Die Eierpreise in Belgien sind nach Ostern stark gefallen, langfristig aber bedrohen Tierwohlmaßnahmen und politische Vorgaben die Selbstversorgung und treiben die Produktionskosten.
In Belgien sind die Eierpreise seit Beginn der Osterfeiertage deutlich gefallen. Besonders Eier aus ausgestalteten Käfigen, die häufig in der verarbeitenden Industrie Verwendung finden, verbilligten sich um rund 20 Prozent auf 13,33 Eurocent.
Gegenüber dem Rekordwert im März bedeutet das einen Rückgang von 26 Prozent. Der Preisrückgang betrifft alle Haltungsformen und Eiersorten. Laut VILT vzw liegt die Ursache in einem Nachfrageeinbruch nach Ostern, nicht in einem wachsenden Angebot.
Selbstversorgung in Belgien langfristig gefährdet?
Wie Martin Haerinck vom Eierpreiskomitee in Kruisem erklärt, sinkt die Nachfrage nach Feiertagen regelmäßig. Industrie und Handel bauen vor Ostern große Lagerbestände auf, was nach den Festtagen zu einem Überangebot führt. Eine frühere Praxis, Eier im Sommer billig einzulagern und im Winter teurer zu verkaufen, ist kaum noch üblich.
Trotz des aktuellen Preisverfalls liegen die Preise im Jahresvergleich noch immer um 36 Prozent höher. Haerinck erwartet einen weiteren, wenn auch moderaten Rückgang, da Belgien kaum mehr zusätzliche Mengen produzieren kann. Die Selbstversorgung steht seit Jahren unter Druck.
Geflügelverband warnt vor Versorgungslücke bei Eiern
Laut Landsbond Pluimvee, dem belgischen Geflügelverband, ist der Rückgang nicht nur der Vogelgrippe geschuldet. Politische Maßnahmen wie das geplante Auslaufen der ausgestalteten Käfighaltung verschärfen die Lage. Der Verband kritisiert, dass diese Schritte den Tierschutz kaum verbessern, aber Produktionskosten, Umweltbelastung und Verbraucherpreise erhöhen.
Aktuell werden in Flandern rund 36 Prozent der Legehennen in ausgestalteten Käfigen gehalten. Da ab sofort keine neuen Käfige mehr gebaut werden dürfen und bestehende Anlagen bis 2036 stillgelegt werden müssen, droht ein drastischer Rückgang der Selbstversorgung – bis auf nur 70 Prozent.
Tierwohlprogramm BCC: Hohe Kosten, fraglicher Nutzen
Zusätzliche Herausforderungen sieht der Verband im Better Chicken Commitment (BCC), das in der flämischen Koalitionsvereinbarung verankert ist. Dieses Tierwohlprogramm setzt auf langsam wachsende Hühner mit deutlich schlechterer Futterverwertung. Eine vollständige Umstellung würde laut einer Studie der Organisation AVEC die Produktion in Europa um 44 Prozent senken, die Kosten um 37 Prozent erhöhen und Umweltbelastungen wie Ammoniakemissionen deutlich steigern.
Ein weiteres Beispiel: Im März kostete Hähnchenfilet nach BCC-Standard bei einem Händler 13,73 Euro/kg, konventionelles Filet nur 9,39 Euro/kg – ein Anstieg um 46 Prozent. Damit wird Geflügelfleisch für viele Familien unerschwinglich, obwohl es bislang eine günstige Proteinquelle darstellte.

































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