Geflügelwirtschaftsverband NRW: Vogelgrippe ist Thema Nr. 1

20 November 2025
Deutschland
mgv gwv nrw

Nordrhein-Westfalen hat eine bedeutende Eiererzeugung.

 

Auch in Nordrhein-Westfalen gab es bereits einige Fälle von Geflügelpest auf landwirtschaftlichen Betrieben, zudem viele Wildvogelbefunde. Grund genug für den Geflügelwirtschaftsverband Nordrhein-Westfalen, seine Mitgliederversammlung dieses Jahr nicht in Präsenz, sondern online abzuhalten. 

Christoph Johanngieseker, der Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes Nordrhein-Westfalen (GWV), machte bei seiner Online-Begrüßung keinen Hehl daraus, dass er diese lieber wie geplant vor Ort in Delbrück vorgenommen hätte. Das ursprüngliche Programm mit Besuch beim Frischgeflügelvermarkter Borgmeier soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. 

Gute Marktaussichten durch Seuchengeschehen getrübt

Deutlich sagte Christoph Johanngieseker, dass die Branche eigentlich „strahlen müsste vor Glück“ angesichts der grundsätzlich sehr positiven Marktsituation sowohl im Eier- als auch im Mastgeflügelbereich. Leider habe das aktuelle Geflügelpest-Geschehen dieser positiven Sicht einen ordentlichen Dämpfer verpasst. 

Der im vergangenen Jahr neue gewählte Vorsitzende forderte denn auch neue Strategien für den Umgang mit der Seuche: „Wir taumeln jedes Jahr aufs Neue dieser Gewalt von AI (Aviäre Influenza) entgegen. Biosicherheit ist sehr wichtig, kann aber auf Dauer nicht das einzige Mittel sein“. Seines Erachtens müsse das Thema Impfung zumindest neu in die Diskussion kommen. 

Thema Impfung muss in die Diskussion

Die mit einer Impfung verbundenen Probleme wie Exportsperren oder Monitoring geimpfter Bestände seien hinlänglich bekannt. Seiner Meinung nach dürfe man sich einer Impfung dennoch nicht gänzlich versperren. Dies wurde auf der kürzlich abgehaltenen ZDG-Mitgliederversammlung in Berlin thematisiert. 

Auch die GWV-Geschäftsführerin Charlotte Wilmes ist seit knapp einem Jahr neu im Amt. In ihrem Bericht legte sie ebenfalls einen Schwerpunkt auf AI: „Das ist da Thema, was uns die letzten Wochen extrem beschäftigt hat“. 

Zum Zeitpunkt der Online-Mitgliederversammlung gab es in Nordrhein-Westfalen seit Anfang Oktober acht bestätigte Fälle von Geflügelpest in Betrieben. Danach sind weitere Fälle bei gehaltenem Geflügel hinzugekommen. 

Auch in NRW zahlreichen Funde von AI-Wildvögeln

Nicht zuletzt auch die zahlreichen Funde von verendeten Wildvögeln mit Geflügelpest in Nordrhein-Westfalen veranlassten den Verband, Gespräche mit den Landkreisen, aber ebenso mit dem Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf und dem Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung NRW (LAVE) zu führen wegen möglicher Aufstallgebote.  

Verband spricht sich für Aufstallgebote aus

In Nordrhein-Westfalen sind diese bisher nur in Wesel, Kleve, Minden-Lübbecke und für Teile der Landkreise Paderborn und Recklinghausen ausgesprochen worden. In anderen Bundesländern gibt es inzwischen eine hohe Anzahl von Landkreisen/Städten, die eine generelle Aufstallpflicht erlassen haben. Wie Charlotte Wilmes betonte, wünscht man sich eine solche Vorgehensweise auch für Nordrhein-Westfalen. 

„Das wäre insbesondere für die Freiland- und Bio-Legehennenhaltungen sehr wichtig“, betonte sie. Bekanntlich ist eine Weitervermarktung der Eier als Freiland- oder Bio-Ei möglich, wenn es eine Aufstallanordnung des betreffenden Landkreises gibt. Lassen die Halterinnen oder Halter ihre Freiland-Tiere zum Schutz vor AI eigenverantwortlich im Stall, dürften sie die Eier nur als Bodenhaltungseier vermarkten. Auch Lieferverträge mit Packstellen etc. lassen diese Vorgehensweise kaum zu.   

„Aufstall-Empfehlungen“ für Verband keine Option

Deutlich sagte die Geschäftsführerin, dass ein Aufstallgebot natürlich keine 100 Prozent Sicherheit bedeute, aber eben doch wichtiger Baustein der Vorsorge sei. Als zynisch angesichts der immensen Bedrohung durch die Vogelgrippe sah sie die „Aufstall-Empfehlungen“ an, die von einigen Landkreisen ausgesprochen würden. Die rechtliche Lage gebe es zum Beispiel auch durchaus her, für einzelne Betriebe oder Teilgebiete eines Landkreises risikoorientiert Aufstallgebote auszusprechen. „Wir bleiben dran und machen uns dafür stark“, versprach sie. 

Dem aktuellen Geflügelpestgeschehen geschuldet, informierte Dr. Birgit Kaeppel von der Tierseuchenkasse Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Mitgliederversammlung über Finanzierung, Entschädigungsleistungen, Procedere im Geflügelpestfall etc. Sie mahnte, die Tierseuchenkasse nicht als Generalabsicherung zu sehen: „Es gibt im Pestfall immer Folgeschäden, die die Tierseuchenkasse nicht alle abdeckt.“ Hier sei auch Eigenvorsorge der Betriebe gefragt. 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Kristoffer Finn

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