Schlupf im Stall: „Es ist gut zu wissen, dass man es kann“

18 September 2025
Masthuhn
Schlupf im Stall

Im Rahmen eines Praxisprojektes testeten acht Hähnchenmastbetriebe einen Schlupf im Stall. Auf der Abschlussveranstaltung in Hannover diskutierten beteiligte Betriebe, Tierärzte, Berater sowie Brüterei-Mitarbeiter jetzt die Ergebnisse. Wichtige Erkenntnis: Bei Vogelgrippe-Restriktionen kann mit Schlupf im Stall weiter produziert werden.   

Eine Hähnchenmästerin aus dem Emsland, die mit ihrem Mann beim Projekt „Schlupf im Stall“ dabei war, brachte es in Hannover auf den Punkt: „Es waren spannende Durchgänge, wir haben viel Neues gelernt, es hat gut geklappt und es ist gut zu wissen, dass es funktioniert und man es kann.“ 

Große Spannbreite bei teilnehmenden Betrieben

Das Praxisprojekt „Schlupf im Stall“ ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz. Beteiligt waren acht Hähnchenmastbetriebe, verteilt über ganz Deutschland, mit verschiedenen Bestandsgrößen vom kleineren Biobetrieb bis zur Anlage mit über 400.000 Plätzen. Das Projekt lief über die vergangenen 1,5 Jahre. Koordiniert wurde es von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter Leitung von Dr. Birgit Spindler. 

Die Hauptfragestellung des Projektes war, ob ein Schlupf im Stall den Antibiotikaeinsatz in der Hähnchenmast reduzieren kann. Des Weiteren wollte man auch schauen, ob der Schlupf im Stall weniger (Transport-)Stress und damit mehr Tierwohl bedeutet. Ein wichtiger Aspekt, der auf der Abschlussveranstaltung in Hannover diskutiert wurde, ist die Nutzung von Schlupf im Stall bei Restriktionen infolge von Vogelgrippe-Fällen. 

Brütereien: Schlupf im Stall bei Vogelgrippe 

Wie der Mitarbeiter einer Brüterei berichtete, lag sein Unternehmen wegen eines Vogelgrippe-Falles im Umfeld im Restriktionsgebiet. Das hieß, dass keine Eintagsküken transportiert werden durften. Theoretisch hätte also der - schon eingelegte – Schlupf getötet werden müssen. Mit einer Sondergenehmigung des Landkreises durften Bruteier transportiert werden. 

Die für die Lieferung vorgesehenen Hähnchenmastbetriebe arbeiteten dann mit Schlupf im Stall. So konnte man die Produktionskette aufrechterhalten. Das war nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern ebenso eine gute Lösung aus ethischer Sicht. Auch in jüngerer Vergangenheit gab es Einzelfälle von Hähnchenmastbetrieben, die aufgrund eines Vogelgrippe-Falles im Umkreis nicht mit Küken beliefert werden konnten. „Da konnten wir dann wieder Schlupf im Stall durchführen“, so der Brüterei-Mitarbeiter. 

Leitfaden in Kürze als Download

Ein Schlupf im Stall stellt hohe Anforderungen an den Hähnchenmäster oder die Hähnchenmästerin. Aus den Erfahrungen des MuD-Projektes heraus wurde von den Beteiligten ein Leitfaden als Managementhilfe erarbeitet. In gedruckter Form liegt es jetzt vor, in Kürze wird es eine Download-Möglichkeit geben (Geflügelnews wird informieren). 

Ein wichtiger Aspekt: Die zuvor genannte Brüterei musste teilweise intensive Gespräche mit den Veterinärbehörden der zuständigen Landkreise führen für die Sondergenehmigung, Bruteier zu transportieren. „Der Leitfaden zeigt, dass Schlupf im Stall gut funktionieren kann, das hilft auch bei Gesprächen mit der Behörde“, so der Mitarbeiter. 

Höherer Arbeitsaufwand bei Schlupf im Stall

Beim Schlupf im Stall kommen die Bruteier am 18. Bebrütungstag in den Stall. Die Wirtschaft bietet verschiedene Verfahren an, die Bruteier im Stall zu verteilen. Die Küken schlüpfen dann zwischen dem 19. und 21. Bruttag. Während der Schlupfphase ist eine engmaschige Kontrolle nötig, was einen höheren Arbeitszeitbedarf bedeutet.

Bei den in Hannover vorgestellten Ergebnissen zeigten sich betriebsindividuell große Unterschiede. Den -vielleicht erwarteten - geringeren Antibiotikaeinsatz konnte man so nicht feststellen. Im Rahmen des Projektes wurden auch ökonomische Berechnungen angestellt. Sie zeigten ebenfalls keine eindeutige Linie, sondern waren ebenfalls stark abhängig von betrieblicher Struktur und den individuellen Bedingungen vor Ort. 

Brütereien selektieren hochprofessionell

Dr. Christian Sürie ist Leiter des Forschungsgutes Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Ruthe nahm mit langsam wachsenden Rassen am Projekt „Schlupf im Stall“ teil. Der Wissenschaftler gab zu bedenken, ob man die Kükenselektion nicht besser den hochprofessionellen Händen der Brütereien überlasse anstatt den Hähnchenmäster damit zu belasten: „Das ist nicht schön, zu entscheiden, welche gerade geschlüpften Küken lebensfähig sind“, sagte er.    

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Dieter Theyssen

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