Futtereffizienz: Geflügelhalter können beim Futter CO₂ und Kosten zugleich senken

29 September 2026
Futter
Legehennen

Futter verursacht einen Großteil des CO₂-Fußabdrucks von Eiern und Geflügelfleisch. Wer die Futtereffizienz verbessert, kann deshalb Emissionen und Kosten zugleich senken.

Wie können Geflügelhalter nachhaltiger produzieren, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren? Ein entscheidender Hebel liegt in der Fütterung. Darauf verwies Dr. Sofie Kilroy von Trouw Nutrition bei einer Informationsveranstaltung des Unternehmens Anfang September 2026.

Ein Großteil der Klimawirkung entsteht außerhalb des Geflügelstalls

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Dr. Sofie Kilroy in der Geflügelbranche. In den vergangenen drei Jahren hat sie sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie sich die Geflügelproduktion nachhaltiger gestalten lässt. Nachhaltigkeit werde ihrer Meinung nach häufig mit zusätzlichen Kosten, höherer Komplexität und einem wachsenden Geflecht aus Regeln und Vorgaben verbunden. Allerdings ist Futtereffizienz einer der wichtigsten Hebel für geringere Emissionen in der Geflügelhaltung. Wer mit weniger Futter mehr Ei oder Fleisch erzeugt, senkt nicht nur den Ressourcenverbrauch, sondern in der Regel auch die Kosten. Genau hier liegen nach den vorgestellten Daten wesentliche Ansatzpunkte für die Klimawirkung der Geflügelproduktion.

Bei der Lebenszyklusanalyse wird der gesamte Prozess von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung betrachtet. Neben dem CO₂-Ausstoß lassen sich unter anderem Wasserverbrauch und weitere Umweltwirkungen erfassen. Für die Klimabilanz werden unterschiedliche Treibhausgase in CO₂-Äquivalente umgerechnet. Gerade in der Geflügelwirtschaft liegt der Schwerpunkt dabei nicht auf den direkten Emissionen der Betriebe, da mehr als 95 % des CO₂-Fußabdrucks auf vor- und nachgelagerte Prozesse entfallen. Für die Erzeugung von Eiern und Geflügelfleisch bedeutet das vor allem: Ein großer Teil der Klimawirkung entsteht außerhalb des Stalls.

Futter verursacht 80 Prozent des CO₂-Fußabdrucks von Eiern

Besonders deutlich wird dies bei der Eierproduktion. Für sieben Herden aus den Niederlanden wurde ein durchschnittlicher CO₂-Fußabdruck von 2,9 kg CO₂-Äquivalenten je Kilogramm Ei genannt. Der größte Anteil (80 %) entfiel dabei auf das Futter. Mit digitalen Instrumenten wie MyFeedPrint, MyEggPrint und MyChickenPrint von Trouw Nutrition lässt sich der CO₂-Fußabdruck verschiedener Futterkomponenten erfassen und vergleichen. Das soll auch helfen, die Folgen einer veränderten Rezeptur zu bewerten: Der Austausch von Sojaschrot gegen alternative Rohstoffe kann den CO₂-Fußabdruck senken, muss es aufgrund unterschiedlicher Herkunft und Landnutzungsfaktoren aber nicht.

Präzisionsfütterung kann Futterverwertung verbessern

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Präzisionsfütterung, bei der die Tiere in jeder Lebensphase möglichst genau mit den benötigten Nährstoffen versorgt werden. Auch Split Feeding, bei dem die Ration stärker an den biologischen Ablauf der Eiproduktion angepasst wird, wurde als Möglichkeit genannt. Die Methode könne technische Leistung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander verbinden, erfordere allerdings ein entsprechend präzises Management. Auch die Rohstoffkontrolle hilft: Durch eine genauere Erfassung der Nährstoffgehalte können Rationen gezielter angepasst werden. In einem vorgestellten Versuch ließ sich dadurch die Futterverwertung um zehn Punkte verbessern. Gleichzeitig wurde eine Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks um 10 % genannt.

Legehennen: Bis zu 30 Prozent weniger CO₂ bis 2030 möglich

Für die Legehennenhaltung wurde auf Basis verschiedener Maßnahmen ein Reduktionspotenzial von bis zu 30 % bis 2030 genannt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um vollständig addierbare Einzelwerte, da sich die Effekte verschiedener Maßnahmen überschneiden können. Komplexer stellt sich die Situation bei der Broilerproduktion dar: Hier treffen unterschiedliche Produktformen, Vermarktungsmodelle und Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit aufeinander.

Tiergesundheit beeinflusst die Futtereffizienz

Neben der Futterverwertung entscheidet, wie viel verwertbares Produkt entlang der Kette vom Stall bis zum Handel entsteht. Tiergesundheit und Futterhygiene wirken dabei ebenfalls auf die Effizienz. Für eine unzureichende Kontrolle von Mykotoxinen wurde beispielsweise ein um 8,5 % höherer CO₂-Fußabdruck genannt.

Messen, vergleichen, optimieren

Für Dr. Kilroy ist die Datengrundlage entscheidend. Sie verweist darauf, dass heute Wissenschaft, Daten und Werkzeuge zur Verfügung stehen, um die Nachhaltigkeit der Geflügelproduktion genauer zu erfassen. Erst die Messung mache Zielkonflikte sichtbar und ermögliche es, Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette gezielt zu steuern.

Magdalena Esterer
Bild: Dieter Theyssen
Quelle: Trouw Nutrition

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