Die polnische Geflügelwirtschaft warnt vor den Folgen steigender Eierimporte aus der Ukraine. Trotz einer hohen Eigenversorgung wächst der Import deutlich. Branchenvertreter sehen Wettbewerbsnachteile für EU-Erzeuger und fordern strengere Grenzkontrollen sowie gleiche Produktionsstandards für Importware.
Eierimporte aus der Ukraine steigen um 75 Prozent
Die Einfuhren von Eiern aus der Ukraine nach Polen wachsen rasant. Nach Angaben der Plattform AgroNews importierte Polen im Jahr 2025 rund 10.000 Tonnen Eier aus dem Nachbarland. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 5.600 Tonnen. Damit stieg die Importmenge innerhalb eines Jahres um mehr als 75 Prozent.
Insgesamt gelangten im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Tonnen Eier aus dem Ausland auf den polnischen Markt. Das sorgt für Unmut in der Geflügelbranche. Polen zählt zu den größten Eierexporteuren der Europäischen Union und produziert mehr Eier, als im eigenen Land benötigt werden.
Geflügelhalter sehen Wettbewerbsnachteile
Nach Einschätzung der Branche liegt der wichtigste Grund für die steigenden Importe im Preis. Ukrainische Eier seien günstiger, weil die Erzeuger nicht denselben Auflagen unterlägen wie Betriebe innerhalb der Europäischen Union.
Während europäische Legehennenhalter erhebliche Summen in Tierwohl, Biosicherheit, Stalltechnik, Umweltauflagen und den Umbau ihrer Haltungssysteme investieren, könnten Produzenten außerhalb der EU unter anderen Rahmenbedingungen wirtschaften. Dadurch entstehe ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für europäische Betriebe.
Landwirtschaftskammer fordert strengere Kontrollen
Die Landwirtschaftskammer der Woiwodschaft Großpolen (WIR) fordert deshalb ein Eingreifen der Politik. Gemeinsam mit dem Nationalen Rat der Landwirtschaftskammern soll das polnische Landwirtschaftsministerium Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene anstoßen.
Im Mittelpunkt stehen dabei:
- eine Begrenzung der umfangreichen Eier- und Milchimporte aus der Ukraine,
- strengere Kontrollen an den EU-Außengrenzen,
- eine lückenlose Rückverfolgbarkeit importierter Ware sowie
- gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer.
Aus Sicht der Kammer reichen Stichproben nicht aus. Jede importierte Eierpartie müsse auf Herkunft, Kennzeichnung, Lebensmittelsicherheit und die Einhaltung der geltenden Vorschriften überprüft werden.
Spiegelklauseln sollen gleiche Standards schaffen
Ein zentrales Anliegen der Branche sind sogenannte Spiegelklauseln ("Mirror Clauses"). Danach sollen Produkte aus Drittstaaten nur dann auf den europäischen Binnenmarkt gelangen, wenn sie unter vergleichbaren Bedingungen erzeugt wurden wie innerhalb der EU.
Nach Ansicht der Geflügelwirtschaft geht es dabei nicht nur um Tierwohl, sondern auch um Umweltauflagen, Hygienevorschriften und Lebensmittelsicherheit. Ohne vergleichbare Anforderungen werde der Wettbewerb zunehmend über unterschiedliche gesetzliche Vorgaben statt über Qualität und Effizienz entschieden.
Sorge auch in der Milchwirtschaft
Nicht nur Eierproduzenten sehen die Entwicklung kritisch. Auch die polnische Milchwirtschaft warnt vor wachsenden Importen aus der Ukraine. Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer könnten günstigere Milchprodukte den Preisdruck erhöhen und insbesondere kleinere Molkereien wirtschaftlich belasten.
Branche fordert fairen Wettbewerb
Die Geflügelwirtschaft spricht sich nicht gegen den Handel mit der Ukraine aus. Sie verlangt jedoch gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter. Entscheidend seien wirksame Kontrollen, eine vollständige Rückverfolgbarkeit der Produkte und vergleichbare Produktionsstandards.
Nach Einschätzung der Branche könnten anhaltend steigende Importe andernfalls Investitionen bremsen, die heimische Produktion schwächen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Legehennenhalter weiter verschlechtern.
Quelle: AgroNews (Polen)




































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