Plukon Belgien beendet das Programm des Better Chicken Commitment (BCC). Was als Tierwohl-Initiative begann, scheitert nun an Markt, Regulierung und Kosten.
Plukon zieht den Stecker
Plukon Belgien beendet die Schlachtung von BCC-Masthühnern. Damit endet ein Umbau, den Händler 2021 unter Druck von Tierschutzorganisationen gestartet hatten. Ihr Ziel: Bis 2026 vollständig auf BCC-Hähnchen umzustellen.
Rückkehr zum Standard – aber nicht für alle
Viele Betriebe kehren nun zur konventionellen Produktion zurück. Doch nicht jeder schafft diesen Schritt.
„Die meisten Masthähnchenhalter, die hierfür produzierten, können glücklicherweise wieder auf das reguläre System zurückschalten. Für andere Betriebe ist das schwieriger, unter anderem wegen Geruchsproblemen oder genehmigungstechnischer Einschränkungen“, sagt Wouter Wytynck vom Boerenbond.
Das Better Chicken Commitment setzte strengere Standards. Rund 30 europäische NGOs führten das Programm 2017 ein. Es verlangt langsam wachsende Rassen, mehr Platz, Beschäftigungsmaterial wie Sitzstangen und Tageslicht im Stall.
Umweltauflagen bremsen Umbau
Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen jedoch verändert. „In Flandern wiegt vor allem die Stickstoffproblematik jetzt stärker. Untersuchungen zeigen, dass die Ammoniakemissionen von BCC-Hühnern deutlich höher sind, was die Umstellung in einem immer strengeren Genehmigungsumfeld erschwert“, sagt Wouter Wytynck.
Markt trägt Mehrpreis nicht
Und die Nachfrage bleibt ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.
Wytynck: „Auch im Bereich der Kennzeichnung stößt das System an Grenzen, da aufgrund der europäischen Handelsverordnung strenge Einschränkungen dafür gelten, was auf der Verpackung stehen darf. Darüber hinaus zeigt sich, dass der Markt weniger tragfähig ist als erwartet: Verbraucher sind kaum bereit, den höheren Preis für BCC-Geflügelfleisch dauerhaft zu zahlen.“
Handel zieht sich zurück
Vor allem der Rückzug großer Händler beschleunigt die Entwicklung. Lidl hat BCC-Hähnchen aus dem Sortiment genommen. Der Konzern konnte die höheren Kosten nicht vollständig weitergeben, ohne Wettbewerbsnachteile zu riskieren.
In der Folge beendet Plukon sein Lastenheft. Nur Colruyt hält an einem eigenen Programm fest – allerdings als Nischenangebot mit Partnerbetrieben in Wallonien.
Betriebe stehen vor schwierigen Entscheidungen
Für viele Geflügelhalter beginnt nun eine unsichere Phase.
„Für Geflügelhalter ist das eine harte Realität. Die meisten Masthähnchenbetriebe können glücklicherweise wieder auf das reguläre System zurückschalten. Für andere Betriebe ist das schwieriger. Mögliche Wege sind, schwerere Hühner zu halten oder ein alternatives Einzelhandels-Lastenheft zu verfolgen“, sagt Wytynck.
Ein weiteres Problem: Einige Betriebe dürfen nach dem Verlust von Emissionsrechten ihre ursprünglichen Tierzahlen nicht mehr erreichen.
Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen
Der Boerenbond fordert klare wirtschaftliche Perspektiven.
„Unser Ausgangspunkt bleibt klar: Ein Mehrwert-Lastenheft kann nur funktionieren, wenn es nachfragegetrieben ist und wenn der Geflügelhalter wirtschaftlich davon profitiert. Wichtig ist dabei auch, dass es eine klare Absatzgarantie, Preissicherheit und langfristige Vereinbarungen gibt, sodass das Risiko bei einem Abbruch der Vereinbarung nicht erneut vollständig beim Landwirt liegt“, sagt Wytynck.




































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