Kranke Legehennen stecken bis zu 45 Prozent des Futters in die Immunabwehr

09 Oktober 2026
Legehenne
Weiße Hühner

600 Eier je Legehenne sind möglich – vorausgesetzt, die Tiere bleiben lange gesund. Der niederländische Geflügeltierarzt Jeroen Leus erklärt, warum Krankheiten die Futterverwertung drastisch verändern und worauf Geflügelhalter achten sollten.

Eine kranke Legehenne nutzt ihr Futter völlig anders als ein gesundes Tier. Bis zu 45 Prozent oder mehr der aufgenommenen Nährstoffe können dann in die Immunabwehr fließen. Für die Eierproduktion bleiben unter Umständen nur noch 15 Prozent oder weniger. Darauf wies Geflügeltierarzt Jeroen Leus vom niederländischen Geflügelgesundheitsdienst Royal GD bei einer Veranstaltung des Futtermittelherstellers AgruniekRijnvallei in Renswoude (Niederlande) hin.

Der enge Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Legeleistung kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn Legehennen lange genutzt werden und dabei gute Leistungen aufweisen sollen. Während in den 1940er-Jahren 200 Eier pro Jahr bereits viel waren, erreichen weiße Legehennen heute in einzelnen Herden 500 oder sogar 600 Eier während ihrer Nutzungsdauer.

Entscheidend ist für Leus dabei nicht allein eine möglichst hohe Legespitze. „Der echte Gewinn liegt in der Persistenz.“ Ein Legeanteil von zeitweise mehr als 98 Prozent bringe wenig, wenn die Leistung anschließend stark einbreche. Viel wichtiger sei, eine hohe Legeleistung möglichst lange zu halten – ohne die Gesundheit der Tiere dafür aufs Spiel zu setzen.

Gesunde Hennen nutzen rund 40 Prozent des Futters für Eier

Wer 600 Eier je Henne erreichen will, muss nach Einschätzung des Tierarztes Fütterungsstrategie, Futterqualität, Stall, Management und Tiergesundheit gemeinsam optimieren.

Leus verdeutlichte dies anhand der Nährstoffverwertung. Eine gesunde Henne verwendet – abhängig vom jeweiligen Nährstoff – grob 40 Prozent der aufgenommenen Nährstoffe für die Eierproduktion. Rund 30 Prozent benötigt sie für den Erhaltungsbedarf, 20 Prozent für Wachstum und den Aufbau von Reserven sowie etwa 10 Prozent für die Immunabwehr.

Bei einer kranken Henne verschieben sich diese Anteile deutlich. Sie frisst meist weniger und verdaut das Futter häufig schlechter. Dadurch kann der Kot feuchter werden und Nährstoffe gehen verloren. Gleichzeitig muss der Organismus geschädigtes Gewebe reparieren.

Für die Abwehr können dann rund 45 Prozent der Nährstoffe benötigt werden. Etwa 30 Prozent fließen weiterhin in den Erhaltungsbedarf, 10 Prozent in Wachstum und Reserven. Für die Eierproduktion bleiben nach Leus' Beispiel nur etwa 15 Prozent.

Leistungsabfall zeigt sich oft erst Tage später

Für den Geflügelhalter ist das Problem nicht unbedingt sofort erkennbar. Die Folgen einer Erkrankung können sich erst einige Tage später durch eine sinkende Eierproduktion bemerkbar machen. Leus rät deshalb dazu, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und nicht erst zu reagieren, wenn die Legeleistung bereits einbricht.

Dafür spielt Monitoring sowohl im eigenen Stall als auch auf Branchenebene eine wichtige Rolle. Aktuelle Informationen über Infektionskrankheiten können Geflügelhaltern helfen, Risiken für den eigenen Bestand einzuschätzen.

Doch auch der Blick ins Tier ist wichtig. Leus empfiehlt Legehennenhaltern, regelmäßig Sektionen durchzuführen oder durchführen zu lassen. So lassen sich beispielsweise Wurmbefall sowie Veränderungen an Leber und Darm erkennen.

Alle vier bis sechs Wochen auf Würmer kontrollieren

Besonders die Wurmbelastung sollten Halter im Blick behalten. Leus empfiehlt mindestens alle vier bis sechs Wochen eine Sektion und/oder die Untersuchung von Kotproben. In der Praxis sehe er immer wieder Hennen mit starkem Wurmbefall.

Auch Vogelmilben können unbemerkt Leistung kosten. Wenn der Halter die Parasiten bereits deutlich sieht oder ihre Auswirkungen bemerkt, sei das Problem häufig schon weit fortgeschritten.

