Tierwohl, Technik, Trends: Das war der NRW-Geflügeltag 2025

06 Mai 2025
Masthuhn
Geflügeltag

Der NRW-Geflügeltag hat sich als fester Termin der Branche etabliert. Das zeigte aktuell die deutlich dreistellige Besucherzahl. Selbst aus der Schweiz waren Gäste nach Haus Düsse gekommen. Es gab zukunftsrelevante Themen aus Wissenschaft und Praxis – und Berichte zur Verbandsarbeit mit besonderem Blick nach Berlin.

„Geflügel der Zukunft“ – unter diesem Motto stand der diesjährige NRW-Geflügeltag im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse. Und dass Geflügel Zukunft hat, daran ließen Veranstalter und Referenten keinen Zweifel. Eier und Geflügelfleisch sind gefragt. Die Erlöse auf Erzeugerstufe sind momentan auskömmlich. Letzteres kann sich, so der Vorsitzende des Bundesverbandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger (BVH), Philipp Beckhove, jedoch schnell ändern.

Also ist auch in der Geflügelbranche Effizienz gefordert. Außerdem müssen die wachsenden Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Neue Technologien oder innovative Praktiken bieten hierfür Potenziale. Einige Beispiele hierzu wurden auf dem Geflügeltag vorgestellt.   

BVH-Vorsitzender Philipp Beckhove

Junghennen für lange Legephasen: Projekt „OptiLeg“ vorgestellt

Dr. Philipp Hofmann von der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Kitzingen, stellte das Projekt „OptiLeg“ vor. Es fragt, inwieweit eine optimierte Junghennenaufzucht einen Beitrag für eine längere Haltungsdauer von Legehennen leisten kann. Von der Genetik her gebe es heute dafür das Potenzial, so Dr. Hofmann.
Im Projekt „OptiLeg“ wird zum einen untersucht, wie sich erhöhte Gehalte an Rohfaser im Aufzuchtfutter auswirken und zum anderen, welche Wirkung ein früheres Öffnen der Voliere in der Aufzucht hat (14. Tag). Ein erstes Ergebnis ist, dass ein früheres Öffnen der Voliere und erhöhte Rohfasergehalte das Auftreten von Federpicken und kannibalistischem Picken reduzieren. Die Tiere im Projekt „OptiLeg“ sind aktuell in der Legephase. Abschließende Gesamtergebnisse gibt es voraussichtlich 2026. 

BroilerNet bringt europaweit Best-Practice in den Stall

Dr. Julia Malchow vom Friedrich-Loeffler-Institut Celle stellte auf dem Geflügeltag das europaweite Netzwerk BroilerNet vor. Beteiligt sind 13 Partnerländer, aus denen gute Praxislösungen für aktuelle Herausforderungen im Masthähnchensektor gesammelt und publik gemacht werden. Es geht dabei um Nachhaltigkeit, Tierwohl und Tiergesundheit. 

Bei Letzterem ist ein Beispiel für „Best Practice“ die Nutzung von aufbereitetem Regenwasser für Tränken. 

Im Juni bietet BroilerNet für Interessierte eine Exkursion in die Niederlande an. Besichtigt werden soll u. a. das innovative Windstreek-Stallkonzept. Die Masthähnchen werden dabei in einem weiträumigen Stallgehege gehalten.  

Kameras mit KI: Wie Technik das Tierwohl verbessert

Der BVH-Vorsitzende Philipp Beckhove hat in seinen Hähnchenställen seit dreieinhalb Jahren ein KI-gestütztes Kamerasystem zur Tierüberwachung im Einsatz. Er berichtete über seine Erfahrungen. Das System liefert jeden Morgen eine Auswertung, was in den vergangenen 24 Stunden im Stall passiert ist und gibt Hinweise zur Optimierung. Gibt es irgendwo Zugluft, ist es irgendwo zu kalt, ist etwa ein Feintuning der Lüftung möglich. 

Beckhove sieht die täglichen Hinweise sehr positiv für die morgendlichen Absprachen mit seinen Mitarbeitern. Zudem werden Fehler oder Ausfälle bei der Stalltechnik/-einrichtung schnell erkannt. Künftig soll mit dem Tool auch eine Gewichtsermittlung der Tiere möglich sein. 

Dr. Philipp Hofmann, Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft

BVH fordert Erleichterungen beim Stallumbau

Philipp Beckhove stellte in Haus Düsse als BVH-Vorsitzender auch die aktuellen Arbeitsschwerpunkte seines Verbandes vor. Beim Thema TA Luft befasst man sich weiter mit Alternativen zur Abluftreinigung, um die geforderten Emissionsreduzierungen zu erreichen. Neben dem Einstreuzusatz ImproBed sind hierfür inzwischen auch Wärmetauscher anerkannt. Als zukünftige weitere Alternativen werden HDT-Ionisierungslampen oder Stallmanagementmaßnahmen wie zum Beispiel Tränkedruckregelungen diskutiert. 

Von der neuen Regierung in Berlin erhofft man sich Erleichterungen beim Stallum- und -neubau. Dann könnten auch die vom Handel geforderten höheren Haltungsstufen und „5xD“ zuverlässig geliefert werden, so Beckhove: „Wir müssen unseren Selbstversorgungsgrad halten.“ 

VDP-Vorsitzende Bettina Gräfin von Spee

Neuregelungen zur Putenhaltung auf EU-Ebene 

Der Verband Deutscher Putenerzeuger, VDP, geht davon aus, dass die neue Bundesregierung die Pläne des bisherigen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir zur Putenhaltung nicht weiter verfolgen wird. Das sagte die Vorsitzende des VDP, Bettina Gräfin von Spee. Bekanntlich plante Özdemir eine Novellierung der Haltungsverordnung zu den Puten mit erheblich abgesenkten Besatzdichten – im deutschen Alleingang. Dieses Thema werde jetzt auf EU-Ebene angegangen, so Gräfin von Spee. 

In ihrem Bericht nannte auch sie den Umbau zu höheren Haltungsstufen bei den Puten als wichtiges aktuelles Thema. Der Anteil von Stufe 3 liege zwar erst bei ca. 10 Prozent, aber Tendenz steigend. Deutlich sagte sie, dass dieser Umbau aber nur marktorientiert erfolgen könne. Ihre Branche verlange demzufolge keine staatliche Förderung.  

Dr. Birgit Spindler von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover berichtete in Haus Düsse über den aktuellen Stand zum viel diskutierten Thema „Fangen und Verladen von Geflügel“. Hierüber berichten wir in einem separaten Beitrag. 

Veranstaltet wird der NRW-Geflügeltag gemeinsam von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, dem Geflügelwirtschaftsverband Nordrhein-Westfalen und dem Netzwerk Fokus Tierwohl. 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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