Weniger Protein, gleiche Leistung: Wie präzise Legehennenfütterung Emissionen halbiert

03 Februar 2026
Nährstoffe
Legehennen im Auslauf

Eier bleiben gefragt, Umweltauflagen werden strenger. Eine Fütterungsstudie am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel in Kitzingen zeigt, wie Legehennen mit weniger Rohprotein leistungsfähig bleiben – und Emissionen deutlich sinken.

Der Appetit auf Eier wächst. 249 Eier verzehrte jede Person in Deutschland im Jahr 2024 – so viele wie nie zuvor. Eier liefern hochwertiges Protein mit idealer Aminosäurezusammensetzung und gelten seit Langem als Referenz für die menschliche Ernährung. Gleichzeitig gerät ihre Erzeugung stärker unter Druck: Umweltauflagen, Klimaziele und gesellschaftliche Erwartungen verlangen nach nachhaltigeren Produktionssystemen.

Ein zentraler Hebel liegt im Futter.

Deutschland muss seine Ammoniakemissionen bis 2030 um 29 Prozent senken. In der Legehennenhaltung entscheidet dabei nicht nur Technik, sondern vor allem die Ration. Überschüssiges Rohprotein, das die Henne nicht in Eimasse umsetzt, scheidet sie als Stickstoff aus. Dieser Stickstoff belastet Luft und Gewässer und beeinträchtigt Tiergesundheit und Tierwohl. Der Zusammenhang ist eindeutig: Je höher der Rohproteingehalt, desto höher die Stickstoff- und Ammoniakemissionen.

Protein senken – Emissionen mindern

Eine gezielte Absenkung des Rohproteingehalts gilt als anerkannte Maßnahme, um Emissionen zu reduzieren. Die Technische Anleitung Luft erlaubt bei nachgewiesener stickstoffreduzierter Fütterung eine pauschale Minderung der Ammoniakemissionen um zehn Prozent. Gleichzeitig rückt der CO₂-Fußabdruck (CO₂ = Kohlendioxid) der Eierzeugung in den Fokus. Besonders die Futterherstellung – etwa der Import von Sojaextraktionsschrot – verursacht hohe indirekte Emissionen. Weniger Eiweißfutter bedeutet daher nicht nur weniger Stickstoff, sondern auch weniger CO₂.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigen Erfahrungen aus der Schweinemast. In bayerischen Betrieben ersetzten Landwirte seit 2015 Soja schrittweise durch heimische Eiweißträger und freie Aminosäuren. Die Emissionen sanken, die Leistung blieb stabil – bei fast 28 Millionen Tieren. Dieses Prinzip übertrugen Forschende nun auf die Legehennenfütterung.

Der Versuch: Drei Rationen, ein Ziel

Ein Team um Reinhard Puntigam (Fachhochschule Südwestfalen), Julia Slama (Universität Rostock) sowie Katja Krebelder, Linda Fitz und Philipp Hofmann (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) untersuchte am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel in Kitzingen rund 1.300 Bovans-Brown-Legehennen (Hendrix Genetics). Der Versuch lief von der 49. bis zur 66. Lebenswoche – dem zweiten Legeabschnitt.

Die Tiere erhielten drei unterschiedliche Rationen: eine Kontrollration mit 17 Prozent Rohprotein und Sojaextraktionsschrot, eine Variante mit 16 Prozent Rohprotein und reduziertem Sojaanteil sowie eine dritte Ration mit ebenfalls 16 Prozent Rohprotein, bei der Soja vollständig durch heimische Eiweißträger ersetzt wurde. In allen Varianten ergänzten die Forschenden gezielt freie Aminosäuren, um den Bedarf der Hennen präzise zu decken.

