Geflügelfachberater unterwegs: Andere Ideen von nebenan
Die Arbeitsgemeinschaft der Fachberater für Geflügelwirtschaft e.V. war bei ihrem diesjährigen Treffen in den Niederlanden und Belgien unterwegs. Es ging auch um besondere Haltungen wie etwa den speziellen Rondeel-Stall, den die Universität Wageningen entwickelt hat.
Die Arbeitsgemeinschaft der Fachberater für Geflügelwirtschaft e.V. ist jedes Jahr auf Tour. Organisiert von der 1. Vorsitzenden Jutta van der Linde war in diesem Jahr die Niederlande und Belgien das Ziel. Mit dabei waren über 70 Beraterinnen und Berater aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Erstes Ziel am Exkursionstag war ein Rondeel-Stall in der Nähe von Eindhoven (NL). Dieses Konzept eines runden Stalles wurde vor rund 20 Jahren von der Universität Wageningen, Vencomatic und Tierschutzvereinen entwickelt. Es sollte mehr Tierwohl und für Verbraucher mehr Transparenz bringen. Gleichzeitig sollte der Stall Schutz vor der Vogelgrippe bieten. Die Vogelgrippe war schon damals eine große Bedrohung für die kommerzielle Geflügelhaltung des Landes.
Blickfang im Supermarktregal: Die angepasste Verpackung für die Rondeel-Eier.
Vencomatic Group betreibt Rondeel-Stall
Umgesetzt in die Praxis wurde das Rondeel-Konzept 2011 von der niederländischen Vencomatic Group. Die Gruppe vertreibt weltweit Stalleinrichtungen und -zubehör für den Geflügelsektor.
Speziell am Rondeel-Stall ist zunächst die auffällige Form. Von oben betrachtet sieht der Stall aus wie eine Torte mit sechs Stücken. Fünf Kuchenstücke (Abteile) laufen auf die Mitte zu. Über das sechste Stück erfolgt der Abtransport der Eier und des Mistes. Außerdem beherbergt der Stall einen Besuchergang, von dem aus die Tiere im Außenklimabereich beobachtet werden können.
Ansteigende Dächer unterstützen Lüftung
In den fünf Abteilen leben jeweils zwei Gruppen mit 3.600 Legehennen. Es gibt für jede Gruppe einen Stall- und einen Wintergartenbereich. Futter und Wasser und Legenester sind im Stall in Volieren angeordnet. Der Wintergarten ist durch einen Vorhang abgetrennt. Er wird etwa ab 19. Woche geöffnet. Der betonierte Boden dort wird eingestreut, Baumstrunke und -stubben bieten Beschäftigung für die Tiere.
Der runde Stall hat eine spezielle Lüftung nach dem Venturi-Prinzip. Die Stallluft wird dabei nach oben über ein Rohr aus dem Gebäude herausgezogen, das leicht ansteigende Dach unterstützt diese quasi natürliche Lüftung. Im Winter sorgt ein Wärmetauscher für angenehme Temperaturen im Stall auch bei geöffneten Wänden.
Bei der Geschlechtssortierung im Brutei „durchgerutschte“ Hähne bleiben in der Herde.
Wie Rik van den Ven, Vencomatic Group, den Geflügelfachleuten berichtete, sind aktuell zum ersten Mal weiße Hennen eingestallt. „Das machen wir, weil unser Vermarktungspartner dies wünscht“, so Rik van den Ven. Hintergrund sei das Thema Nachhaltigkeit, das in den Niederlanden derzeit stark an Bedeutung gewinne in der Kommunikation Lebensmittelhandel-Verbraucher. „Und da stehen die weißen Hennen besser da, weil sie länger gehalten werden können“, erklärt er.
Die Rondeel-Eier werden als „Beter Leven 3 Sterne“ an die Supermarktkette Albert Heijn vermarktet. Albert Heijn hat einen Anteil von knapp 40 Prozent am niederländischen Lebensmittelhandel. Ab spätestens 2030 will der Marktakteur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit über den Umstieg auf weißschalige Eier 45 % weniger Stickstoff ausstoßen wir im Jahr 2018. „Beter Leven 3 Sterne“ ist die höchste Tierwohl-Kategorie bei dem Label – neben Bio. Preislich liegen die Rondeel-Eier im Supermarkt zwischen Bio- und Freilandeiern.
Für die deutschen Fachberaterinnen und -berater etwas erstaunlich, dass der Rondeel-Stall ohne Auslauf für die Tiere in die höchste Tierwohl-Kategorie eingeordnet ist. Eine Argumentation unserer Nachbarn: Großzügige Auslaufflächen werden von den Hennen ohnehin nur sehr begrenzt genutzt, sind von daher verzichtbar. Zumal Flächen in den Niederlanden nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen.
Höchste Tierwohl-Stufe auch ohne Auslauf
Ansonsten gelten für „Beter Leven 3 Sterne“ noch diese Anforderungen:
- Geschlechtserkennung im Brutei
- Schlupf im Stall
- Verbleib der (bei der Selektion nicht erkannten) Hähne im Stall
- Picksteine, Luzerneheu
Ein weiterer Vorteil: Die bessere Tiergesundheit, wenn es keinen Auslauf gibt. So gab es laut Stallbetreiber seit dem Bau 2011 noch keine Probleme mit Krankheiten.
Bisher waren nur braune Hennen im Rondeel-Stall, auf Vermarkterwunsch hin sind es künftig weiße.
Hühnertrockenkot wird in Großanlage verbrannt
In den Niederlanden gibt es bekanntlich das Problem des zu hohen Nährstoffanfalls aus der Tierhaltung. Eine Lösung neben den staatlichen Stilllegungsprämien: Die Verbrennung von Mist. Der Hühnertrockenkot des Rondeel-Stalls wird in der Anlage heruntergetrocknet bis auf 35 Prozent Restfeuchte und geht dann zu einer Verbrennungsanlage. Bis 2021 mussten die Legehennenhalter bei Abgabe bezahlen, seit 2022 bekommen sie jedoch Geld. Der Erlös kann in Abhängigkeit vom Trockenmassegehalt bis zu 10 Euro je Tonne betragen. Nach seiner Einschätzung von Rik van de Ven werden mittlerweile etwa 70 Prozent des im Lande anfallenden Hühnertrockenkotes verbrannt.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Christa Diekmann-Lenartz, Vencomatic
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