Niedersachsen: NGW schlägt landesweites Aufstallgebot vor

22 Oktober 2025
Biosicherheit
Ripke

In Niedersachsen steht rund zwei Drittel des deutschen Geflügelbestandes. Von daher könnte das Bundesland massiv betroffen werden von der Geflügelpest. Das hätte auch Folgen für die Versorgung mit Geflügelfleisch und Eiern. Der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, schlägt deshalb ein landesweites Aufstallgebot vor.  

Angesichts der beginnenden Geflügelpest-Saison mit den ersten Fällen in verschiedenen Bundesländern schlägt der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, ein Aufstallgebot für das gesamte Bundesland vor. Der NGW-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke sieht eine besondere Betroffenheit: 

„Der Geflügelbestand in Niedersachsen umfasst 106 Mio. Tiere. Das sind rund 62 Prozent des Bestands in Deutschland.“ Daraus erwachse eine besonders hohe Verantwortung für das Überleben möglichst vieler Tiere und ebenso für die Versorgung der Bevölkerung mit Geflügelfleisch und Eiern, betont er.

Hohe Biosicherheitsstandards und Vorsorge

Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft hält zusammen mit dem Landvolk und der Tierseuchenkasse Niedersachsen millionenschweres Equipment und Personal in ihrer Entsorgungsgesellschaft GESEVO ganzjährig vor. Die Tierhalter haben konsequent in eine bessere Biosicherheit investiert und ihre Ställe und Strohlager gegenüber Viruseintrag durch Wildvögel, Säugetiere oder Menschen optimiert. 

International und EU-weit sei der niedersächsische Biosicherheits-Standard vorbildlich, so Ripke, „und dennoch lassen sich Ausbrüche nicht vollständig verhindern!“. Er sieht mit Sorge den aktuellen Seuchenverlauf. 

Seit dem 1. Oktober 2025 gibt es in nur drei Wochen 16 vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigte Ausbrüche in Nutzgeflügelbeständen von sieben Bundesländern. 241.000 Tiere mussten nach behördlicher Anordnung getötet werden. 

Freiland-Legehennenhaltungen besonders gefährdet

Das FLI hat das Risiko einer Infektion mit der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) deshalb inzwischen als hoch eingestuft. In den Niederlanden gilt seit dem 16. Oktober 2025 eine landesweite Aufstallpflicht. Ripke hält diese für begründet und notwendig. Anders als in der Vergangenheit, in der überproportional viele Putenbestände betroffen waren, seien es heute Legehennen, die am häufigsten infiziert werden, speziell die im Freiland gehaltenen. Das sei logisch, weil im Freiland direkter Kontakt zu Wildvögeln bzw. ihrem infektiösen Kot gegeben ist. 

Der NGW-Vorsitzende schlägt der Landesregierung deshalb eine landesweite Aufstallpflicht vor wie in den Niederlanden. Diese sollte solange aufrechterhalten werden, bis der Seuchendruck wieder abklingt. „Andernfalls muss mehr Geflügel sterben als notwendig wäre und das ist weder ethisch noch politisch zu verantworten!“, betont er. „Einige Wochen im Stall bleiben zu müssen ist möglicherweise nicht das Tierwohl-Optimum, aber lebensrettend.“

Ausnahmeregelungen für Gänse diskutieren

Der NGW bietet der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hierbei partnerschaftliche Zusammenarbeit und Mitübernahme von Verantwortung an. Dazu gehöre beispielsweise die offene Diskussion über die Bedingungen einer Ausnahmeregelung für die jetzt ausgewachsenen Gänse. Sie ließen sich nicht in engen Gebäuden halten. 

„Bei dem rasanten aktuellen HPAI-Seuchenverlauf darf man nicht bei der einfachen Tagesordnung bleiben. Wir müssen handeln und haben mit dem Aufstallgebot ein nicht hundertprozentiges, aber wirksames Instrument zur Verfügung“, appelliert Ripke an die Ministerin.

Schreckensszenario USA mit massivem Eiermangel 

Er warnt davor, dass sich ohne aktives Gegensteuern ein Schreckensszenario wie in den USA in den vergangenen Jahren entwickeln könnte. Mehr als 100 Mio. Legehennen mussten getötet werden und es gab im Lebensmittelhandel fast keine Eier mehr. Der Preis für 1 Ei lag zeitweise bei fast 1 Dollar! Die Geflügelpest können am Ende marktrelevant werden und auch die Verbraucher treffen, so Ripke abschließend.

PM / Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Niedersächsische Geflügelwirtschaft

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