Niedersachsen ist besonders stark von der Vogelgrippe betroffen. Es gibt zahlreiche Restriktionsgebiete – in denen etwa der Transport von Geflügel untersagt ist. Der Transport von Bruteiern ist im Einzelfall möglich. So können mit „Schlupf im Stall“ Hähnchenmastbetriebe weiter beliefert werden.
„Mit ‘Schlupf im Stall‘ bleiben wir derzeit handlungsfähig, das ist am wichtigsten“, sagt Marc Hinnenkamp. Er ist Geschäftsführer der Biobrüterei Schwichteler im Landkreis Cloppenburg (Niedersachsen). Auch die Brüterei ist von den Folgen der aktuellen Vogelgrippe-Welle immens betroffen. Sie gehört zu Biofino, Deutschlands Marktführer im Bereich Bio-Geflügelfleisch. Zur Integration gehören fünf eigene Elterntierfarmen. Sie befinden sich in den Landkreisen Diepholz, Lüneburg und Paderborn. Die Vertragslandwirte von Biofino liegen quasi über ganz Deutschland verteilt.
Brüterei liegt im Restriktionsgebiet
In den Landkreisen Cloppenburg, Diepholz und Paderborn gibt es derzeit Restriktionsgebiete infolge von Vogelgrippe-Fällen. Die Brüterei in Schwichteler liegt ebenfalls im Überwachungsgebiet infolge eines Ausbruchs im Nachbarkreis Vechta. „Laut Allgemeinverfügungen der Landkreise dürfen Küken oder Bruteier zwar mit vorheriger Genehmigung der Landkreise transportiert werden, aber eine Einstallung von Küken innerhalb betroffener Gebiete ist ausgeschlossen“, erläutert Marc Hinnenkamp. Bei Bruteiern ist das jedoch möglich.
Der Brütereileiter betont, dass die Landkreise in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, in denen die Brüterei diese Sondergenehmigungen beantragen muss, sehr kooperativ seien: „Für uns ist das zwar aufwändig, weil jeder einzelne Transport separat genehmigt werden muss. Aber so bleiben wir handlungsfähig und halten den Brütereibetrieb aufrecht - ein ‚Entsorgen‘ der befruchteten Bruteier wird vermieden. Das ist aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen auch nicht akzeptabel“, sagt er.
Logistisch sehr große Herausforderung
Logistisch ist auch der Transport der Küken zu den Mastbetrieben insofern eine Herausforderung, als teilweise keine Sammeltransporte mehr möglich sind. Die Betriebe müssen einzeln angefahren werden, auch wenn sie in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Diese Maßnahme trifft das Veterinäramt. Da die Biobrüterei in einer Überwachungszone liegt und eben auch Teile der Elterntierfarmen, sehen einzelne Landkreise das als eine Notwendigkeit an. „Wir haben Verständnis für die Entscheidung der Landkreise, stehen dadurch aber vor sehr großen logistischen Herausforderungen“, sagt er.
Sondergenehmigungen hat die Biobrüterei aber eben nicht nur für den Transport der Bruteier zur Brüterei. Beantragt wurde es auch für den Transport von der Brüterei zum Hähnchenstall. Den Landwirten wird für die momentane Notsituation „Schlupf im Stall“ angeboten.
Drei Tage vor Schlupf in den Maststall
Dabei kommen die Bruteier am 18. Bruttag in den Hähnchenstall. Die Küken schlüpfen dann am 21. Bruttag. Erstmals kam das Verfahren schon 2022 bei der Biobrüterei zum Einsatz: „Damals waren wir in der gleichen Situation wie heute. Der zu beliefernde Landwirt musste allerdings von heute auf morgen den ‚Schlupf im Stall‘ vorbereiten. Die Alternative wäre ein kompletter Leerstand gewesen, der weitreichenden Einbußen nach sich gezogen hätte“, berichtet Marc Hinnenkamp.
Der Stall wurde so hergerichtet wie sonst auch zur Einstallung. Mit einer Temperatur von 37 °C und 55 % Luftfeuchtigkeit wurden die Verhältnisse im Brutschrank simuliert. In der Stallmitte gab es zwei Längsreihen mit etwas dickerer Hobelspäne-Einstreu. Hierauf wurden am 18. Bruttag die Vorbruthorden gesetzt. „Das hat wirklich gut funktioniert“, erinnert sich der Brütereiexperte und „die Schlupfrate war annähernd genauso wie in der Brutmaschine.“
„Schlupf im Stall“ schon 2022 erfolgreich
In den Jahren 2022 und 2024 wurde der „Schlupf im Stall“ mehrfach erfolgreich durchgeführt. „Das hat auch in älteren Ställen funktioniert, die nicht ganz auf angestrebten Klimawerte kamen. Unsere Erkenntnis war, dass es vor allem auf konstante Bedingungen ankommt“, resümiert er die Erfahrungen.
Aktuell wurden von der Biobrüterei inzwischen zwei Betriebe mit Bruteiern beliefert. Der erste Schlupf ist sehr gut gelaufen. Nach jetzigem Stand sind in Schwichteler momentan acht weitere Auslieferungen von Bruteiern an Mastbetriebe geplant. Der Brütereileiter ist mehr als froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Sehr deutlich sagt er aber auch: „Das ist für uns jetzt eine wirklich gute Sache. Ansonsten empfehlen wir das Verfahren aber nicht. Es bedeutet viel mehr Arbeit, Aufwand und ein Restrisiko für den Landwirt ohne erkennbare Vorteile. Die Brütereispezialisten sind wir.“

































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