Geflügelpest: Branche schlägt Alarm und fordert Impfung

12 Oktober 2026
Impfung
Impfung Spritze

Die Geflügelpest hat in Deutschland seit Herbst 2025 hohe wirtschaftliche Schäden und Tierleid verursacht. Die bestehenden Maßnahmen reichen nicht mehr aus, um Ausbrüche wirksam zu verhindern. Das Virus zirkuliert inzwischen ganzjährig bei Wildvögeln. Branche, Verwaltungen und Wissenschaft schlagen Alarm und fordern mit Nachdruck, die Impfung zu ermöglichen.

Im vergangenen Herbst/Winter mussten allein in Deutschland mehr als 4 Mio. Stück Geflügel wegen der Geflügelpest getötet werden bzw. verendeten hieran. Betroffen waren 268 Betriebe. Die Folgekosten bei den Tierseuchenkassen lagen allein bei 82 Mio. €. Hinzu kommen die enormen wirtschaftsseitigen Aufwendungen durch u.a. vernichtete Futtermittel, Leerstand der Ställe, Wiedereinstallungsverbote, Exportsperren, Aufwand für Probenahmen, Untersuchungen, Ausnahmegenehmigungen oder die Umstellung von Logistik in Brütereien und Schlachtbetrieben.

Virus ist endemisch in Wildvogelpopulationen

Das große Problem heute: Die Seuche ist inzwischen endemisch in den Wildvogelpopulationen. Die bestehenden Maßnahmen (intensivierte Biosicherheitsmaßnahmen, Früherkennung mit schneller Diagnostik,  schnellstmögliche Tötung infizierter Tiere und Räumung dieser Bestände, Reinigung und Desinfektion infizierter Bestände, Sperrmaßnahmen und Monitoring in den Restriktionszonen) haben nicht ausgereicht, Ausbrüche wirksam zu verhindern. 

Betroffen waren im vergangenen Herbst/Winter insbesondere Geflügelhaltungen in nicht geschlossenen Ställen. In Niedersachsen als geflügelstärkstem Bundesland wurden in den drei Monaten von Oktober 2025 bis Mitte Februar 2026 jeweils etwa 20 % der Putenhahn- und der Gänsepopulation aufgrund von Geflügelpest-Ausbrüchen getötet.

Bestimmte Geflügelarten und Regionen im Fokus

Wegen der immensen wirtschaftlichen Folgen, dem großen Tierleid und der schlimmen psychischen Belastung betroffener Betriebe schlägt eine Expertengruppe aus Wirtschaft und Wissenschaft jetzt Alarm. Sie fordert eindringlich, die präventive Impfung gegen die Geflügelpest zu ermöglichen. Im Fokus sind dabei bestimmte Geflügelarten und geographische Regionen mit hohem Risiko einer Geflügelpest-Infektion. Ein entsprechendes Schreiben der Expertengruppe ging an das Bundeslandwirtschaftsministerium, die Länder-Agrarministerien sowie an Abgeordnete von Bundes- und -Landtag. 

Initiative ging von Niedersachsen aus

Unterzeichnet ist das Schreiben von namhaften Wirtschaftsakteuren der Branche, Branchenverbänden, Impfstoffherstellern, Tierärzten, aber auch Landkreisen, wissenschaftlichen Institutionen in Niedersachsen sowie dem Landwirtschaftsministerium Niedersachsen. Niedersachsen war am stärksten vom Geflügelpestzug im vergangenen Winter betroffen. Die Niedersächsische Tierseuchenkasse, der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft und die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover haben das Schreiben initiiert. Die Expertengruppe empfiehlt laut Schreiben:

  • eine Feldstudie zur Impfung von Gänsen
  • die frühzeitige und umfassende Bewertung möglicher Auswirkungen auf Handel und Export sowie die Erarbeitung geeigneter Maßnahmen zur Minimierung potenzieller Handelsrestriktionen, einschließlich Monitoring, Transparenz und eines frühzeitigen Dialogs mit Handelspartnern
  • die zügige Schaffung einer Rechtsgrundlage für Impfprogramme, einschließlich EU-rechtlicher Ausnahmen für kleinere Zieltierpopulationen.

Mögliche Entwicklung zoonotischer Varianten reduzieren

Nach Auffassung der Expertengruppe kann eine Impfung entscheidend zu einer Senkung des Risikos eines Virusaustrags aus infizierten Beständen beitragen. Damit würde auch die des Öfteren diskutierte Gefahr reduziert, dass sich Geflügelpest-Viren mit gesteigertem zoonotischen Potenzial entwickeln, die Menschen oder andere Tierspezies infizieren können. 

In Frankreich läuft bereits seit 2023 eine erfolgreiche Impfung von Enten. Die daraus resultierenden Exportbeschränkungen wurden im Laufe der Zeit deutlich reduziert. Die Expertengruppe will im Rahmen einer Delegationsreise in Erfahrung bringen, welche Maßnahmen auch für Deutschland relevant wären und bittet den Bund um Beteiligung an dieser Reise. Außerdem befürwortet die Expertengruppe den Austausch mit Handelspartnern im Zusammenhang mit dem Impfkonzept. Die Expertengruppe empfiehlt weiterhin die Entwicklung einer regionalen Vermarktungsstrategie für die Produkte aus den geimpften Herden.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

Mehr von diesem Autor
Bild: AdobeStock_Andreas Prott

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.

Verwandte Artikel