Vogelgrippe im Faktencheck: Wer treibt die Seuche – Wildvögel oder Federvieh?

05 Dezember 2025
Biosicherheit
Wildgänse

Die Vogelgrippe bleibt eine dauerhafte Bedrohung für Wild- und Nutzvögel. Beim Fachgespräch des Forum Natur Brandenburg in Potsdam erklärten führende Wissenschaftler und Praktiker, wie sich das Virus H5N1 weiter ausbreitet – und welche Maßnahmen Geflügelhalter jetzt brauchen. Einigkeit herrschte darüber: Der Dialog muss intensiver werden, denn die Risiken steigen.

Experten alarmieren: H5N1 zirkuliert weltweit – und bleibt hochgefährlich

Der jüngste Ausbruch der hochpathogenen aviären Influenza in Deutschland hat nicht nur rund 20.000 Kraniche getroffen, sondern auch in der Geflügelhaltung massive Schäden angerichtet. Das Forum Natur Brandenburg (FNB) nahm dies zum Anlass, den aktuellen wissenschaftlichen Stand und neue Schutzstrategien zu beleuchten. In der Potsdamer Garnisonkirche diskutierten Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis über Ursachen, Risiken und Handlungsbedarf.

Auf dem Podium sprachen der Staatssekretär im brandenburgischen Landwirtschaftsministerium Dr. Stephan Nikisch, HPAI-Experte Prof. Dr. Timm Harder vom Friedrich-Löffler-Institut, Dr. Kerstin Albrecht vom Tierseuchenbekämpfungsdienst im Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit Brandenburg, Dr. Torsten Langemach von der Vogelschutzwarte Brandenburg sowie Malte-Sören Voigts, Geschäftsführer der Hof Kremmen GmbH.

Ein Virus mit globaler Geschichte

Der Inhalt der Fachvorträge und das Ergebnis der anschließenden Podiumsdiskussion lassen sich wie folgt zusammenfassen: Das aktuelle H5N1-Virus stammt aus der Region um die chinesische Stadt Guangdong, wo es 1996 erstmals nachgewiesen wurde. Seither reist es um den Globus: nach Afrika, Europa, Amerika – und sogar in die Antarktis. Seine Langlebigkeit macht es besonders gefährlich. Im Winter übersteht es Kälte und wenig Sonnenlicht über Wochen; in Laborversuchen blieb es in Wasserproben ein Jahr lang infektiös.

Wasservögel wie Enten, Gänse, Schwäne und Möwen treiben die Verbreitung voran. Ihre Rastplätze entlang des Vogelzugs werden zu Drehscheiben der Infektion. Die Experten rieten deshalb, künstlich attraktiv gemachte Rastgewässer – wie etwa im Teichgebiet Linum – dringend kritisch zu hinterfragen.

Geflügelhalter stehen unter Druck

Während Wildvögel dem Virus ohne Schutz ausgeliefert sind, lässt sich Stallgeflügel durch strikte Biosicherheitsmaßnahmen gut schützen. Für die Freilandhaltung von Geflügel stellt die inzwischen ganzjährige Präsenz des HPAI-Virus durch den Kontakt zu Wildvögeln dagegen eine große Bedrohung dar. Da H5N1 mittlerweile ganzjährig in der Wildvogelpopulation präsent ist, steigt das Risiko direkter Virusübertragung ständig.

Impfstoffe für Geflügel befinden sich zwar in Entwicklung, doch ein Zulassungstermin ist noch offen. Bis dahin bleiben Überwachung, schnelle Keulung und sichere Entsorgung betroffener Bestände die einzigen Mittel, um größere Schäden zu verhindern.

Mehr Kooperation, mehr Klarheit, mehr Tempo

Alle Beteiligten betonten, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Behörden und Geflügelwirtschaft bereits funktioniert – aber noch viel Luft nach oben hat. Das Fachgespräch des FNB wurde als wichtiger Auftakt für einen intensiveren Austausch gewertet. Nur durch einen fortlaufenden Dialog, so die Experten, lassen sich Risiken künftig schneller erkennen und wirksam begrenzen.

Geflügelnews
Bild: Cordula Möbius

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