5.000 Liter Heizöl pro Hektar: Was Pappeln im Hühnerwald leisten
16 Oktober 2026
Deutschland
Wer einen Hühnerauslauf mit Pappeln bepflanzt, kann die Fläche nicht nur für die Legehennen aufwerten, sondern das Holz später auch energetisch nutzen - oder sogar als Wertholz vermarkten. Welche Möglichkeiten und Erfahrungen hinter dem Konzept stecken, zeigte ein Pappel-Feldtag auf dem Hof Schierholz in Niedersachsen.
An diesem frischen Herbstvormittag herrscht muntere Betriebsamkeit im Pappelwald auf dem Hof Schierholz: Die 1.500 Legehennen plus 14 Hähne haben sich weit verteilt in ihrem Auslauf und sind überall fleißig am Picken und Scharren. Die Tiere sind ca. 70 Wochen alt, sie haben noch ein dichtes intaktes Gefieder. Es sieht hier vermutlich genauso aus, wie viele Verbraucherinnen und Verbraucher sich die Erzeugung der Eier, die sie kaufen, vorstellen. Das meint auch Friederike Schierholz.
Drei Mobilställe, eigene Aufzucht und Packstelle
Sie bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Alexander den Hof Schierholz im niedersächsischen Eydelstedt mit 133 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Die Legehennenhaltung in Mobilställen ist seit 2016 wichtiger Betriebszweig. Mittlerweile gibt es drei Mobilställe für je ca. 1.500 Tiere. Sie stehen auf Kufen und werden ca. alle sechs Wochen verzogen. 2022 sind die eigene Junghennenaufzucht und die eigene Eierpackstelle dazugekommen. Vermarktet werden die Eier über Supermärkte in der Region, unter anderem in Bremen.
„Unser mittlerweile bekannter Markenname war ‚Schierholzer Wiesenei‘, erzählt die Landwirtin, die hauptberuflich als Berufsschullehrerin arbeitet, und schmunzelt: „Das haben wir dann umbenannt in ‚Schierholzer Wald- und Wiesenei‘.“ Den Mehrwert für die Hühner durch den Pappelwald bewirbt sie auch in der Vermarktung.
Friederike Schierholz vor ihrem sechs Jahre alten Pappelwald.
2020 erste Pflanzung von Pappeln
2020 pflanzte die Familie Pappeln in den ersten Hühnerauslauf. Im darauffolgenden Jahr folgte Auslauf Nr. 2. Die Pappeln stehen in Doppelreihen mit dazwischen einem Abstand von 3 m. Sie sind heute zu einem Wald mit quasi geschlossenem Kronendach angewachsen.
Hauptanlass für die Pflanzung war, dass es im Hitzesommer 2018 bei den Hühnern Hitzetote gab: „Die Sprühkühlung im Mobilstall, die wir eingebaut hatten, hat nicht funktioniert“, erzählt Friederike Schierholz. Also überlegte sie mit ihrem Mann eine langfristige Lösung und kam auf die Pappeln. Da diese beidseitig recht nah bis an den Mobilstall gepflanzt wurden, beschatten sie heute auch den Stall und geben guten Windschutz. Zugluft gebe es im Stall nicht mehr, so die Landwirtin. Das Laub der Bäume ist im Herbst außerdem eine super Beschäftigung für die Tiere. Den Schutz vor Greifvögeln sieht sie nicht unbedingt in ihrem Pappelwald, da zum Beispiel Habichte als gute Flieger ihre Beute leider auch unter den Bäumen finden.
Die Pappelanpflanzungen bilden mittlerweile ein fast geschlossenes Kronendach.
14 Hähne sorgen bei den rund 1.500 Hennen für Ordnung.
Die Pappeln beschatten im Sommer auch den Mobilstall.
Im Rahmen eines Projektes pflanzten Schierholz auch Pappelstreifen auf dem Acker.
Michael Weitz, Fa. Lignovis, informierte zur Verwertung von Pappelholz.
Die Pappelanpflanzungen bilden mittlerweile ein fast geschlossenes Kronendach.
14 Hähne sorgen bei den rund 1.500 Hennen für Ordnung.
Die Pappeln beschatten im Sommer auch den Mobilstall.
Im Rahmen eines Projektes pflanzten Schierholz auch Pappelstreifen auf dem Acker.
Michael Weitz, Fa. Lignovis, informierte zur Verwertung von Pappelholz.
Beerntet wurden Pappeln bisher nicht
Schierholz entschieden sich für Pappeln, weil sie genügsam und robust sind, gut mit Trockenheit zurecht kommen und außerdem doppelt bis sechsmal so schnell wachsen wie andere Bäume. Theoretisch ist eine erste Ernte ab dem siebten bis achten Jahr möglich. Auf dem Betrieb Schierholz steht das Thema Pappelernte als Nächstes an, bislang haben die Betriebsleiter sich damit noch nicht befasst. Für den Betrieb standen die Vorteile für Tiere und Haltung im Vordergrund.
Neben diesen unbestrittenen Vorteilen ist das Anpflanzen von Gehölzen für konventionelle Freilandhaltungen interessanter geworden, weil seit ca. drei Jahren die Doppelnutzung der Auslaufflächen erlaubt ist. Vorher war das nur bei Ökohaltungen der Fall. Der Aufwuchs darf also zum Beispiel für energetische Zwecke genutzt werden.
Wachsendes Interesse an Pappelholz
Michael Weitz von der Firma Lignovis informierte auf dem Pappel-Feldtag zu den Verwertungsmöglichkeiten von Pappelholz. Bei einer energetischen Nutzung in Form von Holzhackschnitzeln könne man von einem „Ertrag“ von umgerechnet rund 5.000 l Heizöl je Hektar und Jahr ausgehen. Seiner Einschätzung nach gibt es jedoch darüberhinaus auch einen wachsenden Markt für Pappelholz als Bauholz oder als sogenanntes Schälfurnier für die Herstellung von Einmal-Besteck, Eisstielen etc. Für Letzteres sind Durchmesser von über 30 cm in Brusthöhe nötig.
In Niedersachsen gibt es für Legehennenhaltungen zudem eine interessante Förderung: Das Land unterstützt die Neuanlage von Agroforst auf Acker- und Grünlandflächen im Rahmen einer Investitionsförderung mit bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Es können bis zu 5.271 Euro je Hektar Gehölzstreifen gewährt werden.
Agroforst als Thema beim 3N Kompetenzzentrum
Veranstaltet wurde der Pappel-Feldtag vom Kompetenzzentrum 3N, das den Einsatz nachwachsender Rohstoffe in Niedersachsen fördert. Beim Feldtag ging es nicht nur um die Bepflanzung von Hühnerausläufen, sondern auch um Agroforst auf dem Acker. Schierholz haben im Rahmen eines Projektes auch Pappelstreifen auf dem Acker gepflanzt. Hier wurden die Auswirkungen der Gehölzstreifen auf die Ackerkulturen untersucht.
Christa Diekmann-Lenartz
Bild:
Christa Diekmann-Lenartz
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