Die EU hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Eier aus Drittstaaten eingeführt. Besonders stark wachsen die Lieferungen aus der Türkei.
Die Europäische Union hat im ersten Halbjahr 2026 erheblich mehr Eier aus Drittstaaten importiert als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark nahmen die Lieferungen aus der Türkei zu. Für europäische Legehennenhalter wächst damit die Konkurrenz durch günstigere Importware.
Branchenverbände warnen vor Preisunterschieden, abweichenden Produktionsstandards und möglichen Risiken bei der Lebensmittelsicherheit.
EU importiert 82 Prozent mehr Eier
Nach den in der Vorlage genannten Eurostat-Daten stiegen die Eierimporte der EU in den ersten sechs Monaten 2026 um 82,2 Prozent. Das Importvolumen wuchs von 79.200 t Ei-Äquivalent im ersten Halbjahr 2025 auf 144.300 t im gleichen Zeitraum 2026.
Die Ukraine bleibt der wichtigste Lieferant. Rund 55 Prozent der EU-Eierimporte stammen aus dem Land. Dabei spielt auch das zollfreie Importkontingent von 18.000 t eine Rolle.
Die Türkei rückte im ersten Halbjahr 2026 zum zweitgrößten Lieferanten auf. Ihr Anteil an den EU-Importen erreichte rund 26 Prozent.
Bereits 2025 hatte sich die Türkei auf dem internationalen Eiermarkt etabliert. Das Land exportierte damals rund 80.000 t Ei-Äquivalent und belegte damit nach Angaben der Vorlage weltweit Platz vier unter den Eierexporteuren.
Legehennenhalter warnen vor ungleichen Standards
Die steigenden Liefermengen aus der Türkei sorgen besonders in der britischen Geflügelwirtschaft für Kritik. Der Verband British Free Range Egg Producers Association (BFREPA) warnt vor Wettbewerbsnachteilen für heimische Eiererzeuger.
Nach Angaben des Verbands halten türkische Betriebe ihre Legehennen überwiegend in konventionellen Käfigen. Diese Haltungsform ist in der EU und im Vereinigten Königreich verboten.
Auch bei Umweltauflagen und Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit sieht BFREPA Unterschiede. Besonders die Salmonellenkontrolle bereitet dem Verband Sorgen.
Die britische National Farmers Union (NFU) fordert deshalb strengere Kontrollen an den Grenzen. Eier aus Ländern mit erhöhten Risiken sollen nach Ansicht des Bauernverbands nur unter klaren und wirksam kontrollierten Bedingungen eingeführt werden. Damit will die NFU sowohl Verbraucher als auch britische Geflügelhalter schützen.
Türkische Eier rund 40 Prozent günstiger
Ein wesentlicher Grund für die Kritik sind die niedrigen Importpreise. BFREPA hat Handelsdaten zu türkischen Schaleneiern ausgewertet. Demnach lag der durchschnittlich angegebene Einfuhrwert bei 1,27 britischen Pfund je Kilogramm. Das entspricht umgerechnet etwa 1,50 Euro/kg.
Einschließlich der britischen Einfuhrzölle für Drittlandsware errechnete der Verband einen Preis von rund 1,52 britischen Pfund beziehungsweise 1,80 Euro/kg. Damit liegen türkische Eier nach Angaben von BFREPA ungefähr auf dem Preisniveau zollfreier Einfuhren aus der Ukraine.
Gegenüber Eiern aus etablierten europäischen Erzeugerländern wie Spanien, Polen, den Niederlanden und Belgien seien türkische Eier rund 40 Prozent günstiger. Für Eier aus diesen Ländern nennt BFREPA Preise von mehr als 2,50 Euro/kg.
Auch gegenüber dem in der Vorlage genannten Industrieeierpreis von rund 1,70 Euro/kg sind türkische Eier damit wettbewerbsfähig.
Drücken Eierimporte die Preise in Europa?
Die niedrigen Preise für Eier aus der Türkei und der Ukraine könnten vor allem den Markt für Verarbeitungseier beeinflussen. In der europäischen Eierwirtschaft wächst jedoch die Sorge, dass sich die Importe auch auf andere Marktsegmente auswirken.
Mehrere Branchenvertreter aus Belgien und den Niederlanden, die anonym bleiben wollen, zweifeln laut der Vorlage daran, dass die Behörden die weitere Verwendung der eingeführten Eier ausreichend kontrollieren.
Sie befürchten, dass beim Weiterverkauf innerhalb der EU die Herkunft und die vorgesehene Verwendung nicht immer zuverlässig nachvollziehbar sind. Außerdem sehen sie mögliche Betrugsrisiken. Konkrete nachgewiesene Verstöße nennt die Vorlage dazu allerdings nicht.
Nach Einschätzung eines Marktkenners könnte der starke Importanstieg auch dazu beitragen, dass sich die europäischen Eierpreise nach dem saisonalen Sommertief nur langsam erholen. Die Preise lägen derzeit schätzungsweise 5 bis 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Allerdings habe der Importdruck in den vergangenen Monaten etwas nachgelassen. Einige Importeure agierten inzwischen vorsichtiger. Als möglichen Grund nennt die Quelle unter anderem eine Verurteilung wegen Kartellbildung, ohne den Fall näher zu benennen.
Ob und wie stark die gestiegenen Importe tatsächlich für die schwächere Preisentwicklung verantwortlich sind, lässt sich aus diesen Angaben nicht eindeutig bestimmen.
Auch in den USA fallen die Eierpreise
Nicht nur in Europa geraten die Eierpreise unter Druck. Auch in den USA hat sich die Marktlage deutlich verändert. Dort liegen die Eierpreise laut der Vorlage inzwischen bei weniger als der Hälfte des Rekordniveaus von Mitte 2025.
Ein Grund dafür ist das größere Angebot. Die USA haben umfangreiche Eierimporte unter anderem aus der Türkei zugelassen. Damit hat sich die Versorgungslage nach den hohen Tierverlusten durch die Vogelgrippe entspannt. Die zuvor knappe Eiermenge bestimmt die Preise inzwischen weniger stark.
Gleichzeitig steigen die Futterkosten. Für amerikanische Legehennenhalter verschlechtert sich dadurch die Wirtschaftlichkeit.
Was bedeutet der Importanstieg für deutsche Eiererzeuger?
Für deutsche Legehennenhalter sind vor allem die großen Preisunterschiede zwischen Importware und Eiern aus europäischer Erzeugung relevant.
Während heimische Betriebe umfangreiche Vorgaben zur Tierhaltung, Hygiene und Lebensmittelsicherheit erfüllen müssen, kritisieren Branchenverbände abweichende Standards in Drittstaaten.
Besonders im Markt für Verarbeitungseier könnte günstige Importware den Wettbewerb verschärfen. Ob sich daraus auch ein nachhaltiger Druck auf die deutschen Erzeugerpreise ergibt, hängt jedoch von weiteren Faktoren ab – etwa vom heimischen Angebot, der Nachfrage und der tatsächlichen Verwendung der Importware.
Fest steht: Die stark gestiegenen Eierimporte aus der Türkei und der Ukraine verändern die Wettbewerbssituation auf dem europäischen Eiermarkt.
Für Legehennenhalter wird deshalb entscheidend sein, wie sich die Importmengen und Erzeugerpreise in den kommenden Monaten entwickeln.









































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