dem Baugesetzbuch (BauGB - § 35 Abs. 1 Nr. 1) scheidet für diese Anlagen häufig aus, da den Betrieben oftmals die gemäß § 201 BauGB erforderliche Futtergrundlage fehlt.
Um dennoch als sogenannte gewerbliche Anlage nach dem Baugesetzbuch zulässig sein zu können, werden die Stallgebäude meist in einer solchen Entfernung zu bereits vorhandenen Tierhaltungsanlagen des Betriebes geplant, dass es zu keiner Überschneidung der Einwirkungsbereiche der Anlagen und damit zu keiner Kumulation der Anlagen im Sinne des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung kommt.
So viele Projekte sind im Emsland geplant
Derzeit gibt es beim Landkreis Emsland insgesamt 60 offene Verfahren zum Neubau abgesetzter Geflügelställe im Außenbereich. Hierbei handelt es sich überwiegend um Masthähnchen- und um Legehennenställe. Im Detail sind dies:
- 15 offene Verfahren für Neubauten von Legehennenställen < 15.000 Plätze
- 43 offene Verfahren für Neubauten von Masthähnchenställen < 30.000 Plätze
- ein offenes Verfahren für den Neubau eines Junghennenaufzuchtstalls < 30.000 Plätze
- ein offenes Verfahren für den Neubau eines Putenmaststalls < 15.000 Plätze
Neben diesen Verfahren laufen derzeit beim Landkreis Emsland 60 weitere Verfahren, die mit einer Erhöhung von Tierplätzen verbunden sind. Hiervon sind elf Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) zu beurteilen, die übrigen Verfahren werden nach Baurecht beurteilt. Hierbei handelt es sich teilweise um Änderungen an bestehenden Tierhaltungsanlagen.
Emsland bleibt Zentrum der Geflügelhaltung
Es bleibt abzuwarten, ob die beantragten Bauvorhaben wie geplant umgesetzt werden können. Klar ist jedoch, dass das Emsland weiterhin ein Schwerpunkt der Geflügelhaltung bleiben wird. Schätzungen zufolge wird dort rund ein Zehntel des deutschen Geflügels gehalten.
Verbrauch an Geflügelprodukten erreicht neue Höchstwerte
Die Nachfrage nach Geflügelfleisch und Eiern ist in Deutschland groß. Kürzlich veröffentlichte Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) zeigen, dass der Verzehr von Geflügelfleisch in Deutschland im vergangenen Jahr so hoch wie noch nie war und auf 15 kg pro Person angestiegen ist. Auch die Nachfrage nach Eiern ist von 218 Eiern pro Person im Jahr 2010 auf 252 Eier im Jahr 2025 angestiegen. In absoluten Zahlen wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 21 Mrd. Eier und 1,25 Mio. t Geflügelfleisch verbraucht.
Branchenvertreter gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird. Sowohl Eier als auch Geflügelfleisch werden oft als günstige und gesunde Proteinquelle wahrgenommen, hinzu kommt die in der Gesellschaft sinkende Akzeptanz von Schweinefleisch.
Deutschland bleibt auf Importe angewiesen
Ein Großteil der verzehrten Produkte kommt dabei aus Deutschland, ein Teil muss jedoch importiert werden. Bei Geflügelfleisch liegt der Selbstversorgungsgrad rein rechnerisch bei etwa 100 %, wobei Hähnchenfleisch leicht darüber, Puten- und Entenfleisch deutlich darunter liegen. Bei Eiern werden 72 % durch die inländische Erzeugung abgedeckt. Um den steigenden Bedarf auch zukünftig decken zu können, braucht es demnach mehr bzw. größere Stallanlagen. Diese sind unter anderem im Emsland geplant, wo Schätzungen zufolge bereits jetzt etwa 11 % des Geflügels in Deutschland gehalten werden. Diese Zahl könnte sich in Zukunft noch weiter vergrößern.






































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