Chaotische Keulung in Frankreich: Verdacht auf Auslöser der Vogelgrippe-Welle in Flandern

17 Januar 2026
Stallmanagement
stall von außen

Die Vogelgrippe breitet sich in der flämischen Grenzregion zu Frankreich weiter aus. Geflügelhalter machen eine verspätete und unsachgemäße Keulung in einem französischen Betrieb nahe der Grenze verantwortlich. Der wirtschaftliche und psychische Druck auf die Betriebe wächst.

Ausbruch nahe der Grenze belastet flämische Betriebe

In der an Frankreich grenzenden Region Westhoek in Flandern (Belgien) grassiert seit Jahresbeginn 2026 das Vogelgrippevirus. Auslöser könnte ein Ausbruch in einem großen französischen Legehennenbetrieb im nordfranzösischen Warhem gewesen sein, rund zehn Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Dort stellten die Behörden zwischen Weihnachten und Neujahr eine Infektion fest.

Flämische Geflügelhalter kritisieren das Vorgehen bei der Eindämmung des Ausbruchs. Nach ihren Angaben begann die Keulung erst zwei Tage nach dem positiven Befund und zog sich ungewöhnlich lange hin.

Kritik an langsamer und unsachgemäßer Keulung

Danny Coulier, ehemaliger Vorsitzender des Landesverbands für Geflügel- und Masthähnchenhalter in der Grenzregion, spricht von chaotischen Zuständen. Die vollständige Keulung von rund 300.000 Legehennen habe sich über zehn Tage hingezogen. Erst nachdem die französischen Behörden die Hilfe des niederländischen Spezialunternehmens Van Eck BV in Anspruch nahmen, sei die Keulung innerhalb eines Tages abgeschlossen worden.

Sechs Betriebe in Flandern infiziert

Inzwischen sind sechs Geflügelbetriebe in der flämischen Grenzregion von der Vogelgrippe betroffen. Nach Einschätzung der Halter hatte das Virus durch das zögerliche Vorgehen in Frankreich zu viel Zeit, sich auszubreiten. Begünstigt hätten dies zudem günstige Windverhältnisse.

Coulier geht von einer möglichen Kontaktinfektion aus. Als Interessenvertreter habe man das belgische Forschungsinstitut Sciensano gebeten, eine Virus-Sequenzierung vorzunehmen und den Abgleich mit den französischen Behörden zu suchen. Einen eindeutigen Beweis gebe es nicht, der Verdacht sei jedoch erheblich.

Sperrzonen treffen Betriebe hart

Coulier selbst betreibt einen Masthähnchenhof innerhalb der eingerichteten Zehn-Kilometer-Zone. Sein Betrieb wurde infolge der jüngsten Ausbrüche bereits zum sechsten Mal gesperrt. Solange die Zone nicht vollständig aufgehoben wird, dürfen keine neuen Küken eingestallt werden. Eine Freigabe ist frühestens vier Wochen nach der letzten Keulung und vollständigen Desinfektion möglich.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Neben hohen Einnahmeausfällen belasten zusätzliche Sicherheitsauflagen, Dokumentationspflichten und behördliche Kontrollen die Betriebe.

Dauerstress und Angst vor dem eigenen Ausbruch

Noch schwerer wiegt für viele Halter die psychische Belastung. Coulier beschreibt die tägliche Sorge, selbst betroffen zu sein. Jeder Stallgang beginne mit der bangen Frage, ob Futter- und Wasserverbrauch noch stimmen. Besonders in Zucht- und Legebetrieben gehe jeder Morgen mit Anspannung einher.

Vorwürfe gegen französische Behörden

Coulier sieht strukturelle Defizite auf französischer Seite. Aufgrund der großen Autonomie der Departements fehle es häufig an einem schnellen und koordinierten Krisenmanagement. Der Ausbruch in Warhem habe dies deutlich gezeigt.

Die Folgen tragen nun die Betriebe in der Region. Leerstände verhinderten einen Neustart, die Verluste summierten sich auf viele Zehntausend Euro. Hinzu komme die dauerhafte Angst vor weiteren Infektionen.

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel
Quelle: Luc Maertens

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