Belgien testet neue Stallsysteme für Hühner: Mehr Tierwohl, weniger Emissionen
Unser Nachbarland Belgien hat eine bedeutende Geflügelwirtschaft mit Legehennen und Masthähnchen. Puten werden kaum erzeugt. Deutsche Geflügelfachberater besuchten die Geflügelversuchsstation Geel in Flandern. Die belgischen Kollegen befassen sich mit gleichen Fragen – und haben einige neue Lösungsansätze.
Belgien: Die gleichen Fragen – und neue Antworten
Belgien hat zwei Landesteile: das nördliche Flandern und das südlichere Wallonien. Flandern ist das Zentrum der starken Veredlung des Landes. Dazu gehört auch eine bedeutende Geflügelwirtschaft. Gehalten werden etwa 12 Mio. Legehennen, die ganz überwiegend den heimischen Markt bedienen. Belgien hat bei Eiern einen Selbstversorgungsgrad von knapp unter 100 Prozent. Hähnchenfleisch wird zu einem größeren Anteil exportiert.
Anders als in anderen Ländern der EU, ist die Haltung von Legehennen in ausgestalteten Käfigen in Flandern noch bis Ende 2036 erlaubt. Dies gilt für bestehende Ställe. Im anderen Teil Belgiens, in Wallonien, ist der ausgestaltete Käfig nur noch bis Ende 2028 zugelassen. Neue Ställe dürfen in beiden Landesteilen damit nicht mehr ausgestattet werden. In Belgien wird heute noch etwa ein Drittel der Legehennen im ausgestalteten Käfig gehalten.
Neues Großgruppen- System soll Emissionen senken und Tierwohl verbessern
Die Arbeitsgemeinschaft der Fachberater für Geflügelwirtschaft besuchte im Rahmen ihrer diesjährigen Exkursion unter anderem die staatliche Geflügelversuchsanstalt Geel, Flandern. Hier gibt es drei verschiedene Haltungssysteme für Legehennen. Neben der Voliere und dem ausgestalteten Käfig (der zum Beispiel noch für Exakt-Fütterungssysteme genutzt wird) ist es ein neuentwickeltes System aus „Großkäfigen“ mit Scharrraum.
In Flandern sind ausgestaltete Käfige noch bis Ende 2036 erlaubt, in Geel werden sie noch für Fütterungsversuche genutzt.
Hier werden 150 Tiere pro Einheit gehalten. Im Versuchsstall in Geel sind zwei Etagen der Großkäfige übereinander angeordnet. Der Prototyp des niederländischen Herstellers Vencomatic soll Tiergerechtheit, Tierwohl und wenig Emissionen vereinen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Ammoniak-Emissionen hier deutlich niedriger sind als in herkömmlichen Volierensystemen. Auch die Feinstaub-Belastung war geringer.
In Geel testet man Verfahren, Regenwasser und Reinigungswasser aufzubereiten.
Wasserknappheit: Belgien forscht an Regen- und Reinigungswasser-Aufbereitung
Ein wichtiges Thema in der Forschungseinrichtung ist die zunehmende Wasserknappheit - auch in Flandern. Nur wenige Geflügelbetriebe in Belgien verfügen über eigene Brunnen. Geforscht wird in Geel dazu, wie Wasser gespart werden kann. Ein Thema ist dabei auch in Geel die Kühlung der Ställe im Sommer. Daneben ist ein neuer Ansatz die Aufbereitung von Wasser zu Tränkewasser für die Geflügelhaltung. In Geel testet man verschiedene Verfahren, um zum einen Regenwasser, aber auch um das anfallende Reinigungswasser aufzubereiten. Bei Letzterem erfolgt im ersten Schritt eine biologische Aufbereitung. Nach Aussage der belgischen Wissenschaftler können bei den rund 25.000 Hähnchen in Geel 60.000 l Wasser je Durchgang gespart werden.
Die Stallkühlung wird in Geel getestet bzgl. der Möglichkeit, Wasser zu sparen.
Klimaschutz vs. Tierwohl: Hohe Emissionen bei ECC-Hähnchen ein Problem
Auch in Flandern wird darüber diskutiert, wie man mehr Klimaschutz und mehr Tierwohl in der Tierhaltung zusammenbringen kann. Der belgische Lebensmittelhandel will ab dem kommenden Jahr nur noch Fleisch von Hähnchen verkaufen, die nach den Kriterien des „European Chicken Commitment“ (ECC) gehalten wurden. Zu den Vorgaben bei ECC gehört unter anderem, dass die maximale Besatzdichte bei 30 kg/qm liegt, langsam wachsende Herkünfte eingesetzt werden und die Tiere nicht vor dem 49. Lebenstag geschlachtet werden.
In der Versuchseinrichtung Geel wurden im Masthähnchenstall die NH3-Emissionen bei herkömmlicher Mast (42 kg/qm mit Vorfangen) mit den Emissionen von Hähnchen verglichen, die nach den ECC-Vorgaben gemästet wurden. In vier Versuchsdurchgängen lagen die NH3-Emissionen bei den ECC-Hähnchen mindestens doppelt so hoch, bei einem Durchgang fast vier mal so hoch wie bei der herkömmlichen Mast.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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