Frankreich: Erfolgsmodell Vogelgrippe-Impfung

14 Juli 2026
Stallmanagement
Enten

Seit Oktober 2023 impft Frankreich seine Entenbestände verpflichtend gegen die hochpathogene Vogelgrippe. Nach Einschätzung der französischen Enten- und Gänsebranche zeigt die Strategie deutliche Erfolge. Das berichtet das Fachmagazin „The Poultry Side“. 

Marie Laborde ist die stellvertretende Direktorin des französischen Branchenverbandes „Comité Interprofessionnel des Palmipèdes à Foie Gras“ (CIFOG). Dieser vertritt die Interessen der in unserem Nachbarland wirtschaftlich wichtigen Enten- und Gänsemäster. Diese produzieren unter anderem auch Stopfleber, was sehr umstritten ist. Marie Laborde zog auf einem Treffen der Welt-Eieroganisation („World Egg Organisation“) in Warschau eine Bilanz der bisherigen Impfstrategie in Frankreich.  

2025/26 massives Vogelgrippe-Geschehen bei Wildvögeln

Vor der Einführung der Impfpflicht für Enten traf die Vogelgrippe jährlich zahlreiche Bestände vor allem im Südwesten Frankreichs, einem Zentrum der Entenmast. Ziel der Impfung ist es, die notwendigen massenhaften Keulungen zu vermeiden. In der Vogelgrippe-Saison 2025/26 gab es auch in Frankreich ein massives Vogelgrippe-Geschehen bei Wildvögeln – wie in vielen anderen europäischen Ländern ebenso. 

So verzeichnete Frankreich in der Saison 2025/26 denn auch 121 Ausbrüche in geflügelhaltenden Betrieben, wie Marie Laborde informierte. Etwa 1,7 Mio. Stück Geflügel wurden als Folge von Ausbrüchen gekeult bzw. verendeten an einer Infektion. Dabei gab es auch infizierte Herden, die geimpft waren. Eine Impfung bietet bekanntlich keinen 100-prozentigen Schutz gegen eine Infektion. Laut Laborde waren von den genannten 121 Fällen in Geflügelhaltungen mehr als 40 Fälle auf einen Viruseintrag von Wildvögeln zurückzuführen. 

Weniger Ausbrüche in geflügelstarken Regionen

Die CIFOG-Vertreterin verglich Regionen mit intensiver Entenhaltung und demzufolge vielen Impfungen mit anderen Regionen über zwei Vogelgrippe-Saisons, 2021/22 und 2025/26 (siehe Tabelle). In Regionen ohne Impfungen („Rest Frankreich“) waren die Ausbruchszahlen in beiden Zeiträumen ähnlich. In den Regionen mit viel Entenhaltung, in Westfrankreich und Südwestfrankreich, lag die Anzahl Ausbrüche nach Einführung der Impfflicht deutlich niedriger als davor. 


Auswirkungen Geflügelpest-Impfung in Frankreich*

Ausbrüche      2021-2022  
2025-2026
Westfrankreich
855    87
Südwestfrankreich    
474    10
Rest Frankreich
25    22
Wildvögel
46    309

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*CIFOG

Für die Umsetzung der Enten-Impfflicht in Frankreich seit Oktober 2023 kommen zwei zugelassene Vogelgrippe-Impfstoffe zum Einsatz. Geimpft wurde zweimal. Laut wissenschaftlicher Modellierungen, so Laborde, konnten durch die Impfung in 2023/24 über 96 % der Ausbrüche verhindert werden. Heute werden zur besseren Immunisierung der Enten drei Impfungen durchgeführt. Enten gelten als besonders schwer zu immunisieren.  

Hohe Kosten der Vogelgrippe-Impfung

Die in Frankreich etablierte Enten-Impfung ist teuer. Sie schlägt mit etwa 100 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Bei einem Preis von rund 1,56 Euro pro Ente werden die Kosten aufgeteilt. Die Wirtschaft zahlt 60 %, 40 % zahlt der Staat. Etwa die Hälfte der Kosten des Impfprogramms umfasst die stringente Überwachung der geimpften Tiere. Sie ist vorgeschrieben, um unter der Impfdecke möglicherweise infizierte Tiere zu entdecken. Die stringente und teure Überwachung geimpfter Bestände wird vielfach als ein Hindernis gesehen bei der großflächigen Einführung der Vogelgrippe-Impfung in anderen EU-Ländern bzw. bei anderen Geflügelarten. 

Begrenzte Auswirkungen auf Handel

Laut Marie Laborde ist der Handel weniger betroffen, als die Branche befürchtet hatte. Bekanntlich drohen Importverbote bei der Impfung von Geflügel gegen die Vogelgrippe. Die meisten Märkte akzeptierten, so Laborde, immer noch gekochte Entenprodukte von geimpften Vögeln. Großbritannien habe seine Grenzen wieder für Rohprodukte geöffnet. Der Import von Rohprodukten bleibe in den Vereinigten Staaten, Kanada, Japan, Thailand und Südkorea eingeschränkt. Es liefen jedoch Gespräche in mehreren dieser Märkte zur Aufhebung der Beschränkungen. 

Ihre Schlussfolgerung aus den genannten Infektionszahlen war in Warschau, dass die Impfung der Enten in Frankreich nicht in Frage gestellt würde. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: AdobeStock_alco81
Quelle: The Poultry Side, CIFOG

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