„Impfung kann nur flankierende Maßnahme sein“ – FLI warnt vor einfachen Antworten auf Vogelgrippe-Krise

31 Oktober 2025
Impfung
Impfung Geflügelpest

Das Aufwendigste bei einer Impfung wäre das erforderliche Monitoring der geimpften Tiere.



Das Geflügelpestgeschehen hat eine ungeheure, sehr besorgniserregende Dynamik aufgenommen. Jeden Tag werden neue Fälle in Betrieben gemeldet. Auch die sehr große Zahl verendeter Kraniche lässt niemanden kalt. So wird wieder stärker über das Thema Impfung diskutiert. Wir fragten beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) nach dem aktuellen Stand.

Seit etwa zwei Jahren ist -theoretisch und unter sehr strengen Auflagen- in der EU das Impfen gegen die Geflügelpest erlaubt. Vorher war das nicht der Fall. Es gibt auch Impfstoffe gegen die Geflügelpest. Allerdings ist in Deutschland noch keiner zugelassen.

Eine vorbeugende Impfung könnte bereits zum Einsatz kommen, wenn kein aktives Seuchengeschehen in der fraglichen Region herrscht. So hat Frankreich bekanntlich bereits 2023 präventiv geimpft, um seine Entenbestände zu schützen. Wir fragten beim FLI nach dem derzeitigen Stand der Impfdiskussion.

Für welche Geflügelgruppen wird aktuell eine Impfung hierzulande diskutiert?

Aus Sicht des FLI ist die Impfung besonders für bestimmte Geflügelarten, Nutzungs- und Haltungsformen, zum Beispiel langlebiges Geflügel wie Zuchttiere, Enten und Gänse in Freilandhaltung sowie für Zoovögel geeignet.

Was sind die größten Hindernisse für eine Umsetzung der Impfung in die Praxis?

Impfung und Überwachung sind aufwendig, personal- und kostenintensiv. In der Folge können Handelsbeschränkungen, vor allem durch Importstopps von Drittländern, resultieren. Diese können erhebliche wirtschaftliche Einbußen auslösen.

Die Impfung erreicht in der Regel keine sterile Immunität, das heißt die geimpften Tiere können sich trotzdem infizieren und Virus ausscheiden, ohne dass sie dann jedoch Krankheitssymptome zeigen. Geimpfte Tiere müssen also diesbezüglich überwacht werden. In Frankreich, wo 2023 eine staatlich geförderte Impfpflicht eingeführt wurde, belaufen sich beispielsweise alleine die Monitoringkosten auf über 30 Millionen Euro jährlich.

Wie ist Ihre Einschätzung, wenn die AI-Fälle sich weiter so dynamisch entwickeln, könnte die Impfung dann stärker in den Fokus kommen?

Mögliche Impfungen werden derzeit bereits diskutiert. Eine Bund-Länderkommission berät bereits seit Längerem zu Impfplänen für Deutschland. Es sollte jedoch klar sein, dass Impfmaßnahmen bestehende Bekämpfungsstrategien immer nur flankieren, nicht aber ersetzen können.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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