Ein Schlupf im Stall stellt hohe Anforderungen an Hähnchenmäster und Hähnchenmästerinnen. Das Verfahren bietet jedoch auch Vorteile für Tierwohl und Tiergesundheit. Für den Erfolg sind unter anderem fundierte Sachkunde und eine optimale Stallvorbereitung entscheidend. Hierzu wird es demnächst einen Leitfaden geben.
Die Hähnchenmast steht hierzulande vor großen Herausforderungen. Es soll mehr Tierwohl bei möglichst geringem Medikamenteneinsatz geben. Ebenso müssen Nachhaltigkeit und Umweltschutz beachtet werden. Durch einen Schlupf im Stall sollen die Tiergesundheit und das Tierwohl gefördert werden. Bakterielle Infektionskrankheiten und folglich der Einsatz von Antibiotika sollen dadurch minimiert werden.
Praxisprojekt „Schlupf im Stall”
Ein deutschlandweites Praxisprojekt untersuchte, ob das gelingen kann. Es wird von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover koordiniert. Mit dabei war auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dazu wurden zunächst Daten aus vier Praxisbetrieben erfasst, die bereits Erfahrungen mit dem Schlupf im Stall gesammelt haben. Anschließend wurden auch Daten aus sechs „Neueinsteiger“-Betrieben zusammengetragen.
Die bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt stellte Niels Luther-Köhne auf dem Fachforum Schwein und Geflügelmast der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vor. Beim Schlupf im Stall werden die Bruteier am 18. Bebrütungstag in den Stall gebracht. Die Wirtschaft bietet bereits verschiedene Verfahren zur Verteilung der Bruteier im Stall an.
Sorgfältigste Stallvorbereitung
Die Küken schlüpfen dann innerhalb eines Zeitfensters von 24 bis 48 Stunden. Vorteile sind, dass sie keinen Transportstress haben und sofort Zugang zu Futter und Wasser haben. Eine sorgfältige Stallvorbereitung ist dabei unerlässlich. Die Temperatur sollte stabil bei 30 bis 32 °C liegen, was natürlich höhere Heizkosten bedeutet. Die Luftfeuchtigkeit muss bei 60 bis 70 Prozent liegen.
„Während der Schlupfphase ist eine engmaschige Kontrolle nötig”, so Niels Luther-Köhne. Das bedeutet wiederum einen höheren Arbeitszeitbedarf je Durchgang (je nach Verfahren 10 bis 20 AKh). Der Referent wies besonders auf Folgendes hin: Nicht schlupffähige und nicht lebensfähige Küken sind tierschutzkonform zu töten und gemäß geltendem Recht zu entsorgen. Impfungen, die ansonsten in der Brüterei durchgeführt werden, müssen beim Schlupf im Stall mit dem betreuenden Tierarzt abgestimmt werden.
Ökonomie stark betriebsabhängig
Im Rahmen des Projektes wurden auch ökonomische Berechnungen angestellt. Luther-Köhne bezifferte die Mehrkosten vom Schlupf im Stall abhängig von der betrieblichen Struktur und den individuellen Bedingungen vor Ort mit 9 Cent je Küken. Dem kann ein Mehrerlös von 9 bis 12 Cent je Küken gegenübergestellt werden, der ebenfalls stark betriebsindividuell ausfällt. Zusammenfassend nannte er noch einmal die Knackpunkte: Durch die frühere Futter- und Wasseraufnahme kann die Gewichtsentwicklung in der frühen Aufzuchtphase sehr inhomogen sein. Das 7-Tage-Gewicht darf nicht zu hoch sein, da es sonst zu einer instabileren Skelettentwicklung kommen kann. Mögliche unerwünschte Folgen sind Grätschen, Beinschäden oder Fußballendermatitis.

































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