Professor Bellof zeigt, dass deutsche Landwirte mit heimischen Eiweißfuttermitteln wie Erbsen, Lupinen und Ackerbohnen weitgehend auf Soja-Importe verzichten könnten, wenn sie die besonderen Anforderungen an Aminosäuren und Verarbeitung berücksichtigen.
Etwa die Hälfte der in Deutschland verwendeten Eiweißfuttermittel wird importiert. Dabei gäbe es laut Gerhard Bellof, emeritierter Professor der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, durchaus die Möglichkeit, komplett auf heimische Alternativen umzusteigen. Bellof sprach darüber in einer Online-Veranstaltung von LeguNet und Proteinmarkt.de.
Diese heimischen Eiweißfuttermittel sind für Geflügel geeignet
Eiweißfuttermittel sind nicht genau definiert, gelten aber in der Regel ab einem Rohproteingehalt von etwa 22 % in der Trockensubstanz als solche. In Deutschland können verschiedene heimische Eiweißfuttermittel eingesetzt werden, darunter Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen sowie Ölkuchen und Ölschrote aus Soja, Raps und Sonnenblumen. Laut Bellof spielen andere Nebenprodukte wie Biertreber oder Insektenproteine bisher nur eine geringe Rolle in der Geflügelfütterung.
Die Definition „heimisch“ ist nicht eindeutig. Während Sojaschrot fast ausschließlich importiert wird, stammt Rapsschrot teilweise aus europäischer Produktion. Insgesamt liegt der Importanteil bei Eiweißfuttermitteln in der deutschen Tierfütterung bei etwa 50 %, so Bellof.
Extraktionsschrote wie Sojaextraktionsschrot haben sehr hohe Proteingehalte und sind besonders für Junggeflügel wichtig. Dabei kommt es jedoch weniger auf den reinen Proteingehalt an, sondern vor allem auf das Aminosäuremuster. Erbsen und Ackerbohnen enthalten weniger Protein, dafür aber viel Stärke, was sie energetisch interessant macht. Lupinen und Sojabohnen liefern hingegen mehr Protein und Fett, jedoch kaum Stärke.
Probleme und Grenzen bei Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen
Ein wichtiger Punkt beim Einsatz von Körnerleguminosen sind die antinutritiven Inhaltsstoffe (ANF), die die Verdaulichkeit beeinträchtigen können. Ackerbohnen und Erbsen enthalten Tannine, die die Proteinverwertung hemmen. Bei Erbsen empfiehlt Bellof, ausschließlich weißblühende Sorten zu verwenden, da diese als unproblematisch gelten. Auch bei Ackerbohnen sollten weiße Sorten bevorzugt werden, um Akzeptanzprobleme zu vermeiden.
In der Legehennenfütterung ist der Einsatz von Ackerbohnen mengenmäßig eingeschränkt, jedoch gibt es mittlerweile Sorten mit sehr niedrigen ANF-Gehalten. Bei Lupinen ist Vorsicht wegen Alkaloiden geboten, die in hohen Mengen toxisch wirken können. Besonders bei Junggeflügel sollte der Lupineneinsatz begrenzt werden, erklärte Bellof.
Wärmebehandlung: Warum Sojabohnen nicht roh verfüttert werden dürfen
Sojabohnen dürfen keinesfalls roh an Geflügel verfüttert werden. Der Grund sind Trypsin-Inhibitoren, die die Verdauung von Eiweiß verhindern. Eine Wärmebehandlung (Toasten) ist zwingend erforderlich, muss jedoch auf den Verwendungszweck abgestimmt sein, da sie die Verfügbarkeit einzelner Aminosäuren beeinflusst.
So lassen sich Aminosäure-Defizite ausgleichen
Ein weiteres Problem vieler heimischer Eiweißfuttermittel ist der niedrige Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin. In der konventionellen Fütterung kann dieser Mangel durch die Zugabe freier Aminosäuren ausgeglichen werden. Alternativ kann eine Kombination mit methioninreichen Futtermitteln wie Rapsextraktionsschrot helfen. Für den ökologischen Landbau empfiehlt Bellof, Erbsen mit Sonnenblumen- oder Rapskuchen zu kombinieren.




































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