Billigimporte drücken Hähnchenpreise in Belgien: Warum flämische Schlachthöfe vor „wirtschaftlichem Selbstmord" warnen

01 Dezember 2025
Belgien
verladen von Hähnchen

Massive Billigimporte, fallende Preise und übervolle Tiefkühllager setzen die flämische Geflügelbranche unter Druck. Die belgischen Schlachthöfe warnen vor ruinösen Marktbedingungen – und sehen die Produzenten zugleich als Teil des Problems und der Lösung.

Billigimporte drücken Preise und verändern das Kaufverhalten

In Belgien rutschen die Preise für Masthähnchen weiter ab. Verantwortlich dafür sind große Mengen billigen Hühnerfleischs, unter anderem aus Polen. Selbst Abnehmer, die sonst auf höhere Standards setzen, greifen inzwischen zu günstigeren Importen. „Bei diesen Preisen ist es wirtschaftlicher Selbstmord, die Tiefkühltruhen zu füllen“, warnen flämische Geflügelschlachthöfe. Viele hoffen inzwischen, dass geplante Lieferungen andere Absatzmärkte finden.

Gewichte bleiben hinter Erwartungen zurück – und verschärfen das Problem

Nach Angaben des Verbands Landsbond Pluimvee belastet auch das Nichterreichen der gewünschten Schlachtgewichte das Geschäft. Ideal seien Lieferungen bis 2 Kilogramm und bis rund 2,8 Kilogramm. Doch viele Hähnchenmäster versuchen, jedes zusätzliche Gramm mitzunehmen. Ein Fehler, sagen Schlachthöfe: „Wenn alle bereit wären, 200 bis 300 Gramm weniger zu liefern, stünden die Preise heute anders da.“

Deinze-Notierung stürzt ab – Schlachthöfe fordern drastischen Schnitt

Auf der Preiskommission vom 26. November schlugen die Schlachthöfe vor, die Deinze-Notierung um 7 Cent auf 1,15 Euro je Kilogramm zu senken – ein deutlicher Rückgang gegenüber 1,40 Euro Mitte September. Grund sei der massive Import zu Dumpingpreisen. Selbst ein moderaterer Vorschlag von 1,19 Euro stieß intern auf Widerstand. Am Ende fiel die Notierung um 3 Cent und verlor innerhalb von zehn Wochen insgesamt 21 Cent.

Kein Kompromiss in Sicht – und die Produzenten tragen Mitschuld

Ein gemeinsamer Weg scheint weit entfernt. Die Produzenten plädierten zwar für ein langsameres Vorgehen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Ob der Markt bereits die Talsohle erreicht hat, bleibt offen. Sicher ist: Die Produzenten beeinflussen den Preis selbst – vor allem über den Lieferumfang.

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel
Quelle: Tom Schotman, Landsbond Poultry

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