Neue Erkenntnisse aus Belgien: So lassen sich NH3-Emissionen im Geflügelstall deutlich senken

21 Mai 2026
Stallmanagement
Masthühner

Weniger Ammoniak im Geflügelstall: Forscher aus Belgien haben verschiedene Maßnahmen unter Praxisbedingungen getestet. Besonders wirksam erwies sich angesäuerte Einstreu mit Natriumbisulfat. Andere Ansätze wie Zeolithe oder Futterzusätze lieferten dagegen wenig überzeugende Ergebnisse.

Natriumbisulfat senkt Ammoniak deutlich

Der flämische Proefbedrijf Pluimveehouderij hat im Rahmen des EU-Projekts Rambo verschiedene Methoden getestet, um Ammoniakemissionen in Geflügelställen zu senken. Im Mittelpunkt standen Lösungen, die Landwirte direkt im Stall einsetzen können.

Die deutlichsten Effekte erzielte angesäuerte Einstreu. Mischt der Betrieb 20 Prozent Natriumbisulfat in die Strohpellets, sinkt die Ammoniakbelastung bei Masthähnchen während der gesamten Mastdurchgänge um rund 70 Prozent. Kurz nach dem Einstreuen registrierten die Forscher sogar Spitzenwerte von bis zu 80 bis 90 Prozent weniger Emissionen.

Forscher Kris De Baere erklärt den Effekt mit dem niedrigeren pH-Wert in der Einstreu. Dadurch bildet sich weniger Ammoniak. Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen die Emission zusätzlich.

Phosphorsäure überzeugt nicht

Weniger erfolgreich verliefen die Tests mit Phosphorsäure. Die Forscher säuerten die Einstreu mit einem Anteil von einem beziehungsweise zwei Prozent an. Die Ammoniakwerte unterschieden sich jedoch kaum von den Kontrollgruppen.

Auch bei Legehennen hielt der Effekt von Natriumbisulfat nicht dauerhaft an. Zwar sank die Emission nach dem Einstreuen zunächst deutlich. Nach einigen Wochen ließ die Wirkung jedoch stark nach. Erst neues Einstreuen brachte erneut eine kurzfristige Verbesserung.

Tierwohl bleibt ein kritischer Punkt

Die Forscher beobachteten zugleich Nachteile der stark angesäuerten Einstreu. Sie verkrustete schneller und verursachte häufiger Fußballenschäden bei den Tieren. Betriebe müssen deshalb das Stallmanagement anpassen und das Tierwohl genau im Blick behalten.

Flachspellets schneiden besser ab als Stroh

Neben chemischen Zusätzen untersuchten die Wissenschaftler auch alternative Einstreumaterialien. Flachspellets senkten die Ammoniakemission im Durchschnitt um etwa 20 Prozent gegenüber herkömmlichem Strohgranulat aus Weizenstroh.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mastdurchgängen fielen allerdings unterschiedlich stark aus.

Zeolithe liefern widersprüchliche Ergebnisse

Uneinheitlich bewerteten die Forscher den Einsatz von Zeolithen. Das Produkt „Actionine“ brachte im Futter keinen messbaren Vorteil. Streuten die Betriebe kleine Mengen mehrfach über die Einstreu, stiegen die Emissionen sogar um bis zu 25 Prozent.

Nur eine einmalige größere Gabe reduzierte die Emission um etwa 15 Prozent.

Ähnliche Ergebnisse zeigten Versuche mit „Clinoptilolith“ bei Legehennen. Kleine Mengen blieben wirkungslos. Größere Mengen senkten die Emission dagegen leicht.

Futtermaßnahmen zeigen kaum Vorteile

Auch Änderungen im Futter überzeugten bislang nicht. Leonardit verringerte die Emission zwar um 13 Prozent. Weniger Rohprotein und eine angepasste Elektrolytbalance trockneten die Einstreu zwar stärker aus, erhöhten aber gleichzeitig den pH-Wert. Dadurch entwich mehr Ammoniak.

Zudem verschlechterten diese Maßnahmen laut den Forschern die Wirtschaftlichkeit und die Leistungen der Tiere.

Quelle: Proefbedrijf Pluimveehouderij

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel
Quelle: Luc Maertens

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