Marek-Virus bei 58 Prozent der langsam wachsenden Hähnchenherden nachgewiesen

03 September 2026
Stallmanagement
langsam wachsende Masthähnchen

Mit dieser Häufigkeit hatten die Forscher nicht gerechnet: In 58 Prozent untersuchter Herden mit langsam wachsenden Masthähnchen fanden sie das Marek-Virus. Erste Auswertungen zeigen zudem Unterschiede bei Tierverlusten und Brustfiletmenge zwischen Betrieben mit und ohne Virusnachweis.

Das Marek-Virus könnte bei langsam wachsenden Masthähnchen eine größere Rolle spielen als bislang angenommen. Eine Untersuchung des Pharmaunternehmens Ceva und von Royal GD weist das Virus bei 58 Prozent der untersuchten Herden in den Niederlanden und Nordwestdeutschland nach.

Die Mareksche Krankheit kann unter anderem Lähmungen, Wachstumsstörungen sowie Veränderungen an Organen und Nervensystem verursachen. Doch eine Infektion muss nicht mit deutlich sichtbaren Krankheitssymptomen einhergehen. Auch subklinische Infektionen können die Tiere beeinträchtigen, indem sie das Immunsystem schwächen.

Das Virus verbreitet sich über direkten Kontakt zwischen den Tieren sowie über Hautzellen und Federstaub. Erkrankungen treten meist bei älteren Tieren ab einem Alter von etwa zehn Wochen auf. Legehennen und Elterntiere werden standardmäßig gegen Marek geimpft. In Deutschland erhalten auch Bio-Masthähnchen eine Impfung.

Schlachthöfe meldeten mehr Hautveränderungen

Den Anstoß für die Untersuchung gaben Beobachtungen aus Masthähnchenschlachthöfen. Dort fiel auf, dass langsam wachsende Herden weniger einheitlich wurden. Gleichzeitig beobachteten die Schlachthöfe häufiger Hautveränderungen.

Ceva und Royal GD untersuchten daraufhin langsam wachsende Masthähnchen aus 52 zufällig ausgewählten Betrieben. 40 Betriebe lagen in den Niederlanden, zwölf in Nordwestdeutschland. Von jedem Betrieb floss jeweils ein Mastdurchgang in die Untersuchung ein.

Eine Blutuntersuchung erwies sich für den Nachweis des Marek-Virus als nicht ausreichend. Deshalb untersuchten die Forscher die Milz der Tiere.

Forscher hatten nur mit 10 bis 15 Prozent gerechnet

Das Ergebnis überraschte die Beteiligten. „Wir erwarteten, das Marek-Virus in 10 bis 15 Prozent der Herden zu finden. Tatsächlich waren es jedoch 58 Prozent“, sagt Rogier van Leeuwen, Business Unit Manager Poultry Benelux bei Ceva.

Nach Einschätzung von Van Leeuwen hat sich das Feldvirus weiterentwickelt. Seine Virulenz steige etwa alle 20 Jahre. Seit 2005 sei das Virus als sehr virulent einzustufen. Dies könne erklären, warum Infektionen inzwischen früher auftreten.

Bei Virusnachweis lag die Mortalität höher

Erste Auswertungen deuten zudem auf Unterschiede bei den biologischen Leistungen hin. Ceva und Royal GD analysierten dafür Daten von 36 Masthähnchenbetrieben in den Niederlanden und Deutschland.

Auf Betrieben, auf denen das Marek-Feldvirus nachgewiesen wurde, lag die Mortalität im Mittel bei 2,7 Prozent. In Betrieben ohne Virusnachweis waren es durchschnittlich 1,76 Prozent.

Auch bei der Brustfiletmenge zeigte sich ein Unterschied. Bei nachgewiesenem Feldvirus erreichten die Tiere im Mittel 574 g Brustfilet. Ohne Virusnachweis waren es 601 g – ein Unterschied von 27 g.

Darüber hinaus stellten die Forscher bei Betrieben mit Virusnachweis einen Trend zu geringeren Tageszunahmen fest. Die Tiere nahmen durchschnittlich 1,5 g weniger pro Tag zu.

Die Ergebnisse zeigen zunächst Zusammenhänge zwischen Virusnachweis und Leistungsdaten. Ob und in welchem Umfang die Marek-Infektion die Unterschiede verursacht, lässt sich daraus allein nicht ableiten.

Forscher nehmen auch konventionelle Masthähnchen ins Visier

Marek könnte nicht nur langsam wachsende Herkünfte betreffen. Laut Van Leeuwen gibt es Hinweise darauf, dass das Virus auch bei konventionellen Masthähnchen vorkommt. Ceva will deshalb künftig auch diese Herden in weitere Untersuchungen einbeziehen.

Damit könnte die Frage an Bedeutung gewinnen, welche Rolle das Marek-Virus in der Hähnchenmast insgesamt spielt – auch wenn Tiere während der vergleichsweise kurzen Mast keine typischen Krankheitssymptome zeigen.

Marek-Impfung ersetzt gründliche Stallreinigung nicht

Neben der Impfung bleibt die Stallhygiene entscheidend. Geflügeltierarzt Gerwin Bouwhuis vom Gezondheidscentrum voor Pluimvee (GvP) im niederländischen Emmen warnt davor, sich nach einem Marek-Ausbruch allein auf die Impfung zu verlassen.

Eine Impfung sei wenig hilfreich, wenn der Hähnchenstall nach einem Ausbruch nicht gründlich gereinigt werde. Nach seinen Erfahrungen kann Marek auch in geimpften Herden erneut auftreten, wenn bei der Reinigung des Stalls Virusmaterial zurückbleibt.

Für Masthähnchenhalter rücken damit neben der Frage nach einer geeigneten Impfstrategie auch Reinigung und Hygiene zwischen den Mastdurchgängen in den Fokus.

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee

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