Es gibt immer mehr Fälle von Vogelgrippe bei Nutzgeflügel. Haupteinträger scheinen momentan Kraniche zu sein. Mehrere Landkreise haben bereits Stallpflicht angeordnet, um gehaltenes Geflügel zu schützen. Für Tiere in Auslaufhaltung ist eine Stallpflicht ein erheblicher Eingriff, den man gut managen muss.
Das Vogelgrippe-Virus (Geflügelpest, H5N1) grassiert in Deutschland. Hauptsächlich betroffen sind bei den Wildvögeln momentan Kraniche. So wundert es nicht, dass die jüngsten Fälle von Vogelgrippe in kommerziellen Geflügelhaltungen entlang der Vogelflugrouten Richtung Süden liegen. Mehrere Landkreise haben bereits vorsorglich eine Stallpflicht angeordnet. Das ist sinnvoll, stellt Tiere und Halter aber vor besondere Herausforderungen.
Sturmtief sorgt für Verbreitung des Vogelgrippe-Virus
Dr. Hiller, Geflügelfachberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, befürwortet die Stallpflicht. Durch das Sturmtief der vergangenen Tage sei der Kranichzug Richtung Süden unterbrochen worden. Kraniche fliegen jeden Tag andere Futterstellen an, zum Beispiel Maisstoppelfelder, und haben auch wechselnde Schlafplätze. So verbreiten sie, wenn sie infiziert sind, das Virus großflächig. Das stürmische Wetter hat ebenfalls zur Verbreitung beigetragen.
Wie Dr. Hiller betont, ist ein Aufstallgebot für Tiere, die sonst in Freilandhaltung leben, ein erheblicher Eingriff in die innere Uhr und im bekannten Tagesablauf.
Legehennen etwa sind es gewohnt, nach dem Eierlegen den Auslauf zu nutzen. Das gilt vor allem nachmittags und bei diesigem Wetter. Bleiben die Auslauföffnungen geschlossen, kommt es davor zu einem starken Andrang von Tieren. In Folge können Erdrückungsverluste vorkommen.
Geflügel bei Stallpflicht intensiver im Blick haben
Tiere müssen bei Stallpflicht viel intensiver beobachtet werden, sagt Dr. Peter Hiller. Schon kleine Abweichungen im Verhalten müssen früh erkannt werden. Nur so kann man schnell reagieren. Insbesondere in kleineren Hobbyhaltungen oder in Mobilställen mit geringerem Raumvolumen und ggf. nicht geregelter Lüftung zeigen Hennen Stresssymptome.
Stress schwächt das Immunsystem der Tiere
Die Tiere sind sehr nervös, die Geräuschkulisse wird lauter. Hühner fliegen aus Panik gegen Fensterscheiben und Windschutznetze. Stress schwächt das Immunsystem der Tiere. Die Gefahr, dass krankmachende Keime den Organismus angreifen können, ist dann größer. Daher ist bei Stallpflicht eine konsequente und verstärkte Stallhygiene dringend zu empfehlen. Folgende Punkte sind dann laut Dr. Peter Hiller wichtig:
- Ausreichend Futter
- Mehrere kleine Mahlzeiten mit Futterpausen und Blockfütterung
- Bestes, hygienisch einwandfreies Tränkewasser
- Scharrfähige Einstreu
- Viel und ausreichende Beschäftigung der Tiere
- Regelmäßiger Wechsel der Beschäftigungsmaterialien
- Beispiele sind Futtermöhren im Sack aufgehängt, Pickschalen und Picksteine, Strohballen, Luzerneballen im Netz
- Kotband öfter abdrehen
- Viel frische Luft
Für die Gänsehaltung ist die aktuelle Geflügelpest-Gefahr in zweifacher Hinsicht sehr problematisch: Das Schlachten von Saisongeflügel hat in den nächsten Tagen seinen Höhepunkt. Der wirtschaftliche Schaden könnte immens hoch werden bei einem Virus-Eintrag.
Bei Gänsen Ausnahmegenehmigungen erforderlich
Zum anderen sei ein Aufstallgebot sehr problematisch bei fast schlachtreifen Gänsen, so der Geflügelfachmann: „Wenn die Gänse die Um- und Aufstallung nicht gewohnt sind, werden sie sehr rasch das Fressen einstellen und abmagern. Durch den ungewohnten Stress wird es Verletzungen geben und auch erhöhte Verluste“.
Auch wenn alles getan werden müsse, ein Ausbreiten der Geflügelpest zu verhindern, appellierte er dringend, bei Gänsen Ausnahmeregelungen zu finden. Viele schlachtreife Gänseherden auch in Niedersachsen kennen nur ihren nicht überdachten Auslauf und wären im wahrsten Wortsinn „tot unglücklich“, wenn sie aufgestallt werden, gab der Geflügelexperte zu bedenken.

































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