Masthähnchen-Boom in Belgien: Millionen neue Stallplätze trotz stark gestiegener Baukosten

25 August 2026
Masthuhn
Hähnchenställe in Flandern

Die Hähnchenmast wächst in Flandern (Belgien) kräftig. Allein in Westflandern kamen 2025 rechnerisch rund 1,3 bis 1,4 Millionen zusätzliche Masthähnchenplätze durch Genehmigungen und Umstellungen hinzu. 2026 hält der Boom an. Neben bestehenden Geflügelhaltern investieren auch Schweine- und Rinderhalter. Doch hohe Baukosten, teure Emissionsrechte und strengere Ammoniakvorgaben bremsen die Expansion.

Westflandern baut Hähnchenmast kräftig aus

Die günstige Marktlage lockt in Flandern (Belgien) neue Investoren in die Hähnchenmast. Gleichzeitig wollen sich viele Betriebe offenbar noch Tierplätze sichern, bevor strengere Genehmigungsvorgaben weitere Investitionen erschweren.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Westflandern. Die Provinz steht für fast 40 Prozent der flämischen Masthähnchenhaltung. Im Jahr 2025 genehmigten die Behörden dort 1,25 Millionen zusätzliche Geflügelplätze. Rund 90 Prozent davon waren für Masthähnchen vorgesehen.

Hinzu kommen Betriebe, die innerhalb der Geflügelhaltung auf Hähnchenmast umgestellt haben. Ein Wechsel etwa von Puten oder Legehennen zu Masthähnchen gilt nicht als Erweiterung, sofern dabei keine zusätzlichen Tierplätze entstehen, erklärt Bart Naeyaert, der in der Provinz für Landwirtschaft zuständig ist.

Unter dem Strich kamen 2025 nach seinen Angaben durch zusätzliche Genehmigungen und Umstellungen rund 1,3 bis 1,4 Millionen Masthähnchenplätze hinzu. Bei insgesamt etwa zehn Millionen Plätzen entspricht dies einem Zuwachs von rund 13 Prozent.

Bis zu 50 neue Masthähnchenställe in einem Jahr

Der Boom schlägt sich auch beim Stallbau nieder. Schätzungen aus der Branche zufolge entstanden 2025 zwischen 40 und 50 neue Masthähnchenställe.

Allerdings vergrößerten nicht alle Neubauten die gesamte Produktionskapazität. Die Zahl umfasst auch Ersatzbauten für ältere Ställe. Hinzu kommen Tierhalter, die aus der Schweinehaltung in die Geflügelmast wechseln.

Auch einzelne Rinderhalter stellen auf Masthähnchen um. Die wichtigsten Treiber sind nach Einschätzung der Branche die seit 2022 günstige Marktlage und die Sorge vor künftig schwierigeren Genehmigungen.

2026 hält der Run auf neue Mastplätze an

Ein Ende des Wachstums zeichnet sich bislang nicht ab. Bereits bis Juli 2026 genehmigte Westflandern nach Angaben Naeyaerts etwa so viele zusätzliche Geflügelplätze wie im gesamten Jahr 2025. Sie entsprechen einer Kapazität von rund 1,3 Millionen Masthähnchen.

Zahlreiche weitere Anträge liegen bei den Behörden. Gleichzeitig kommen neue hinzu. Naeyaert erwartet deshalb, dass die Zahl der 2026 genehmigten Plätze deutlich über dem Vorjahresniveau liegen wird.

Eine Genehmigung ist jedoch keineswegs sicher. Die Projekte müssen unter anderem die Stickstoffvorschriften und Vorgaben zum Schutz vor Geruchsimmissionen erfüllen.

Danny Coulier vom Geflügelverband Landsbond Pluimvee rechnet damit, dass 2025 und 2026 zusammen rund drei Millionen zusätzliche Masthähnchenplätze genehmigt werden könnten. Tatsächlich gebaut werden dürften jedoch weniger.

Emissionsrechte können so viel kosten wie ein neuer Stall

Ein wesentliches Hindernis sind die sogenannten Nährstoffemissionsrechte (NER). Tierhalter benötigen sie in Flandern, sobald ihr Betrieb durch die Tierhaltung jährlich mehr als 300 Kilogramm Phosphat (P₂O₅) erzeugt. Wer zusätzliche Tierplätze schaffen oder einen neuen Betrieb aufbauen will, muss die nötigen Rechte erwerben.

