Nicht nur der Nährstoffgehalt entscheidet darüber, wie gut Geflügel sein Futter verwertet. Versuche mit mehr als 4.000 Broilern zeigen, warum die Wahl der Faserträger und die Verfügbarkeit von Protein wichtig sind.
Futterrohstoffe wirken nicht nur über ihre Inhaltsstoffe
Dr. Holger Kurtz, Trouw Nutrition, zeigte auf einer Informationsveranstaltung des Unternehmens anhand verschiedener Versuche, warum die reine Nährstoffanalyse für die Rationsbewertung nicht ausreicht, denn Löslichkeit, Fermentierbarkeit, Struktur und Verarbeitung beeinflussen die Wirkung von Futterrohstoffen beim Geflügel.
Faser ist nicht gleich Faser
Löslichkeit, Fermentierbarkeit und Struktur von Faserstoffen beeinflussen Magenentwicklung, Passagerate und Futterverwertung.
Kurtz erläutert: „Faser ist keine einzelne Nährstoff-Fraktion, sondern ein großes Spektrum unterschiedlicher Strukturen mit unterschiedlichen Fermentationskinetiken“.
In einem Versuch mit mehr als 4.000 Broilern wurden jeweils 3 % Weizen durch unterschiedliche Faserträger ersetzt. Die Unterschiede bei Futterverwertung und Körpergewicht waren deutlich: Haferschälkleie erzielte die günstigsten Ergebnisse, Rübenschnitzel erhöhten zwar das Muskelmagengewicht, führten aber nicht zu einer entsprechenden Leistungssteigerung, weil pektinreiche Komponenten durch Quellung den Magen vergrößern und gleichzeitig die Futteraufnahme begrenzen können. Im Versuch erwies sich der Ersatz von 3 % Weizen durch Haferschälkleie als besonders günstig. Als Alternative nannte Kurtz ganzen Hafer, der je nach Rationsgestaltung zu etwa 10 bis 15 % eingesetzt werden kann.
Nicht nur die Menge, auch die Geschwindigkeit zählt
Auch bei Protein und Faser ist nicht allein entscheidend, wie viel Nährstoff verfügbar ist, sondern wann und wo er verfügbar wird. Bei Proteinquellen reicht das Spektrum von schnell verfügbarem Soja oder Sonnenblumenextraktionsschrot bis zu langsam abgebautem Kartoffelprotein. Schnell fermentierbare Faserstoffe wie Zuckerrübenschnitzel und Sojaschalen werden früh im Verdauungstrakt umgesetzt, während langsam fermentierbare Komponenten ihre Wirkung weiter distal (weiter weg von der Körpermitte gelegen) entfalten.
Damit wird die Kombination verschiedener Rohstoffe zu einer Frage der Nährstoffsynchronisation. In Broilerversuchen zeigte sich, dass schnell verfügbares Protein grundsätzlich leistungsfördernd war. Besonders ungünstig war dagegen die Kombination aus langsam verfügbarem Protein und schnell fermentierbarer Faser, eine langsam fermentierbare Faser konnte den negativen Effekt des langsameren Proteins teilweise ausgleichen.
„Die Proteinverdauungskinetik steht in Wechselwirkung mit den Eigenschaften der Faserstoffe.“
Für die Rationsgestaltung bedeutet das, nicht nur die Nährstoffmenge, sondern auch die Geschwindigkeit und den Ort der Verfügbarkeit zu berücksichtigen.
Soja liefert mehr als Protein
Sojaextraktionsschrot und Vollfettsoja liefern neben Protein und Aminosäuren auch Isoflavone wie Genistein und Daidzein, die zu den bioaktiven sekundären Pflanzenstoffen gehören. Versuche mit Legehennen zeigten Effekte auf Legeleistung, Schalenqualität, Calciumverwertung und Knochenparameter. Bei älteren Tieren verbesserte eine zusätzliche Daidzeingabe unter den untersuchten Bedingungen die Persistenz der Legeleistung, Schalenqualität und Calciumverwertung. Auch Knochendichte und Knochenerhalt wurden beeinflusst. Bei einer Reduzierung des Sojaanteils verändert sich damit neben der Proteinversorgung auch die Zufuhr dieser für Soja typischen Pflanzenstoffe.
Sojaextraktionsschrot ist nicht konstant
Herkunft, Sorte, Klima und Verarbeitung beeinflussen die Zusammensetzung von Sojaextraktionsschrot. Unterschiede gibt es unter anderem bei Protein, Fett, Asche und Aminosäuren. Daten aus den USA zeigen zudem einen rückläufigen Rohproteingehalt bei gleichzeitig steigendem Ölgehalt der Sojabohne. Auch bei den Aminosäuren bestehen unterschiedliche Entwicklungen. Eine regelmäßige Qualitätskontrolle ist daher für eine präzise Rationsbewertung wichtig.
Verarbeitung bestimmt die Proteinqualität
Neben der Zusammensetzung beeinflusst die thermische Behandlung die Qualität des Sojaextraktionsschrots, da Trypsininhibitoren durch ausreichende Erhitzung reduziert werden. Bei unzureichender Erhitzung sinkt die Proteinverdaulichkeit; beim Geflügel kann dies unter anderem eine erhöhte Enzymproduktion und eine beeinträchtigte Verdauungsleistung zur Folge haben. Eine Untersuchung von mehr als 350 Proben aus 27 Mischfutterunternehmen zeigte deutliche Schwankungen der Sojaqualität.
Rohstoffe funktionell bewerten
Für die Geflügelfütterung reicht es damit nicht aus, Rohstoffe ausschließlich nach ihrem Nährstoffgehalt zu beurteilen. Physikalische Eigenschaften, Verdauungs- und Fermentationskinetik, bioaktive Inhaltsstoffe und Verarbeitungsqualität bestimmen wesentlich deren Wirkung.
Kurtz fasst zusammen: „Wir können bei einem pflanzlichen Rohstoff nicht davon ausgehen, dass die Zusammensetzung immer konstant bleibt.“
Für die Futteroptimierung ist deshalb neben der Analyse klassischer Nährstoffparameter eine regelmäßige Kontrolle der Proteinqualität sinnvoll.









































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