Am belgischen Masthähnchenmarkt liegen Schlachtereien und Erzeuger über Kreuz. Während Verarbeiter wegen günstiger Geflügelfleischlieferungen aus Polen auf niedrigere Preise drängen, halten die Mäster dagegen: Das Angebot sei ausgeglichen und könnte in den kommenden Wochen sogar knapp werden. Gleichzeitig belasten höhere Preise für Futter und Eintagsküken die Betriebe.
Schlachtereien sehen Masthähnchenpreis unter Druck
In Flandern wird heftig über die Preise für Masthähnchen gestritten. Bei der jüngsten Preiskommission in Deinze trafen die unterschiedlichen Einschätzungen von Schlachtereien und Erzeugern erneut aufeinander.
Die Schlachtereien halten die aktuelle Deinze-Notierung für zu hoch. Sie verweisen vor allem auf günstiges Geflügelfleisch aus Polen, das den Wettbewerb auf dem belgischen Markt verschärfe.
Dirk Ghyselen, Vorsitzender des Fachbereichs Masthähnchen beim Landsbond Pluimvee und Vertreter der Erzeuger in der Preiskommission, berichtet von einer entsprechend kontroversen Sitzung.
Nach seinen Angaben argumentierten die Schlachtereien außerdem mit einem zeitweise hohen Angebot an schlachtreifen Tieren und hohen Schlachtgewichten.
Als Beispiel führten sie eine Herde mit 100.000 Masthähnchen an. Die Tiere seien mit 44 Tagen geschlachtet worden und hätten jeweils mehr als drei Kilogramm gewogen.
Hitze drückt laut Erzeugern die Schlachtgewichte
Die Erzeugerseite bewertet die Marktlage anders. Bei rund 5,5 Millionen Schlachtungen pro Woche könne aus einzelnen schweren Herden nicht auf den gesamten Markt geschlossen werden, argumentiert Ghyselen.
Hinzu komme die Hitze. Sie könne dazu führen, dass viele schlachtreife Masthähnchen derzeit rund 100 Gramm weniger wiegen als üblich. Damit relativiere sich das Argument zu hoher Schlachtgewichte.
Für Unmut unter den Erzeugern sorgte laut Ghyselen die Aussage eines Schlachters, es gebe deutlich zu viele schlachtreife Tiere. Die Schlachtereien würden diese teilweise nur abnehmen, um die Geflügelhalter von ihren Hähnchen zu „erlösen“.
Ghyselen weist diese Darstellung zurück. Die jetzt schlachtreifen Masthähnchen seien bereits rund zehn Wochen zuvor planmäßig eingestallt worden.
Erzeuger erwarten weniger Masthähnchen
Die Geflügelhalter rechnen zudem nicht mit einem dauerhaft hohen Angebot. Im Gegenteil: Ghyselen erwartet in Flandern in den kommenden acht Wochen einen Mangel an lebenden Masthähnchen.
Auch aktuelle Anfragen aus der Schlachtbranche deuteten aus Sicht der Erzeuger nicht auf ein Überangebot hin. Ein Planer berichtet, dass einzelne Schlachtereien zuletzt zusätzliche schlachtreife Tiere gesucht hätten. Andere Schlachtunternehmen seien jedoch nicht bereit gewesen, auch nur eine Lkw-Ladung abzugeben.
Die Einschätzungen innerhalb der Schlachtbranche fallen offenbar unterschiedlich aus. Nach Darstellung der Erzeugerseite bestimmen jedoch vor allem die pessimistischen Marktprognosen die Diskussion über die Notierung.
Deinze-Notierung sinkt um einen Cent
Bereits zuvor hatten einige Schlachtereien eine deutliche Preissenkung gefordert. Einzelne Unternehmen wollten die Deinze-Notierung um drei Cent reduzieren, andere hielten ein Minus von einem Cent für angemessen. Ghyselen führt die unterschiedlichen Positionen unter anderem auf die jeweiligen Absatzwege der Unternehmen zurück.
Die Erzeugerseite sah dagegen keinen Grund für einen Preisrückgang. Aus ihrer Sicht befand sich der Markt für schlachtreife Masthähnchen im Gleichgewicht.
Am Ende setzten sich die Geflügelhalter jedoch nicht durch: Nach längerer Diskussion sank die Deinze-Notierung um einen Cent. Auch der Versuch, diesen Rückgang bei der folgenden Sitzung wieder auszugleichen, blieb erfolglos.
Futter und Eintagsküken verteuern die Hähnchenmast
Neben der erwarteten Angebotsentwicklung verweisen die Mäster auf ihre gestiegenen Produktionskosten. Anfang August hätten sich sowohl Eintagsküken als auch Futter verteuert, berichtet Ghyselen. Weitere Kostensteigerungen kämen hinzu.
Damit treffen derzeit zwei Entwicklungen aufeinander: Die Schlachtereien sehen ihre Erlöse durch günstiges Geflügelfleisch aus Polen unter Druck und fordern niedrigere Hähnchenpreise. Die Erzeuger wiederum kämpfen mit höheren Produktionskosten und erwarten zugleich ein sinkendes Angebot an schlachtreifen Tieren.
Wie sich dieses Spannungsfeld auf die Deinze-Notierung in den kommenden Wochen auswirkt, dürfte wesentlich davon abhängen, ob der erwartete Engpass tatsächlich eintritt und wie stark Geflügelfleisch aus Polen den Markt weiter unter Preisdruck setzt.






































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