Resilienz im Broilerstall: Was resiliente Tiere nach Kokzidiose-Challenge auszeichnet
14 Oktober 2026
Futterzusatzstoffe
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Nicht die Belastung entscheidet über den Erfolg eines Mastdurchgangs, sondern die Fähigkeit des Tieres, sich davon zu erholen.
Kein Mastdurchgang verläuft ohne Belastungen. Impfungen, Futterumstellungen, hohe Besatzdichten, Temperaturschwankungen und enterische Erreger gehören zum Stallalltag. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie stark die Leistung einbricht. Ebenso wichtig ist, wie schnell die Tiere wieder einen stabilen Zustand erreichen. Diese Fähigkeit nennen wir Resilienz. Dabei dürfen wir jedoch nicht Resilienz mit Resistenz verwechseln. Auch ein resilientes Tier kann sich infizieren. Es begrenzt die Folgen aber besser und erholt sich schneller. Gerade bei kurzen Mastperioden ist dies entscheidend: Jeder zusätzliche Tag mit gestörter Verdauung macht sich bei Leistung, Tierwohl und Produktionskosten bemerkbar.
Dominoeffekt im geschädigten Darm
Kokzidiose macht diesen Zusammenhang besonders greifbar. Eimeria-Arten vermehren sich in den Epithelzellen und verursachen Läsionen der Darmschleimhaut. Verdauung und Nährstoffaufnahme leiden, die Darmbarriere verliert an Integrität und auch die intestinale Mikrobiota kann sich verändern (Chapman, 2014; Blake et al., 2021). Die Folgen zeigen sich rasch in geringeren täglichen Zunahmen und einer ungünstigeren Futterverwertung. Und damit ist das Problem häufig noch nicht beendet. Die geschädigte Darmbarriere begünstigt opportunistische Bakterien wie Clostridium perfringens und erhöht das Risiko einer nekrotischen Enteritis. Zugleich braucht die Immunreaktion Nährstoffe und Energie, die für Wachstum und Muskelansatz fehlen. Aus der lokalen Schädigung kann sich eine Kaskade aus gestörter Darmfunktion, Entzündung, Leistungseinbußen und Sekundärinfektionen entwickeln. Ob der Bestand resilient ist, zeigt sich danach: Normalisieren sich Futteraufnahme, Kotkonsistenz und Leistung zeitnah oder bleibt die Herde instabil?
Zentrum der Resilienz
Im Zentrum steht dabei der Darm. Er verdaut das Futter, bildet eine Barriere gegenüber Krankheitserregern, kommuniziert mit dem Immunsystem und beherbergt ein mikrobielles Ökosystem. Dessen Vielfalt kann zeigen, wie gut der Darm Störungen abfedert. Vielfalt ist allerdings nicht automatisch Stabilität. Die α-Diversität beschreibt die Vielfalt innerhalb einer Probe, die β-Diversität dagegen Unterschiede zwischen mikrobiellen Gemeinschaften. Eine höhere α-Diversität kann für ein breiter aufgestelltes Ökosystem sprechen. Für sich genommen beweist sie weder eine bessere Darmfunktion noch höhere Resilienz. Mikrobiomdaten dürfen daher nicht isoliert gelesen werden. Sie gehören mit parasitologischen und zootechnischen Parametern zusammen.
Abbildung 1: Höchstes Endgewicht wurde mit der Kombination Kokzidiostatika plus Anta®Phyt erzielt
Ergebnisse zeigen: weniger Oozystenausscheidung, mehr mikrobielle Gleichmäßigkeit für bessere Widerstandskraft mit Anta®Phyt
Wie sich Resilienz messen lässt
In einem 35-tägigen Versuch mit 631 Ross-308-Broilern wurde untersucht, wie sich Resilienz unter einer gezielten Kokzidiose-Challenge erfassen lässt. Die Forschenden verglichen vier Behandlungen mit jeweils acht Wiederholungen: Impfung, Kokzidiostatika , Kokzidiostatika plus AntaPhyt, eine phytogene Kombination mit Hopfen und Süßholz mit 200 g/t sowie ausschließlich AntaPhyt mit 400 g/t. In jeder Bucht standen 19 bis 20 Tiere. Am 17. Versuchstag kamen alle Broiler über wiederverwendete Einstreu mit Eimeria acervulina, E. maxima und E. tenella in Kontakt. Das Forschungsteam erfasste Leistung, Kotqualität und Oozystenausscheidung und untersuchte Kloakenproben mittels 16S-rRNA-Sequenzierung auf die mikrobielle Diversität.
Die Tiere mit Kokzidiostatika und AntaPhyt erreichten das höchste Endgewicht von rund 2,16 kg und mit 1,46 die günstigste Futterverwertung. Gegenüber der geimpften Kontrolle zeigte diese Gruppe eine geringere Oozystenausscheidung und eine bessere Kotkonsistenz. In den phytogen ergänzten Gruppen lag die α-Diversität höher. Die β-Diversität unterschied sich dagegen nicht signifikant (PERMANOVA, p = 0,54). Lactobacillus, Limosilactobacillus, Corynebacterium und Streptococcus dominierten weiterhin die Gemeinschaften. Resilienz lässt sich also nicht an einer einzelnen Kennzahl festmachen. Erst die gemeinsame Betrachtung der Parameter ergibt ein belastbares Bild. Im Zusammenspiel von stabiler Darmfunktion, geringerem Infektionsdruck, einer ausgewogenen mikrobiellen Gemeinschaft und einer besseren Leistungsentwicklung zeigt sich die tatsächliche Resilienz der Tiere, ihre Fähigkeit, mit der Belastung umzugehen.
Resilienz im Stall erkennen
Für den Betrieb heißt das: Nicht nur einzelne Kennzahlen prüfen, sondern ihren Verlauf nach einer Belastung beobachten. Neben Zunahmen und Futterverwertung gehören dazu Futteraufnahme, Kot- und Einstreuqualität, Uniformität, Oozystenausscheidung und gegebenenfalls Läsionsbefunde. Ein auffälliger Wert macht noch kein Resilienzproblem. Bleiben aber mehrere Parameter länger aus dem Lot, spricht vieles für eine unvollständige Erholung. Phytogene Futterzusatzstoffe können hier helfen. Sie sind neben einem belastbaren Kokzidioseprogramm und konsequentem Einstreu-, Hygiene- und Fütterungsmanagement die optimale Ergänzung für nachhaltige Darmunterstützung und eine schnelle Rückkehr zu voller Leistungsfähigkeit.
Der Weg zur Stabilität
Wir sehen: Der Blick allein auf den Erregerdruck greift zu kurz. Kokzidiose fordert Darmbarriere, Mikrobiota, Immunsystem und Stoffwechsel zugleich. Für den Mastverlauf zählt deshalb auch, wie rasch die Tiere Darmfunktion und Leistung wieder stabilisieren. Resilienz wird dann greifbar, wenn nicht nur die Momentaufnahme zählt, sondern der Weg zurück zur Stabilität. Erfassen wir Resilienz über mehrere Parameter und deren zeitlichen Verlauf, wird daraus ein praxisnahes Konzept für Tiergesundheit, Tierwohl und Produktionseffizienz.
Erfahren Sie mehr zu Resilienz in der Produktion und effizienten Produktlösungen hier.
Von Anne Möddel, Regional Sales & Business Development Lead EU & LATAM, und Dr. Bernhard Eckel, Vice President, Dr. Eckel Animal Nutrition
Bild:
Dr. Eckel
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