Eine alte Hühnerrasse aus Ägypten rückt in der Vogelgrippe-Forschung in den Fokus. Fayoumi-Hühner reagieren offenbar anders auf Influenzaviren als moderne Leistungslinien. US-Forscher wollen nun herausfinden, welche Gene dahinterstecken. Das langfristige Ziel: Lege- und Masthühner durch klassische Zucht widerstandsfähiger gegen Aviäre Influenza zu machen – ohne Geneditierung.
Forscher setzen bei den Hühnern statt beim Virus an
Im Kampf gegen die Aviäre Influenza verfolgen Wissenschaftler der University of California in Davis einen neuen Ansatz. Sie konzentrieren sich nicht auf das Virus selbst, sondern auf die genetischen Eigenschaften der Hühner.
Das Forschungsteam untersucht, ob natürliche Unterschiede zwischen Hühnerrassen dazu beitragen können, Tiere widerstandsfähiger gegen Influenzaviren zu machen. Besonders interessant sind dabei Fayoumi-Hühner. Die alte ägyptische Landrasse zeigt nach bisherigen Untersuchungen eine auffällige Immunantwort auf Krankheitserreger.
Sollten die Wissenschaftler die dafür verantwortlichen genetischen Merkmale identifizieren, könnten diese langfristig in die Zucht moderner Lege- und Masthühner einfließen.
Genatlas von mehr als 100 Hühnerrassen hilft bei der Suche
Bei der Suche nach den entscheidenden Genen können die Wissenschaftler auf umfangreiche Daten zurückgreifen. 2025 entstand ein Genatlas des Huhns, der Informationen von mehr als 100 Hühnerrassen und aus 28 verschiedenen Geweben zusammenführt.
Der Atlas zeigt unter anderem, welche Abschnitte des Erbguts die Aktivität bestimmter Gene beeinflussen.
Entdecken die Forscher nach einer Infektion Unterschiede zwischen Fayoumi-Hühnern und modernen Leistungslinien, können sie mithilfe dieser Daten schneller feststellen, welche genetischen Mechanismen dahinterstecken könnten.
Natürliche Unterschiede statt Geneditierung
Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von Versuchen, Hühner mithilfe von Geneditierung widerstandsfähiger gegen Influenza zu machen.
Britische Forscher hatten 2023 beispielsweise ein Gen verändert, das Influenzaviren für ihre Vermehrung benötigen. Bei einer niedrigen Virusdosis blieben die meisten dieser Tiere vor einer Infektion geschützt. Bei höheren Virusmengen infizierten sich jedoch auch die genetisch veränderten Hühner.
Zudem fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass sich das Virus teilweise an die veränderten Bedingungen anpassen konnte.
Die Forscher in Kalifornien wollen deshalb keine neuen Gene einfügen oder vorhandene Gene gezielt ausschalten. Stattdessen suchen sie nach natürlich vorkommenden genetischen Merkmalen, die sich über etablierte Zuchtverfahren nutzen lassen könnten.
Fayoumi, Legehennen und Masthühner im Vergleich
Im aktuellen Forschungsprojekt vergleichen die Wissenschaftler Fayoumi-Hühner mit modernen Lege- und Masthühnerlinien.
Dafür infizieren sie bebrütete Eier mit Erregern der Aviären Influenza. Anschließend untersuchen sie, wie stark sich das Virus vermehrt und wie Gene und Immunsystem darauf reagieren.
Das Embryonenmodell ermöglicht zunächst einen direkten Vergleich verschiedener genetischer Linien. Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf ausgewachsene Hühner übertragen.
Finden die Forscher deutliche Unterschiede, müssen deshalb weitere Untersuchungen mit lebenden Tieren folgen.
Keine Kreuzung mit modernen Hochleistungshühnern geplant
Die Wissenschaftler wollen Fayoumi-Hühner nicht einfach mit modernen Lege- oder Masthühnerlinien kreuzen. Stattdessen suchen sie nach genetischen Markern, die mit einer stärkeren Abwehr von Influenzaviren zusammenhängen.
Solche Marker könnten Zuchtunternehmen künftig bei der Auswahl geeigneter Elterntiere berücksichtigen. Auf diese Weise ließe sich eine höhere Widerstandsfähigkeit möglicherweise schrittweise in moderne Linien integrieren.
Für die Geflügelwirtschaft wäre das interessant: Krankheitsresistenz könnte damit zu einem zusätzlichen Zuchtmerkmal werden.
Noch ist allerdings offen, ob sich die komplexe Immunantwort auf Influenzaviren gezielt und zuverlässig züchterisch beeinflussen lässt. Zudem darf eine höhere Widerstandskraft nicht zulasten wichtiger Merkmale wie Legeleistung, Wachstum oder Futterverwertung gehen.
Warum die Fayoumi-Hühner für Forscher interessant sind
Fayoumi-Hühner stammen ursprünglich aus Ägypten. Anders als moderne Hochleistungslinien wurden sie nicht über Jahrzehnte auf maximale Lege- oder Mastleistung selektiert.
Für die Wissenschaft sind sie vor allem deshalb interessant, weil ihr Immunsystem offenbar anders auf bestimmte Krankheitserreger reagiert.
Frühere Untersuchungen derselben Forschungsgruppe lieferten bereits Hinweise darauf. Nach einer Infektion mit einem niedrigpathogenen Influenza-A-Virus schieden Fayoumi-Hühner über die Atemwege weniger Viren aus als untersuchte Leghorn-Hühner.
Gleichzeitig fanden die Forscher mehr Immunzellen im Atemwegsgewebe der Fayoumi-Tiere. Das könnte auf eine schnellere oder stärkere Immunreaktion hindeuten.
Auch bei der Aktivität bestimmter Gene stellten die Wissenschaftler nach einer Virusinfektion Unterschiede zwischen den Hühnerrassen fest.
Weg zu vogelgripperesistenten Hühnern ist noch weit
Welche Gene tatsächlich dafür sorgen, dass Fayoumi-Hühner Influenzaviren möglicherweise besser abwehren, wissen die Wissenschaftler noch nicht. Ebenso wenig ist bislang geklärt, ob sich diese Eigenschaften auf moderne Lege- und Masthühner übertragen lassen.
Für Geflügelhalter bedeutet das: Eine kurzfristige Alternative zu Biosicherheit, Seuchenüberwachung oder möglichen Impfstrategien ist dieser Forschungsansatz nicht.
Langfristig könnte die Genetik jedoch einen zusätzlichen Baustein im Kampf gegen die Aviäre Influenza liefern. Gelingt es, robuste genetische Merkmale zu identifizieren, könnten Zuchtunternehmen künftig Hühner auswählen, die eine bessere natürliche Widerstandsfähigkeit mit den notwendigen Leistungsmerkmalen verbinden.





































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