NER können zwischen Landwirten gehandelt werden. Sie werden beispielsweise verfügbar, wenn Betriebe aus der Tierhaltung aussteigen. Allerdings ist das Angebot knapp. Bei einer Übertragung zieht der Staat in der Regel 25 Prozent der Rechte ein. Ausgenommen sind bestimmte Übertragungen innerhalb der Familie.

Die Kombination aus knappem Angebot und hoher Nachfrage hat die Preise stark steigen lassen. Offizielle Preisangaben gibt es nicht. In der Branche werden laut Coulier Beträge zwischen 20 und 25 Euro genannt.

Für einen Masthähnchenstall kann das erhebliche Zusatzkosten bedeuten. Coulier rechnet vor, dass die benötigten NER für einen Stall mit 40.000 Masthähnchen inzwischen ungefähr so viel kosten können wie der Bau eines neuen Stalls.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Der künftige Wert der Emissionsrechte lässt sich schwer einschätzen. Nach Angaben Couliers sind Banken deshalb nicht bereit, den Kauf der Rechte mitzufinanzieren.

In Flandern befinden sich mehrere neue Masthähnchenställe im Bau. Gleichzeitig laufen noch zahlreiche Genehmigungsverfahren, und weitere Anträge kommen hinzu. Symbolbild.

Neue Ammoniakvorgaben setzen Betriebe unter Zeitdruck

Neben den Kosten verschärfen die flämischen Stickstoffvorgaben den Handlungsdruck. Tierhalter, die ihren Betrieb über den 31. Dezember 2030 hinaus fortführen wollen, müssen spätestens zum 30. September 2029 eine angepasste Umweltgenehmigung besitzen. Diese muss die betrieblichen Ziele des flämischen Stickstoffprogramms PAS erfüllen.

Die sogenannte PAS-Referenz 2030 bestimmt, wie viel Ammoniak ein Geflügelbetrieb künftig höchstens ausstoßen darf. Grundlage bilden unter anderem die durchschnittliche Tierbelegung im Jahr 2021, das jeweilige Stallsystem und dessen Emissionsfaktor sowie Leerstandszeiten.

Besonders groß ist der Handlungsbedarf bei Geflügelställen, die bislang nicht als ammoniakemissionsarm gelten. Sie müssen ihre Ammoniakemissionen um 60 Prozent reduzieren.

Geflügelhalter haben damit grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Sie investieren in Technik, die den Ammoniakausstoß deutlich senkt, oder sie reduzieren ihre genehmigten Tierplätze.

Neuer Masthähnchenstall kostet rund 25 Euro je Tierplatz

Die guten Erlöse in der Hähnchenmast sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Produktionskosten deutlich gestiegen sind. Branchenvertreter beziffern die Mehrkosten für einen Stallneubau gegenüber 2021 auf rund 30 Prozent.

Noch stärker verteuerte sich teilweise die technische Stalleinrichtung. Johan Van Heule von der Aditek Group spricht von einem Kostenanstieg um mindestens 30 bis 40 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Wie stark sich das auf einzelne Investitionen auswirkt, zeigt das Beispiel von Dirk Ghyselen, der beim Landsbond Pluimvee für den Bereich Masthähnchen zuständig ist. Er baute sowohl 2018 als auch 2025 einen neuen Stall.

2018 investierte Ghyselen nach eigenen Angaben rund 15 Euro je Masthähnchenplatz. 2025 waren es bereits 24 Euro. Für 2026 hält er rund 25 Euro je Platz für eine realistische Größenordnung.

Nicht nur der Stall selbst ist teurer geworden. Auch Eintagsküken, Energie sowie Dienstleistungen und Betriebsmittel kosten deutlich mehr. Ghyselen beziffert den Anstieg dieser Kosten seit 2021 ebenfalls auf etwa 30 Prozent.

Der Boom in der flämischen Hähnchenmast trifft damit auf einen widersprüchlichen Investitionsrahmen: Gute Marktbedingungen schaffen Anreize für neue Ställe, während hohe Baukosten, knappe Emissionsrechte und strengere Umweltauflagen die Investitionen erheblich verteuern.

Geflügelnews
Bild: Ingrid Sweers, Joyce Kuster
Quelle: Luc Maertens, Sterke Erven Pluimvee

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