Folgende Futtergruppen fanden Anwendung 

  • 17CP (Kontrolle): 17  % überschüssiges Rohprotein (CP), 25 % Sojaextraktionsschrot (SES); Supplementierung von DL-Methionin und L-Threonin
  • 16CP: 16  % überschüssiges Rohprotein (CP), reduzierter SES-Anteil (22 %); Supplementierung von DL-Methionin und L-Threonin
  • 16CPalternative: 16  % überschüssiges Rohprotein (CP), vollständiger Ersatz von Sojaextraktionsschrot durch heimische Eiweißfuttermittel; Supplementierung von Lysin HCL, DL-Methionin, L-Threonin, L-Tryptophan, L-Isoleucin, L-Valin

Leistung bleibt stabil

Während der gesamten Untersuchung wurden zahlreiche Leistungsmerkmale erfasst. Dazu zählten Mortalität, Legeleistung, Eigewichtsklassen, Anteil vermarktungsfähiger Eier und B-Ware, mittleres Eigewicht sowie die Eimasse. Zudem wurde der Futterverbrauch je Henne sowie der Futteraufwand je kg Eimasse erhoben. Die Lebendmasse wurde in Lebenswoche 66 bei jeweils 50 zufällig ausgewählten Tieren pro Abteil gewogen.

Das Ergebnis ist klar: Legeleistung, Futteraufnahme, Futterverwertung und der Anteil vermarktungsfähiger Eier unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Die Eiqualität blieb durchweg stabil. Lediglich das mittlere Eigewicht fiel in der sojaersetzten Gruppe um etwa ein Gramm geringer aus. Diese Hennen legten mehr Eier der Größe M und weniger XL-Eier – ohne wirtschaftlich relevante Einbußen.

„Entscheidend ist nicht die Rohproteinmenge, sondern die Qualität und das Verhältnis der Aminosäuren“, fassen die Autor:innen zusammen. Solange die praecaecal verdaulichen Aminosäuren bedarfsgerecht vorliegen, bleibt die Leistung erhalten.

Deutlich weniger Stickstoff, deutlich weniger Kohlendioxid

Der ökologische Effekt ist erheblich. Die Absenkung des Rohproteingehalts reduzierte die berechneten Stickstoffausscheidungen um rund 15 Prozent – ohne Leistungseinbußen. Auch der CO₂-Fußabdruck sank deutlich: Durch den Einsatz regionaler Eiweißfuttermittel halbierten sich die Emissionen pro Kilogramm Futter und pro Kilogramm Eimasse nahezu.

Ein Wermutstropfen bleibt: Heimische Eiweißträger wie Raps- oder Sonnenblumenprodukte enthalten mehr Phosphor. In der vollständig sojaersetzten Ration stieg deshalb die Phosphorausscheidung leicht an. Die Autor:innen betonen, dass dies bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden muss.

Präzision statt Überversorgung

Das Fazit der Studie ist eindeutig: Eine moderat abgesenkte, nährstoffangepasste Legehennenfütterung entlastet Umwelt und Klima, ohne die Leistungsfähigkeit der Tiere zu gefährden. Freie Aminosäuren ermöglichen es, Rohprotein gezielt zu senken und Überversorgung zu vermeiden. Der vollständige Verzicht auf Soja kann den CO₂-Fußabdruck weiter reduzieren, erfordert jedoch eine besonders präzise Rationsplanung.

Die Ergebnisse gelten für den untersuchten Zeitraum ab der 49. Lebenswoche. Sie zeigen aber klar, wohin der Weg führt: weg von pauschaler Eiweißversorgung, hin zu präziser Ernährung. Oder, wie es die Studie indirekt nahelegt: In der Legehennenfütterung zählt nicht die Menge an Protein in der Ration, sondern die bedarfsgerechte Versorgung mit Eiweiß.

Geflügelnews
Bild: Kristoffer Finn
Quelle: Reinhard Puntigam, Fachhochschule Südwestfalen; Julia Slama, Universität Rostock; sowie Katja Krebelder, Linda Fitz und Philipp Hofmann, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

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