Leus empfiehlt deshalb, bekannte Befallsstellen gezielt zu kontrollieren und frühzeitig zu behandeln. Ein starker Vogelmilbenbefall zwingt die Henne dazu, ständig neues Blut zu bilden. Die dafür benötigten Nährstoffe fehlen wiederum für die Eierproduktion.


Wurminfektionen bleiben besonders in Legehennenhaltungen mit Auslauf eine Herausforderung.

Leber und Skelett entscheiden über eine lange Haltungsdauer

Wer Legehennen länger halten möchte, sollte außerdem die Lebergesundheit im Blick behalten. Leus warnt insbesondere vor einer Leberverfettung. Zur Unterstützung von Fettstoffwechsel und Leberfunktion können entsprechende Ergänzungen über Futter oder Trinkwasser eingesetzt werden.

Auch Kondition und Skelett der Hennen gewinnen mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Im weiteren Verlauf einer Legeperiode kann deshalb eine angepasste Kalziumversorgung notwendig werden. Neben dem Futter oder Trinkwasser können Geflügelhalter beispielsweise Muschelgrit anbieten.

Eine geschädigte Schleimhaut kann dauerhaft Probleme bereiten

Leus lenkt den Blick zudem auf die Schleimhäute, etwa in Atemwegen und Legedarm. Werden diese über längere Zeit geschädigt, können Narben entstehen, die nicht vollständig verschwinden.

Auch deshalb sollten Geflügelhalter gesundheitliche Probleme möglichst früh erkennen. Wiederkehrende oder länger anhaltende Belastungen können Folgen haben, die weit über die eigentliche Erkrankung hinausreichen.

Darmgesundheit entscheidet über die Nährstoffaufnahme

Eine zentrale Rolle spielt außerdem der Darm. Leus verweist hier auf den von Royal GD entwickelten CE-Score für chronische Enteritis. Er beschreibt den Zustand des Darms auf einer Skala von 0 bis 5.

Ein Wert von 0 steht für einen gesunden Darm. Die Werte 1 und 2 kennzeichnen geringe bis milde Entzündungen. Bei Score 3 liegt bereits eine Darmentzündung mit lokalen Gewebeschäden vor. Bei solchen Befunden empfiehlt Leus, gemeinsam mit Fütterungsberater und Tierarzt zu prüfen, ob die Tiere Unterstützung benötigen. Die Werte 4 und insbesondere 5 sollten vermieden werden.

Leus vergleicht die Darmwand mit einem hochflorigen Teppich. Die Darmzotten bilden eine große Oberfläche, über die das Tier Nährstoffe aufnimmt. Werden die Zotten kleiner oder geschädigt, sinkt die Aufnahmefähigkeit. Eine Regeneration ist möglich, kostet das Tier jedoch wiederum Nährstoffe, die dann nicht für die Eierproduktion zur Verfügung stehen.

IB-Stämme verändern sich – Monitoring hilft bei der Impfstrategie

Wie wichtig die überbetriebliche Überwachung von Krankheiten ist, zeigt Leus am Beispiel der Infektiösen Bronchitis (IB). Nach Daten des Royal-GD-Monitorings entfielen in der zweiten Jahreshälfte 2024 noch 22 Prozent der bei Legehennen gefundenen IB-Stämme auf IB-491. In der ersten Hälfte des Folgejahres waren es 11 Prozent.

IB-QX legte dagegen zu. Sein Anteil stieg im selben Vergleich von 5 auf 9 Prozent. Auch IB-D181 nahm zu: Der Anteil erhöhte sich von 5 Prozent in der zweiten Jahreshälfte auf rund 8 Prozent im ersten Halbjahr des Folgejahres.

Leus rät Geflügelhaltern deshalb, solche Monitoringdaten für ihre Impfstrategie zu nutzen und gemeinsam mit dem Tierarzt zu prüfen, welche IB-Stämme in der jeweiligen Region tatsächlich eine Rolle spielen.

600 Eier brauchen dauerhaft gesunde Hennen

600 Eier oder mehr je durchschnittlich vorhandener Henne hält Leus grundsätzlich für möglich. Dafür müssen jedoch viele Faktoren zusammenspielen.

Geflügelhalter sollten insbesondere Wurm- und Vogelmilbendruck, Leber- und Darmgesundheit, Schleimhäute sowie die allgemeine Kondition ihrer Tiere im Blick behalten. Unvorhergesehene Infektionen können eine Legeperiode trotzdem beeinträchtigen. Regelmäßiges Monitoring und Sektionen helfen jedoch dabei, Probleme früher zu erkennen und gegenzusteuern.

Denn für eine hohe Lebensleistung zählt am Ende nicht allein die Legespitze. Entscheidend ist, dass die Henne über einen möglichst langen Zeitraum gesund bleibt und ihre Leistung halten kann.

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Geflügelnews
Bild: Ellen Meinen, AgruniekRijnvallei
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee

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