Legehennen: Diese Daten warnen vor einem Leistungseinbruch
14 Oktober 2026
Legehenne
Futter- und Wasseraufnahme verändern sich oft schon Tage, bevor die Legeleistung einbricht. Auch das Legeverhalten kann früh vor Problemen warnen. Wer diese Signale richtig deutet, kann schneller reagieren und die Persistenz seiner Herde schützen.
Mehr als 600 Eier je Legehenne sind nur möglich, wenn die Tiere ihre Leistung über eine lange Legeperiode halten. Dabei können Daten aus dem Stall helfen. Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst viele Werte zu sammeln. Legehennenhalter müssen Veränderungen früh erkennen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.
Darauf wies Twan van Gerwe, Business Consultant Digital Solutions bei der Vencomatic Group, bei einer Fachveranstaltung des Futtermittelherstellers AgruniekRijnvallei im niederländischen Renswoude hin.
„Wir brauchen nicht mehr Daten, sondern frühere und bessere Entscheidungen“, sagte Van Gerwe. Ein Dashboard habe erst dann einen Wert, wenn es den Blick auf das Geschehen im Stall verbessere und früheres Handeln ermögliche.
Legeverhalten kann Probleme früh anzeigen
Ein Beispiel sind System- und Bodeneier. Auf großen Legehennenbetrieben im Ausland werden Systemeier laut Van Gerwe bereits automatisch gezählt. Ihre Zahl steht in Zusammenhang mit dem Aufkommen von Bodeneiern.
Verändert sich die Zahl, kann dies auf Veränderungen innerhalb der Herde hinweisen.
Vencomatic setzt dafür unter anderem auf das System Meggsius. Meggsius Select scannt Eier und sortiert sie anhand festgelegter Kriterien automatisch aus. Über Meggsius Connect können Betriebe Daten zu den Eiern mit Verlusten, Beobachtungen im Stall und außerhalb der Nester gelegten Eiern zusammenführen.
Warum solche Daten wichtig sein können, zeigt Van Gerwe am Beispiel eines großen Legehennenbetriebs in Kanada.
Dort stieg die Zahl der Systemeier zunächst von 30 auf 60 und in der Spitze auf 90 Eier täglich. Der Wert blieb jedoch deutlich unter dem festgelegten Grenzwert. Deshalb löste das System keinen Alarm aus.
Für Van Gerwe zeigt das eine Schwäche starrer Grenzwerte: „Wo eine Henne ihr Ei legt und wann, sagt etwas darüber aus, wie sie sich fühlt.“ Das Verhalten könne sich bereits verändern, bevor sich ein Problem in den Produktionsdaten zeigt.
Verändert sich da Legeverhalten, kann dies auf Veränderungen innerhalb der Herde hinweisen.
Hennen zeigten das Problem früher als das Thermometer
Später stiegen die Verluste auf dem kanadischen Betrieb massiv. An einem einzigen Tag verendeten 57 Hennen, nachdem es zuvor nur wenige Tiere täglich gewesen waren. Ursache war laut Van Gerwe sogenanntes „Troepen“: Die Hennen drängten sich dicht zusammen.
Der Betrieb erhöhte daraufhin die Mindesttemperatur im Stall um 2 °C. Innerhalb von zwei Wochen sank die Verlustrate wieder auf 0,2 Prozent pro Woche.
Für Van Gerwe steckt darin eine wichtige Erkenntnis: Sowohl die Zahl der Systemeier als auch die Stalltemperatur lagen zuvor innerhalb der Norm. Trotzdem kamen die Tiere mit den Bedingungen nicht zurecht. „Nicht das Thermometer, sondern die Hennen hatten recht“, fasste er zusammen.
Hätte der Betrieb bereits auf die steigende Zahl der Systemeier reagiert und die Mindesttemperatur angehoben, hätte sich die erhöhte Verlustrate nach seiner Einschätzung vermeiden lassen.
Abrupter Futterwechsel wirkt noch Wochen später
Auch Veränderungen bei der Fütterung können lange nachwirken. Van Gerwe zeigte Daten einer Herde, die abrupt auf ein anderes Futter umgestellt worden war.
Eine Folge war dünner Kot. Doch die Auswirkungen gingen darüber hinaus. Selbst fünf Wochen später hatte sich die Futtereffizienz noch nicht wieder vollständig erholt. Die Futteraufnahme stieg infolge der Umstellung um 2,2 Prozent. Gleichzeitig sank das Eigewicht um 0,4 g und die Legeleistung um 0,8 Prozentpunkte. Die Futterverwertung verschlechterte sich um 3,1 Prozent.
Für Van Gerwe zeigen solche Daten, wie stark vermeintlich kleine Störungen die Leistung einer Herde beeinflussen können.
Viele kleine Stressfaktoren kosten Persistenz
Dabei ist es häufig nicht ein einzelnes Ereignis, das einer Herde dauerhaft Leistung kostet. „Eine gute Legepersistenz geht selten durch ein einziges Ereignis wie einen Ausbruch der Infektiösen Bronchitis verloren, sondern durch die Summe der Ereignisse“, erklärte Van Gerwe. Umstallung, Hitze, Krankheitsdruck sowie Probleme mit Futter oder Wasser kosten die Hennen jedes Mal zusätzliche Energie. Die Tiere müssen auf die Belastung reagieren und greifen dabei auf ihre Reserven zurück.
Nach einer Störung könne sich die Eierproduktion zwar wieder erholen. Häufig erreiche sie danach aber nicht mehr ganz das vorherige Niveau.
