Eiweiß für Legehennen regional erzeugen: Erfahrungen vom Kudammhof

15 Oktober 2025
Nährstoffe
Kudammhof

Eiweiß für Legehennen aus der Region: Der Kudammhof bei Celle setzt auf Ackerbohnen, Soja und Leguminosen, um die Fütterung im ökologischen Landbau zu sichern.

Eiweißfutter für Legehennen regional erzeugen – Erfahrungen vom Kudammhof

Die Eiweißversorgung von Legehennen ist eine zentrale Herausforderung im ökologischen Landbau. Auf dem Kudammhof bei Celle setzt die Familie Schütze auf heimisch angebaute Leguminosen wie Ackerbohnen und experimentiert zusätzlich mit Sojabohnen, um die Ration der Hennen möglichst aus eigener Erzeugung zu gestalten.

Ackerbohnen: Regional, aber mit Herausforderungen

„Für heimisches Eiweiß machen wir immer die Ackerbohne. Immer“, betont Lara Schütze, die den Betrieb zusammen mit ihrem Vater Johannes Erkens leitet. Die Bohnen werden direkt in der hofeigenen Ration verfüttert, Überschüsse gehen an einen Schweinemäster.
Herausforderungen der Ackerbohne:

  • Schwankende Erträge
  • Hoher Wasserbedarf
  • Inhaltsstoffe wie Vicin und Covicin, die die Verdaulichkeit einschränken

Zwar gibt es inzwischen vicin- und covicin-arme Sorten, die Auswahl ist jedoch noch begrenzt.

Die studierte Politologin und ausgebildete Landwirtin Lara Schütze übernimmt den elterlichen Betrieb, auf dem schon immer ein besonderer Fokus auf der Kreislaufwirtschaft liegt.

Eigenanbau von Soja

Seit drei Jahren experimentiert der Kudammhof mit Sojabohnen. Lara Schütze erklärt: „Die ersten zwei Jahre lief der Soja-Anbau sehr gut, dieses Jahr jedoch etwas schlechter als geplant.“ Ursachen sind Trockenheit und späte Verunkrautung.

Die selbstangebauten Sojabohnen müssen vor der Verfütterung aufbereitet werden (Erhitzen, Pressen, Öl entfernen). Da der Betrieb dies nicht selbst leisten kann, werden die Bohnen an Verarbeitungsbetriebe verkauft. Mobile Sojatoaster für kleine Betriebe gibt es in der Region Celle aktuell nicht.

Methionin und Eiweißergänzer unverzichtbar

Eine weitere Herausforderung ist der Methioningehalt in der Ration. Diese essenzielle Aminosäure steckt vor allem in Ölfrüchten wie Soja und Sonnenblumen.

Der Kudammhof setzt aktuell auf Eiweißergänzer:

  • 30–35 % der Ration aus Soja-, Sonnenblumen-, Lein-, Raps- und Sesamkuchen
  • Bierhefe und Grünmehl
  • 14 % Weizen, 10 % Triticale, 26 % Mais, 5 % Ackerbohnen

„Weniger Fett wäre besser, aber dann fehlt uns Methionin. Auf die Ergänzer können wir nicht verzichten“, so Lara Schütze.

Alternative Leguminosen: Erbsen und Winterbohnen

Neben Soja und Ackerbohnen könnten Wintererbsen eine Lösung sein. Sie verlagern den Wasserbedarf in andere Vegetationsphasen und könnten Trockenheitsproblemen entgegenwirken. Auch Winterackerbohnen werden in Versuchen getestet.

Seit 2022 gilt die 100-%-Biofütterungspflicht, die den Einsatz konventioneller Futtermittel wie Kartoffeleiweiß oder Maiskleber ausschließt. Daher bleibt der Einsatz von Eiweißergänzern aktuell unverzichtbar.

Auf dem Kudammhof werden Soja- und Ackerbohnen angebaut, aber nur die Ackerbohnen gelangen in die Futterration

Züchtung als Schlüssel zur Selbstversorgung

Die Erfahrungen vom Kudammhof zeigen: Ohne Züchtungsfortschritte bei heimischen Leguminosen bleibt die Eiweiß-Selbstversorgung schwierig. Lara Schütze betont: „Wir brauchen Winterungen und widerstandsfähige Sorten. Solange es diese nicht gibt, ist der Eiweißergänzer unverzichtbar.“

Der Kudammhof setzt dennoch auf regionale Produktion: 55 % des Futters stammen vom eigenen Acker, ergänzt durch gezielte Anbauverfahren wie breitere Reihenabstände, pfluglose Bewirtschaftung und Striegeln, um den Proteingehalt im Getreide zu erhöhen.

Geflügelnews
Bild: Leonie Jost
Quelle: Land und Forst / Leonie Jost

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.