Stallpflicht bei Geflügelpest: So bleiben Legehennen auch ohne Auslauf ruhig und gesund

19 März 2026
Legehenne
hennen in voliere

Wenn Behörden eine Stallpflicht verhängen, gerät der Alltag von Legehennen aus dem Gleichgewicht. Ein Online-Seminar zeigt, wie Betriebe Stress vermeiden und das Tierwohl auch im Stall sichern.

Im Rahmen eines Online-Seminars aus dem Netzwerk Fokus Tierwohl zum Thema Aviäre Influenza ging Frau Inga Garrelfs vom Beratungsteam Tierhaltung des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) der Frage nach, was im Falle einer Aufstallung zu tun ist.

Stress durch plötzliche Umstellung

Wenn die Stallpflicht kommt, verändert sich für Legehennen schlagartig die Welt: Routine ist der Schlüssel zu ruhigen, gesunden Tieren. Die Aufstallungspflicht nach der Geflügelpest-Verordnung durchbricht diese Routine abrupt. Was zuvor ein strukturierter Tagesablauf mit Auslauf, Scharren und Sonnenbaden war, wird auf einen begrenzten Raum reduziert – ein massiver Eingriff in das Verhalten der Tiere.

Die Folgen zeigen sich oft schnell. Unruhe im Bestand, Gedränge vor den Auslaufluken und eine erhöhte Besatzdichte im Stall können Stress auslösen. Dieser wiederum begünstigt problematische Verhaltensweisen wie Federpicken oder sogar Kannibalismus. In extremen Fällen kann es durch Panik und Enge sogar zum Erdrücken einzelner Tiere kommen.

Was Hennen wirklich brauchen

Um gegenzusteuern, lohnt sich ein Blick auf die grundlegenden Bedürfnisse von Hühnern. Ihre sogenannten Funktionskreise – darunter Fortbewegung, Sozialverhalten, Körperpflege sowie Futter- und Wasseraufnahme – müssen auch im Stall möglichst vollständig bedient werden. Fehlt etwa die Möglichkeit zur Futtersuche, suchen sich Hennen Ersatzbeschäftigungen – oft auf Kosten ihrer Artgenossen. Ebenso wichtig ist das Ruhen in erhöhten, geschützten Bereichen sowie die Körperpflege, insbesondere das Sandbaden. Wer diese natürlichen Verhaltensweisen im Stall nicht berücksichtigt, riskiert Unruhe im gesamten Bestand.

Struktur schafft Ruhe im Stall

Auch wenn die verfügbare Fläche begrenzt ist, lässt sich durch geschickte Strukturierung viel erreichen. Zusätzliche überdachte Bereiche – etwa in Form eines Wintergartens, eines Folienzelts oder umgebauter Unterstände – können den nutzbaren Raum erweitern und entzerren kritische Zonen wie Stallausgänge. Wichtig ist dabei nicht nur die Fläche, sondern ihre Nutzbarkeit: Rückzugsorte, erhöhte Sitzstangen und gut zugängliche Bereiche für alle Tiere tragen dazu bei, Rangkämpfe zu reduzieren und den sozialen Frieden zu stabilisieren.

Beschäftigung verhindert Verhaltensprobleme

Eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Stress ist gezielte Beschäftigung. Dabei gilt: Abwechslung schlägt Gewohnheit. Materialien wie Möhren, Kürbis oder Rüben regen zum Picken an und lenken die Tiere sinnvoll ab. Ergänzend können Maissilage oder Getreidekomponenten in kleinen Mengen angeboten werden. Raufutter wie Luzerne oder Stroh erfüllt dabei eine doppelte Funktion: Es beschäftigt und sättigt, ohne die Nährstoffaufnahme negativ zu beeinflussen. Wichtig ist jedoch die richtige Darreichung – etwa in Netzen oder Körben –, um Hygieneprobleme zu vermeiden. Auch klassische Elemente wie Picksteine oder Magensteine tragen zur Stabilisierung des Verhaltens bei. Sandbäder wiederum sind unverzichtbar für die Gefiederpflege und wirken direkt beruhigend auf die Tiere.

Hygiene: unsichtbar, aber entscheidend

Neben Verhalten und Beschäftigung spielt die Hygiene eine zentrale Rolle. Futter und Einstreu müssen stets so gelagert werden, dass Wildvögel keinen Zugang haben – sie gelten als Hauptüberträger der Geflügelpest. Ebenso wichtig ist eine trockene Einstreu im Stall, insbesondere wenn zusätzliche Wasserangebote gemacht werden.

Regelmäßiges Nachstreuen und der Austausch belasteter Materialien helfen, Keimdruck zu reduzieren. Auch die Gestaltung des Auslaufs sollte während der Stallpflicht nicht vernachlässigt werden, um nach deren Ende einen gesunden Start zu ermöglichen.

Weniger Tiere, mehr Ruhe?

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Belegung zu reduzieren oder geplante Neueinstallungen zu verschieben. Gerade bei hoher Besatzdichte steigt das Risiko für Verhaltensstörungen deutlich. Weniger Tiere bedeuten oft mehr Ruhe – ein Faktor, der sich unmittelbar auf das Wohlbefinden auswirkt.

Fazit: Management entscheidet

Mit durchdachtem Management, kreativen Lösungen für Beschäftigung und einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Tiere lässt sich auch die Stallpflicht tiergerecht gestalten.

Am Ende zeigt sich: Glückliche Hennen sind kein Zufall – sondern das Ergebnis konsequenter, informierter Haltung.

Magdalena Esterer
Bild: Agrio

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