Notierung Deinze sinkt um 3 Cent wegen polnischer Betrugsfilets

29 Oktober 2022
Belgien
Geflügelfleisch auf einem band in der Schlachterei

In Folge des millionenschweren polnischen Fett-Betrugsfalls sinkt die flämische Deinze-Notierung für Masthähnchen um 3 Cent von 1,28 auf 1,25 Euro pro Kilogramm. Nach Bekanntwerden des Skandals lehnten viele so genannte Drittländer polnische Geflügelprodukte ab, so dass sie nun den europäischen Markt überschwemmen.

Ein polnisches Unternehmen verkaufte Speiseöle - die eigentlich für die Kraftstoffherstellung bestimmt waren - an Unternehmen der Futtermittel- und Fleischindustrie und fälschte dabei die Papiere. Dieser Betrugsfall, der angeblich seit 2017 andauert, brachte dem Unternehmen bis zu 35,28 Millionen Euro ein. Nach dem Bekanntwerden dieses Betrugsfalls lehnten viele Drittländer polnische Geflügelprodukte ab, die nun den europäischen Markt überschwemmen.

Keine Gewinner

Als Reaktion darauf wollten die belgischen Masthühner-Schlachthöfe die Deinze-Notierung am 26. Oktober deutlich senken. Ein Kompromiss wurde bei minus 3 Cent gefunden. Zwischen den Schlachthöfen und den Erzeugern herrschte weitgehend Einvernehmen, berichtet die flämische Interessenvertretung Landsbond Pluimvee. Beide Parteien sind sich darüber im Klaren, dass es in dieser Geschichte keine Gewinner gibt. Die Hähnchenmastbetriebe haben weiterhin mit hohen Produktionskosten zu kämpfen, während die Schlachthöfe die Filetstücke einfrieren müssen, und zwar zu hohen Einkaufspreisen und mit entsprechend hohen Energiekosten. Es sieht also für beide nicht gerade rosig aus.

Dirk Ghyselen, Sektorpräsident für Masthähnchen (Broiler) beim Nationalen Geflügelverband, beklagt, dass die Manipulationen in einem EU-Mitgliedstaat Folgen für die anderen haben. "Wir werden für die Fehler der anderen bestraft", sagt Ghyselen. " Für Masthähnchenhalter ist es nach wie vor wichtig, sich ein vollständiges Bild von ihren Produktionskosten zu machen und davon abhängig zu entscheiden, ob sie weiter produzieren oder nicht. Jetzt kommt es darauf an, die Zahl der Vorfälle zu reduzieren, um eine Eskalation des Problems zu vermeiden.

Einnahmen um 10.000 Euro gesunken

Die Notierung in Deinze, wo etwa 60 Prozent der flämischen Masthähnchen verkauft werden, lag seit Mitte September bei 1,29 Euro pro Kilogramm. Die Notierung fiel letzte Woche Mittwoch, den 19. Oktober, ebenfalls um einen Cent auf 1,28 Euro pro Kilogramm. Jetzt ist die Notierung innerhalb von zwei Wochen um bis zu 4 Cent pro Kilogramm gefallen. Bei einem Durchschnittsgewicht von 2,5 Kilogramm pro Masthähnchen beträgt der Rückgang 10 Cent pro Hähnchen. Dies hat zur Folge, dass ein durchschnittlicher flämischer Mastbetrieb mit 100.000 Masthähnchen 10.000 Euro weniger Einkommen pro Durchgang erhält. Das ist eine beträchtliche Summe.

Geflügelnews, Tom Schotman
Bild: Geflügelnews

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Zimmermann - vor 1 Monat
Zu dem betrugsfall brauche ich mich ja wohl nicht zu äussern. Nur scheint angesichts der gewinnmargen der tierwohlliebende Verbraucher immer noch nicht bereit zu sein angemessene Preise zu bezahlen. Und dir grössten D..... sind wir die produzieren.

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