600 Eier je Legehenne sind möglich – vorausgesetzt, die Tiere bleiben lange gesund. Der niederländische Geflügeltierarzt Jeroen Leus erklärt, warum Krankheiten die Futterverwertung drastisch verändern und worauf Geflügelhalter achten sollten.
Eine kranke Legehenne nutzt ihr Futter völlig anders als ein gesundes Tier. Bis zu 45 Prozent oder mehr der aufgenommenen Nährstoffe können dann in die Immunabwehr fließen. Für die Eierproduktion bleiben unter Umständen nur noch 15 Prozent oder weniger. Darauf wies Geflügeltierarzt Jeroen Leus vom niederländischen Geflügelgesundheitsdienst Royal GD bei einer Veranstaltung des Futtermittelherstellers AgruniekRijnvallei in Renswoude (Niederlande) hin.
Der enge Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Legeleistung kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn Legehennen lange genutzt werden und dabei gute Leistungen aufweisen sollen. Während in den 1940er-Jahren 200 Eier pro Jahr bereits viel waren, erreichen weiße Legehennen heute in einzelnen Herden 500 oder sogar 600 Eier während ihrer Nutzungsdauer.
Entscheidend ist für Leus dabei nicht allein eine möglichst hohe Legespitze. „Der echte Gewinn liegt in der Persistenz.“ Ein Legeanteil von zeitweise mehr als 98 Prozent bringe wenig, wenn die Leistung anschließend stark einbreche. Viel wichtiger sei, eine hohe Legeleistung möglichst lange zu halten – ohne die Gesundheit der Tiere dafür aufs Spiel zu setzen.
Gesunde Hennen nutzen rund 40 Prozent des Futters für Eier
Wer 600 Eier je Henne erreichen will, muss nach Einschätzung des Tierarztes Fütterungsstrategie, Futterqualität, Stall, Management und Tiergesundheit gemeinsam optimieren.
Leus verdeutlichte dies anhand der Nährstoffverwertung. Eine gesunde Henne verwendet – abhängig vom jeweiligen Nährstoff – grob 40 Prozent der aufgenommenen Nährstoffe für die Eierproduktion. Rund 30 Prozent benötigt sie für den Erhaltungsbedarf, 20 Prozent für Wachstum und den Aufbau von Reserven sowie etwa 10 Prozent für die Immunabwehr.
Bei einer kranken Henne verschieben sich diese Anteile deutlich. Sie frisst meist weniger und verdaut das Futter häufig schlechter. Dadurch kann der Kot feuchter werden und Nährstoffe gehen verloren. Gleichzeitig muss der Organismus geschädigtes Gewebe reparieren.
Für die Abwehr können dann rund 45 Prozent der Nährstoffe benötigt werden. Etwa 30 Prozent fließen weiterhin in den Erhaltungsbedarf, 10 Prozent in Wachstum und Reserven. Für die Eierproduktion bleiben nach Leus' Beispiel nur etwa 15 Prozent.
Leistungsabfall zeigt sich oft erst Tage später
Für den Geflügelhalter ist das Problem nicht unbedingt sofort erkennbar. Die Folgen einer Erkrankung können sich erst einige Tage später durch eine sinkende Eierproduktion bemerkbar machen. Leus rät deshalb dazu, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und nicht erst zu reagieren, wenn die Legeleistung bereits einbricht.
Dafür spielt Monitoring sowohl im eigenen Stall als auch auf Branchenebene eine wichtige Rolle. Aktuelle Informationen über Infektionskrankheiten können Geflügelhaltern helfen, Risiken für den eigenen Bestand einzuschätzen.
Doch auch der Blick ins Tier ist wichtig. Leus empfiehlt Legehennenhaltern, regelmäßig Sektionen durchzuführen oder durchführen zu lassen. So lassen sich beispielsweise Wurmbefall sowie Veränderungen an Leber und Darm erkennen.
Alle vier bis sechs Wochen auf Würmer kontrollieren
Besonders die Wurmbelastung sollten Halter im Blick behalten. Leus empfiehlt mindestens alle vier bis sechs Wochen eine Sektion und/oder die Untersuchung von Kotproben. In der Praxis sehe er immer wieder Hennen mit starkem Wurmbefall.
Auch Vogelmilben können unbemerkt Leistung kosten. Wenn der Halter die Parasiten bereits deutlich sieht oder ihre Auswirkungen bemerkt, sei das Problem häufig schon weit fortgeschritten.
Leus empfiehlt deshalb, bekannte Befallsstellen gezielt zu kontrollieren und frühzeitig zu behandeln. Ein starker Vogelmilbenbefall zwingt die Henne dazu, ständig neues Blut zu bilden. Die dafür benötigten Nährstoffe fehlen wiederum für die Eierproduktion.








































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