Van Gerwe vergleicht das mit einem Radrennfahrer: Nach einer Reifenpanne kann er das Hauptfeld wieder erreichen. Muss er jedoch drei Pannen oder weitere Rückschläge verkraften, sind seine Reserven irgendwann aufgebraucht.
Ähnlich sei es bei einer Legehenne. Erst am Ende einer langen Legeperiode zeige sich, was die Summe der Belastungen gekostet hat.
Digitale Systeme unterstützen Legehennenhalter beim Stallmanagement
Stabiles Stallklima schützt vor Stress
Auch die Stalltechnik kann deshalb dazu beitragen, Leistungseinbrüche zu vermeiden. Van Gerwe verwies auf das Lüftungssystem Eco Zero von Vencomatic. Dabei wird der gesamte Stall über Wärmetauscher belüftet.
Die Anfangsinvestition liegt nach seinen Angaben über der einer konventionellen Lüftung. Dafür soll die Temperatur im Stall sowohl bei Hitze als auch bei Kälte stabiler bleiben.
Van Gerwe verwies auf Praxisuntersuchungen, nach denen die Hennen auch während Hitzeperioden ihre Futteraufnahme und Legeleistung besser halten konnten. Gleichzeitig seien die Verluste geringer und die Zahl der Eier je eingestallter Henne am Ende der Legeperiode höher gewesen.
Futter- und Wasseraufnahme warnen vier Tage früher
Besonders deutlich wird der Nutzen von Daten an einem weiteren Praxisbeispiel. Bei einem Kunden von Vencomatic sanken am 16. und 17. August Futter- und Wasseraufnahme, obwohl keine Hitzewelle herrschte. Das durchschnittliche Gewicht der braunen Legehennen fiel innerhalb von nur zwei Tagen von 1.853 auf 1.770 g. Jede Henne verlor damit mehr als 80 g.
Die Legeleistung zeigte das Problem zunächst nicht. Sie blieb bei 96 Prozent stabil. Erst am 19. August sank sie auf 89 Prozent. Am 21. August hatte sie sich wieder auf 94,8 Prozent erholt. Damit zeigte sich der Leistungseinbruch laut Van Gerwe erst vier Tage nach der ursprünglichen Störung.
Die Daten zur Futter- und Wasseraufnahme hatten dagegen schon am ersten Morgen gewarnt. Bereits am 16. August um 9.45 Uhr löste das System einen Futteralarm aus. Dieser wurde jedoch nicht weiterverfolgt.
„Wer auf die Produktionszahlen wartet, sieht das Problem vier Tage zu spät“, sagte Van Gerwe.
Auch der Legeort lieferte ein Warnsignal
Noch ein Wert hatte sich bereits früh verändert: Am 16. und 17. August lagen mehr Eier in den inneren Reihen der Legenester als an den Tagen zuvor. Auch das wertet Van Gerwe als frühes Signal dafür, dass sich innerhalb der Herde etwas verändert hatte.
Die Legeleistung selbst ließ zu diesem Zeitpunkt noch kein Problem erkennen. Sie brach erst am 19. August ein.
Daraus leitet Van Gerwe drei Grundsätze für das Herdenmanagement ab: Die Henne sei der empfindlichste Sensor und das Ei die günstigste Messgröße. Veränderungen im Legeverhalten träten vor Veränderungen der Produktion auf. Zudem sollten Legehennenhalter stärker auf Bewegungen innerhalb ihrer Daten achten als allein auf absolute Grenzwerte.
Bei sinkender Futteraufnahme sofort reagieren
Sinken Futter- oder Wasseraufnahme unerwartet, sollten Legehennenhalter deshalb nicht erst abwarten, ob auch die Legeleistung nachgibt.
Van Gerwe empfiehlt, solche Veränderungen direkt mit dem Futtermittelhersteller und Tierarzt zu besprechen. Je nach Situation sollten auch der technische Berater oder der Betreuer des Hennenlieferanten einbezogen werden.
So lässt sich schneller nach möglichen Ursachen suchen und gegensteuern. In den folgenden Tagen sollten Betriebe zudem Eierproduktion und Eigewicht besonders genau beobachten.
Daten müssen zum Handeln führen
Für Van Gerwe entwickelt sich das digitale Herdenmanagement deshalb in mehreren Schritten: Zunächst muss das System eine Abweichung erkennen – etwa bei Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Legeleistung oder Stallklima.
Im nächsten Schritt gilt es, die Veränderung zu verstehen. Daten zum Legemuster oder zur Eiqualität können dabei zusätzliche Hinweise liefern.
Danach muss der Legehennenhalter entscheiden, wo er genauer hinschaut, was er kontrolliert und welche Fachleute er hinzuzieht. Der wichtigste Schritt folgt anschließend: handeln und prüfen, ob die Maßnahme funktioniert hat.
Die Entscheidung nimmt die Technik dem Betriebsleiter dabei nicht ab. „Du entscheidest als Legehennenhalter“, betonte Van Gerwe. Anschließend müsse der Betrieb überprüfen, ob der Eingriff tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt hat. Digitale Systeme sollen dafür die Daten in einen Zusammenhang bringen. Tierarzt, Fütterungsberater und technische Berater ergänzen diese Informationen um ihre fachliche Einschätzung.
Für Betriebe, die ihre Hennen lange auf einem hohen Leistungsniveau halten wollen, liegt darin der entscheidende Nutzen: Nicht erst reagieren, wenn die Eierproduktion bereits gefallen ist, sondern erkennen, wann die Herde beginnt, aus dem Gleichgewicht zu geraten.
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Geflügelnews
Bild:
Vencomatic, Big Dutchman
Quelle:
Tom Schotman
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