Bio-Geflügelfleisch erreicht bislang nur einen kleinen Marktanteil. Für Geflügelhalter kann ein Einstieg Chancen bieten. Doch Berater Axel Hilckmann warnt vor vorschnellen Investitionen: Noch vor der Stallplanung muss geklärt sein, wer die Tiere später abnimmt.
Der Bio-Markt hat sich 2025 positiv entwickelt. Auch Geflügelfleisch bietet nach Einschätzung von Axel Hilckmann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) Chancen für Betriebe, die über einen Einstieg in die ökologische Tierhaltung nachdenken. Beim Praxisumstellertag 2026 erläuterte der Berater, worauf es bei Haltung, Vermarktung und Wirtschaftlichkeit ankommt.
Hilckmann gehört seit 2021 zum Öko-Team der Landwirtschaftskammer NRW und war zuvor rund zehn Jahre in der Öko-Beratung in Süddeutschland beziehungsweise Bayern tätig.
Der Praxisumstellertag begann mit einer Besichtigung des Schlachthofs Naturverbund Niederrhein, der Bio-Rinder, Bio-Schweine und Bio-Geflügel schlachtet.
Bio-Geflügelfleisch kommt bislang nur auf 2,5 Prozent
Geflügel macht rund ein Viertel des gesamten Fleischverbrauchs von etwa 55 kg je Einwohner und Jahr aus. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch liegt damit bei rund 14,7 kg jährlich. Den größten Anteil stellt Hähnchenfleisch, deutlich weniger entfällt auf Putenfleisch.
Bio-Produkte erreichen innerhalb des Geflügelmarktes sehr unterschiedliche Anteile. Während Bio-Eier laut Hilckmann bereits auf rund 14 bis 15 Prozent kommen, liegt der Marktanteil von Bio-Geflügelfleisch erst bei etwa 2,5 Prozent.
Für einen Einstieg sprechen aus Sicht des Beraters mehrere Faktoren. Deutschland weist bei Bio-Geflügelfleisch einen niedrigen Selbstversorgungsgrad auf. Gleichzeitig sinkt der Schweinefleischkonsum, während Verbraucher Auslauf und sichtbares Tierwohl nachfragen. Hinzu kommen unterschiedliche Vermarktungswege.
Vorhandene Ställe können Investitionskosten senken
Für bestehende Betriebe kann es interessant sein, vorhandene Gebäude für die Bio-Geflügelhaltung zu nutzen. Dadurch lassen sich die Investitionskosten gegenüber einem Neubau unter Umständen deutlich reduzieren.
Auch für Ackerbaubetriebe kann die Geflügelhaltung eine Option sein. Der anfallende Mist lässt sich in den betrieblichen Nährstoffkreislauf integrieren. Zudem kann sich die zusätzliche Arbeit häufig gut in bestehende Abläufe einfügen. Zwar entstehen Arbeitsspitzen, über das gesamte Jahr betrachtet relativiert sich der Aufwand jedoch.
Wer auf Bio-Geflügel umstellt, muss allerdings zahlreiche Vorgaben beachten. Dazu zählen Besatzdichten, Gruppengrößen, Fütterung und Auslaufflächen. Hilckmann nannte in seinem Vortrag für Bio-Masthühner rund 4 m² Auslauf je Tier, bei Puten etwa 10 m².
Auch die Flächenbindung spielt eine wichtige Rolle. Der anfallende Wirtschaftsdünger muss einer entsprechenden Öko-Fläche zugeordnet werden. Je nach Bio-Verband können sich die Vorgaben unterscheiden.
Gute Küken und trockene Einstreu entscheiden mit
Im Stall kommt es nach Einschätzung Hilckmanns vor allem auf ein konsequentes Management an. Trockene Einstreu, Beschäftigungsmöglichkeiten und ein ausreichend strukturierter Auslauf gehören zu den wichtigen Voraussetzungen.
Besondere Bedeutung hat der Start der Küken. Ihre Qualität sowie eine gute Futter- und Wasserversorgung in der frühen Phase wirken sich auf den weiteren Mastverlauf aus. Technik kann Geflügelhalter beim Management unterstützen. Dazu gehören etwa Systeme, die den Futter- und Wasserverbrauch überwachen oder die Tiere automatisch wiegen.
Futter ist der größte Kostenfaktor in der Bio-Mast
Ob sich Bio-Geflügel wirtschaftlich rechnet, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Den größten Kostenblock bildet laut Hilckmann das Futter. Hinzu kommen Küken, Energie sowie Investitionen in Stall und Technik. Tierarzt- und Medikamentenkosten fallen nach seinen Erfahrungen dagegen vergleichsweise gering aus. Für ein Küken einschließlich Impfungen nannte er als grobe Größenordnung etwa 1 Euro.
In einer Beispielrechnung arbeitete der Berater mit einer Mastdauer von rund 70 Tagen. Angenommen wurden außerdem ein Lebendgewicht von etwa 2,1 bis 2,5 kg und ein Preis von rund 3,27 Euro/kg Lebendgewicht. Für einen Bestand mit 4.800 Tieren berücksichtigte die Kalkulation neben den weiteren Kosten auch die Arbeitszeit. Unter den angenommenen Bedingungen blieb ein positiver Deckungsbeitrag beziehungsweise Gewinn je Tier.
Hilckmann betonte jedoch, dass sich eine solche Beispielrechnung nicht ohne Weiteres auf andere Betriebe übertragen lässt. Investitionskosten, Futterpreise und betriebliche Voraussetzungen können die Wirtschaftlichkeit erheblich verändern. Besonders wichtig sind die Konditionen des jeweiligen Vermarkters.
Erst den Vermarkter finden, dann den Bio-Stall planen
Deshalb steht für Hilckmann am Anfang jeder Planung eine entscheidende Frage: Wer nimmt die Tiere später ab?
Erst wenn ein Vermarkter feststeht und Anforderungen an Gewicht, Produktionsweise und Schlachtung geklärt sind, sollte der Landwirt den Stall konkret planen. Wer größere Investitionen vorbereitet, sollte außerdem Beratung sowie Kontroll- und Genehmigungsstellen frühzeitig einbeziehen.
Chancen sieht Hilckmann nicht nur für größere Geflügelbetriebe. Für kleinere Einheiten können Direktvermarktung, eigene Verarbeitung, mobile Schlachtung, Hofläden oder andere regionale Absatzwege interessant sein.
Risiken bleiben dennoch. Geflügelpest, steigende Futter- und Energiekosten, die Kaufkraft der Verbraucher und Konkurrenz durch importierte Ware können die Wirtschaftlichkeit belasten.
Bio-Geflügel bietet damit Chancen, ist aber kein Selbstläufer. Entscheidend sind die Ausgangslage des einzelnen Betriebs, eine gesicherte Vermarktung und eine belastbare Kalkulation, bevor Geld in Stall und Technik fließt.








































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.