Die Vogelgrippe trifft die Geflügelhaltung jedes Jahr aufs Neue. Allein in diesem Winter mussten in Deutschland mehr als eine Million Tiere gekeult werden. Ein Allheilmittel gibt es nicht. Doch Geflügelhalter können das Risiko eines Eintrags deutlich senken – wenn sie konsequent handeln.
Kein Patentrezept – aber klare Stellschrauben
„Die Vogelgrippe gleicht einem russischen Roulette. Trotzdem sollte jeder Geflügelhalter alles tun, um sie zu verhindern.“ Das sagt Francisca Velkers, Geflügeltierärztin und Epidemiologin aus den Niederlanden. Sie berät das dortige Landwirtschaftsministerium, wertet Ausbrüche aus und begleitet Betriebe nach Infektionen.
Aus ihrer Arbeit zieht sie eine nüchterne Schlussfolgerung: Entscheidend bleiben wenige, aber wirksame Maßnahmen. Geflügelhalter müssen Kontakte minimieren, Wildvögel und Schädlinge fernhalten, die Biosicherheit strikt einhalten und ihre Tiere täglich genau beobachten.
Wachsamkeit im Stall entscheidet
Viele Halter öffnen morgens den Stall mit Anspannung. Die Sorge ist berechtigt. Erste Anzeichen einer Infektion bleiben oft unscheinbar. Tiere wirken apathisch, der Stall bleibt ungewöhnlich ruhig. Häufig steigt der tägliche Verlust plötzlich stark an.
Weitere Warnsignale sind bläuliche Verfärbungen an Kämmen oder Beinen, Atemnot und dünnflüssiger Kot. Wer solche Symptome bemerkt, muss sofort reagieren. Erfahrungen zeigen: Je früher ein Verdacht erkannt wird, desto größer sind die Chancen, eine weitere Ausbreitung zu stoppen.
Jeder vierte Wildente trägt das Vogelgrippevirus
Die Vogelgrippe kehrt jedes Jahr mit den Zugvögeln zurück. Enten, Gänse und andere Wasservögel tragen das Virus über weite Strecken und scheiden es mit dem Kot aus. Im Herbst 2025 häuften sich die Ausbrüche ungewöhnlich schnell.
Europaweit wurden circa 1.500 Fälle bei toten Wildvögeln nachgewiesen – mehr als viermal so viele wie im Vorjahr. Untersuchungen des Erasmus University Medical Center der Universität Rotterdam zeigen zudem: Rund ein Viertel der scheinbar gesunden Wildenten trägt das Virus in sich. Das Risiko betrifft Regionen mit hoher ebenso wie mit geringer Geflügeldichte.
Kleine Käfer, großes Risiko: Unterschätzte Gefahr für die Biosicherheit
Den größten Effekt zur Vermeidung des Eintrags von Vogelgrippeviren erzielen Geflügelhalter mit konsequenter Biosicherheit. Dazu gehören klar getrennte Lauf- und Fahrwege, saubere Stallzugänge und strikte Hygieneregeln für Personal und Besucher.
Die Geflügeltierärztin Francisca Velkers arbeitet an einer groß angelegten Studie zur Biosicherheit mit, deren Abschlussbericht in Kürze erscheinen wird. Erste Ergebnisse dieser Studie überraschen selbst Fachleute. Fluoreszenztests deckten unsichtbare Schwachstellen auf – undichte Dächer, offene Spalten unter Stalltüren oder unerkannte Wege für Schädlinge. „Interessant ist, dass man mit einem Fluoreszenzgel viele unsichtbare Wege entdecken kann“, so Velkers.

































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