Fachforum Lingen: Die Zukunft der Geflügelmast ist rosig!
Auf dem Fachforum Schwein und Geflügelmast in Lingen gab es durchweg gute Stimmung in der Geflügelsparte. Das galt für die Aussteller, aber ebenso für die Referentinnen und Referenten der begleitenden Fachvorträge. Die Zukunft ist rosig.
Am 16. Mai 2025 veranstaltete die Landwirtschaftskammer Weser-Ems in Lingen (Landkreis Emsland) zum zweiten Mal nach 2023 ihr Fachforum Schwein und Geflügelmast. Es soll künftig im zweijährigen Turnus stattfinden. Rund 80 Unternehmen präsentierten dort ihre Produkte und Dienstleistungen.
Im interessanten Vortragsprogramm ging es schwerpunktmäßig um die höheren Haltungsstufen in der Hähnchenmast, was sie produktionstechnisch bedeuten, wie es dabei mit der Wirtschaftlichkeit aussieht und wie die Marktchancen sind. In Deutschland ist der Anteil höherer Haltungsstufen noch überschaubar – aber mit klarer Tendenz nach oben. Die Erlössituation in der Geflügelmast ist derzeit positiv.
Zukunftsgerichtete Betriebe sind durchaus bereit zu investieren.
Diese Einschätzung gab es in Lingen durchweg auch von den Ausstellern aus dem Geflügelbereich. „Die Depri-Phase in der Veredlung, wo viele Betriebe ausgestiegen sind, ist vorbei, es gibt wieder Investitionsbereitschaft“, formulierte es ein Berater.
Diepenbrock: „Investitionsbereitschaft ist zurückgekehrt“
Treffpunkt für Praxis und Beratung: Der Stand von Diepenbrock Versicherungsmakler.
Zu den Ausstellern beim Fachforum in Lingen gehörte auch Diepenbrock Versicherungsmakler. Thomas Brink, geschäftsführender Gesellschafter, sagt: „Die Stimmung bei den Geflügelhaltern ist gut. Man merkt, dass es wieder Investitionsbereitschaft gibt in den Betrieben. Es geht um die Sanierung älterer Ställe oder deren Umbau für höhere Haltungsstufen oder auch um den Neubau von Ställen.“
In der Hähnchenmast merke man dabei ein gestiegenes Interesse an der Bioerzeugung. Wer Biohähnchen mästet, sollte sich versicherungstechnisch etwas anders aufstellen als seine Kollegen mit konventioneller Haltung, Stichwort Salmonellenversicherung, so Thomas Brink.
Angefragt werden bei seinem Unternehmen derzeit vermehrt Versicherungen für größere Batteriespeicher. Ist eine Photovoltaik-Anlage vorhanden, kann die Stromvermarktung hiermit flexibler gestaltet werden. Das Invest liege da schnell mal bei 250.000 Euro. „Wir haben für solche Batteriespeicher ein spezielles Feuerversicherungs-Konzept entwickelt“, berichtet der Fachmann.
KWS: „Auch für Geflügelfutter könnte Roggen spannender werden“
Auch die Pflanzenzucht war dabei in Lingen
„60 bis 70 Prozent des hierzulande angebauten Getreides oder Mais wandern in den Futtertrog“, sagt Dr. Nicole Wackwitz vom Saatzuchtunternehmen KWS. Deshalb ist sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen auch gerne mal auf einer Messe zur Tierhaltung – wie auf dem Fachforum in Lingen.
Ihrer Einschätzung nach könnte Roggen auch für die Geflügelfütterung künftig interessanter werden. Zum einen sprechen anbautechnische Gründe dafür: „Roggen ist trockenstresstoleranter als etwa Weizen und benötigt weniger Stickstoff in der Düngung. Er ist im Vergleich zu anderen Getreidearten im Allgemeinen resistenter gegenüber Pflanzenkrankheiten. Neuere Hybridsorten haben im Vergleich zu älteren Sorten zudem eine verbesserte Mutterkornabwehr“, erklärt sie. All das mache heimischen Roggen zu einem ressourceneffizienten Futtermittel mit geringem CO2-Fußabdruck.
Bei der Verfütterung an Schweine hat Roggen bereits seine positive Wirkung auf die Darmgesundheit bewiesen. Zusammen mit u.a. der Tierärztlichen Hochschule Hannover wird aktuell in einem Forschungsprojekt untersucht, inwieweit Roggen und regionale Proteinträger (Erbsen, Bohnen, Soja) in der Geflügelfütterung eingesetzt werden und damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten können.
Phibro: „Fachforum als Einstieg für deutschen Markt“
Erster Messeauftritt in Deutschland für Phibro
Phibro Animal Health, gegründet 1946, ist ein weltweit tätiges Unternehmen für Tiergesundheit und Tierernährung. Angeboten werden unter anderem Kokzidiostatika für den Einsatz im Geflügel zur Bekämpfung der gefährlichsten Darmerkrankung, der Kokzidiose.
Mit Produkten für Geflügel und Rinder ist Phibro seit Anfang diesen Jahres in Deutschland aktiv. „Das Fachforum Lingen ist unsere Messepremiere. Die Veredlungsregion Nord-West-Deutschlands ist die führende Geflügelregion Deutschlands mit starker Futtermittelwirtschaft, deshalb passt das gut“, sagt Hubertus Falter von Phibro.
Das Unternehmen bietet Kokzidiostatika unterschiedlicher Stoffklassen an, deren Wirksamkeit vom Besatz, Umweltweltbedingungen und Einsatzzeitpunkt abhängt. Um Resistenzen vorzubeugen, empfiehlt Phibro das Rotationsprinzip, also einen planmäßigen Wechsel der Wirkstoffklassen, der zusammen mit Tierernährern und Tierärzten erstellt wird. Kunden von Phibro sind die Hersteller von Geflügelfutter - von denen eine ganze Reihe auch auf dem Fachforum in Lingen vertreten sind.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
Mehr von diesem Autor
Bild:
Christa Diekmann-Lenartz
Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.