Mausern oder verlängerte Haltung? Was für Legehennen sinnvoll ist

08 Juli 2025
Stallmanagement
Mauser Hiller

Weiße Legehennen können heute – ohne Unterbrechung - eine hohe Produktionsleistung über 100 Wochen hinaus erbringen. Und auch bei braunen Hennen ist nach 70 Wochen nicht unbedingt Schluss. Vorträge und Fachartikel geben vielfach Hinweise, wie das gelingt. Manchmal kann aber auch eine Legepause Sinn machen. 

Die Verlängerung der Haltungsdauer von Legehennen ist in den vergangenen Jahren ein sehr wichtiges Thema geworden. An Ratschlägen und Rezepten, wie das gut gelingen kann, mangelt es nicht. Hintergrund ist, dass Junghennen durch das Verbot des Kükentötens deutlich teurer geworden sind. Aber auch aus Tierschutz- und Nachhaltigkeitsgründen sollen Legehennen länger gehalten werden. 

Längere Haltung muss gemanagt werden

Dass weiße Legehennen heute auch ohne Legepause bis über 100 Lebenswochen hinaus gute Leistungen erbringen können, hat zum einen mit der erfolgreichen Zucht auf Legepersistenz, Vitalität und Schalenstabilität zu tun. Zum anderen weiß man heute um die Bedeutung der Aufzucht- und Transitphase, wenn eine längere Haltung angestrebt wird. Auch hierzu gibt es inzwischen vielfältige Managementhinweise und -anleitungen. 

In einem Seminar der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Thema „Verlängerte Nutzungsdauer von Ökolegehennen“ gab Dr. Ruben Schreiter von der Universität Halle Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer von Öko-Legehennen ohne Legepause. Voraussetzung hierfür ist zwingend eine Herde mit hohem Leistungsniveau bei guter Schalenstabilität und guter Tiergesundheit, geringer Mortalität, ausgeglichenem (stabilem) Verhalten, guter Befiederung und geringem Anteil an B-Eiern. 

Wirtschaftlichkeit: Mauser vs. Junghennen-Kauf

Dr. Schreiter stellte zur verlängerten Haltungsdauer ökonomische Zahlen vor. Grundlage der Kalkulationen waren reale Produktionsdaten aus der Praxis. Das Ergebnis: Die Einsparungen durch den geringeren Junghennenbedarf bei einer Haltungsdauer weißer Legehybriden von bis zu 100 Lebenswochen übersteigen die Mehrkosten bzw. Mindererlöse, sprich die längere Haltung ist rentabel. Bei braunen Legehybriden war die Rentabilität gegeben bei bis zu 90 Lebenswochen. Im Vergleich schnitten längere Haltungen mit Legepause immer schlechter ab. Allerdings wurden in den Kalkulationen immer gleichbleibende Eierpreise unterstellt. 

Einen genaueren Blick auf die Alternative „verlängerte Haltungsdauer mit Legepause“ warf in dem Seminar Dr. Peter Hiller. Er ist Geflügelfachberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und nannte Gründe, wann das Mausern einer Herde dennoch Sinn machen kann – auch wenn es sechs Wochen lang keine Eiererlöse gibt. Die Entscheidung für oder gegen die Durchführung einer Legepause ist einzelbetrieblich zu sehen. Die Vermarktungsstrukturen spielen dabei eine wichtige Rolle. Es kann aber auch sonstige Spezialeffekte wie etwa fehlende Junghennen, nötige Impfungen/Behandlungen mit Wartezeiten oder das „Sommerloch“ beim Eierabsatz geben. 

Geflügelfachberater Dr. Peter Hiller, LWK Niedersachsen.

Immer einzelbetrieblich entscheiden

Dr. Hiller nannte als Beispiel die Situation nach Beginn des Ukrainekrieges. Futter wurde extrem teuer, die Eierpreise lagen auf niedrigem Niveau und der Absatz von Ökoeiern ging infolge der gestiegenen allgemeinen Lebenshaltungskosten zurück. In dieser Zeit entschieden sich nicht nur viele Öko-Betriebe, eine Mauser durchzuführen – was unter der genannten Konstellation auch ökonomisch sinnvoll war. 

Weiße Herkünfte sind den braunen in puncto Durchhaltevermögen deutlich überlegen – laut Dr. Hiller macht das schon mal zehn Wochen aus. Das hat zur Konsequenz, dass hierzulande im Lebensmittelhandel braune Eier heute bereits eher die Ausnahme sind. In der Direktvermarktung sieht das (noch) anders aus. Hier haben braune Eier ihren festen Platz – nicht zuletzt auf Wunsch vieler Kunden. 

Mauser ist klare „Verjüngungskur“ 

Gerade für diese Zielgruppe kann die Mauser bei braunen Herden eine sinnvolle Alternative sein. Der große Vorteil einer Mauser: Nicht nur die Federn werden erneuert, sondern auch der komplette Legeapparat. Nach gut durchgeführter Mauser werden wieder genauso viele und große Eier mit fester Schale und optimaler Schalenfarbe gelegt wie vor der Mauser. Das Problem, dass die Eier bei langer Haltungsdauer schnell an Schalenstabilität verlieren und Eigrößen zunehmen, ist bei Braunlegern weit aus ausgeprägter als bei weißen Herden.  

Voraussetzung für eine Mauser ist, nicht anders als bei verlängerter Legedauer ohne Legepause, eine Top-Herde. Sie soll noch gut legen, eine gute Befiederung haben und fit sein. Der ideale Zeitpunkt für eine Mauser ist laut Dr. Hiller der 11. Legemonat, es geht jedoch auch später. Nach der Mauser kann eine Herde noch einmal 40 Wochen oder auch mehr genutzt werden. Es gibt auch Betriebe, die zweimal mausern, so Dr. Hiller. 

Mauser richtig planen: Tierschutz und Vermarktung beachten

Wichtig sei, dass die Mauser tierschutzkonform und nach einem klaren Mauserfahrplan durchgeführt werde. Tierschutzkonform heißt unter anderem, dass den Tieren während der gesamten Mauserzeit immer ausreichend Wasser zur Verfügung stehen muss. Ein Hinweis: Problematisch könne eine Mauser sein in Ställen mit Kotgrube. Die vielen Federn, die bei der Mauser ausfallen, könnten hier schnell zu Verstopfungen der Technik führen. Wichtig sei zudem, bei geplanter Mauser immer Rücksprache mit den Packstellen zu halten, ob der Absatz hoher Eigewichte, in der Hauptsache sind die L-Eier nach der Mauser, nach wie vor abgesetzt werden können. 

 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz, Adobe_Stock_Countrypixel

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